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Betriebliche Altersvorsorge : Versicherer fordern automatische Entgeltumwandlung

Aber hoffentlich mit einer guten Altersvorsorge Bild: dpa

Der Verband der Versicherer GDV fordert eine Belebung der betrieblichen Altersvorsorge. Arbeitgeber sollen das Recht bekommen, Gehaltsbestandteile in Pensionsbeiträge umzuwandeln.

          Mehr Arbeitnehmer sollten sozialversicherungsfreie Einkommensbestandteile in eine Altersvorsorge einzahlen können. Das fordert der Versichererverband GDV in einem Konzeptpapier, das der F.A.Z. vorliegt.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Wichtigster Punkt: Arbeitgeber sollten das Recht erhalten, Gehaltskomponenten in Ansprüche aus einer Betriebspension umzuwandeln, wenn der Arbeitnehmer nicht innerhalb von drei Monaten widerspricht. „Erfahrungen aus dem Ausland zeigen, dass bei solchen Modellen eine hohe Beteiligungsquote erreicht wird“, sagt Verbandspräsident Alexander Erdland.

          Keine Anrechnung auf niedrige Renten

          Aus Sicht der Versicherer besteht ein Bedarf für eine solche Reform, weil sich der Anteil der Betriebsstätten mit betrieblicher Vorsorge im Jahrzehnt nach 2001 zwar um 19 Prozentpunkte auf 50 Prozent erhöht hat. Doch dieser Anstieg kam 2009 fast zum Erliegen. Nachholbedarf gebe es insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen. Vor allem für Geringverdiener sollte dieses Modell attraktiver gemacht werden, findet der Verband – beispielsweise indem Leistungen aus Betriebspensionen nicht mehr voll auf die Grundsicherung im Alter angerechnet werden.

          Dagegen betont der GDV, wie kostengünstig der Vertrieb zu organisieren wäre. Auf die Frage, ob man Provisionen entsprechend auf sehr geringem Niveau begrenzen könne, antwortete Erdland auf dem Versicherungstag in Berlin allerdings ausweichend.

          Sozialversicherungsfreie Beiträge verdoppeln

          Zudem sollte der Anteil, der sozialversicherungsfrei zurückgelegt werden kann, von 4 auf 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (derzeit 4584 Euro) verdoppelt werden. Überdies sollten Bestrebungen aufgegeben werden, die Sozialversicherungsfreiheit der Einzahlungen abzuschaffen.

          Der Verband fordert auch, Nachzahlungen steuerlich zu begünstigen und keine Zusatzbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zu ermöglichen. Die automatische Entgeltumwandlung sei ordnungspolitisch vertretbar, weil nicht zur Pflicht gemacht werde. „Der Eingriff in die Rechte der Arbeitnehmer ist dabei als eher geringfügig zu werten“, heißt es in dem Papier.

          Unter unabhängigen Beobachtern ist die Entgeltumwandlung allerdings nicht mehr unumstritten. Sie lohne sich nur für bestimmte Arbeitnehmer, sagt etwa der Bamberger Sozialrechtler Ulrich-Arthur Birk: solche mit privater Krankenversicherung und Geringverdiener. Alle anderen müssten im Alter nämlich seit einer Gesetzesänderung vor einigen Jahren Krankenversicherungsbeiträge zahlen oder hätten durch die steuerliche Progression im Alter, unter die auch die Betriebspensionen fallen, nur geringe Vorteile.

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