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Rentenversicherung : Gibt es den dritten Weg in der Altersvorsorge?

Im Alter will keiner im Regen stehen. Bild: Getty

Aktienfonds können hohe Renditen erzielen, aber auch Verluste einfahren. Stabiler sind Versicherungen. Ein Mischmodell ist denkbar.

          5 Min.

          Die Grundidee der staatlichen Förderung der privaten Altersvorsorge war einmal ganz einfach: Um die Anfälligkeit der gesetzlichen Umlage für den demographischen Wandel zu entschärfen, sollten sich mehr Menschen am Produktivkapital der Wirtschaft beteiligen. So könnten geringere Leistungen aus dem gesetzlichen System abgefedert werden. Doch weil das daraus folgende Modell der Altersvorsorge eine Beitragsgarantie beinhaltet, ist es in Phasen niedriger Zinsen mit der Beteiligung am Produktivkapital nicht weit her. Ein Großteil des Ersparten fließt in Rentenpapiere mit immer geringeren Verzinsungen.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Fragt man allerdings die deutschen Versicherer, was ihr Alleinstellungsmerkmal ist, antwortet ein Großteil immer noch: Garantien und Biometrie. Anders übersetzt, die Assekuranz sieht ihren Wettbewerbsvorteil darin, dass sie ihren Kunden zusagt, auch noch in einigen Jahrzehnten einen heute vereinbarten Zins zu gewähren (Garantie) und dass sie bis zum Lebensende zahlt, egal wie alt der Kunde wird (Biometrie). Das wiederum fesselt sie an die schlecht verzinsten Rentenpapiere. Ihr Modell funktioniert unter diesen Kapitalmarktbedingungen nicht.

          Fixierung auf Nominalgarantien

          Weniger beachtet als Alleinstellungsmerkmal ist das Sparen im Kollektiv und das Instrument der Überschussbeteiligung, das dazu beiträgt, dass Versicherer zwar in glänzenden Zeiten am Aktienmarkt schwächer abschneiden als reine Investmentfonds. Dafür leiden Lebensversicherte in schlechten Zeiten auch weniger an Kursverlusten an der Börse, denn mit Hilfe von Reserven wie den Rückstellungen für die Beitragsrückerstattung glätten sie Verluste und Gewinne. So entsteht ein kollektiver Ausgleich zwischen den Risiken unter den Versicherten unterschiedlicher Vertragsgenerationen. Diese Systematik war einst der Grund dafür, dass private Rentenversicherungen steuerlich begünstigt wurden.

          Das Bemühen der Versicherer war in den vergangenen Jahren darauf gelenkt, Nominalgarantien aufrechtzuerhalten - auch wenn der Kapitalmarkt nur noch einen risikofreien Zins gewährt, der 0 Prozent erreicht hat. Alternative Garantiekonzepte sind kompliziert, intransparent und teuer, sollen aber immerhin einen höheren Aktienanteil ermöglichen. Kunden können sie kaum verstehen, nicht vergleichen und müssen durch die hohen Kosten auf einen Teil ihrer mutmaßlich etwas höheren Rendite verzichten.

          Wie wäre es also, die Stärken eines Investmentfonds (die höheren Renditeaussichten) mit denen einer Lebensversicherung zu kombinieren? „Das wäre ein Modell, das ein hohes Aktienexposure verbindet mit einem generationenübergreifenden Ausgleichsmechanismus, der die Irrtümer der Marktbewertung abfedert“, sagt Oskar Goecke, Professor für Versicherungsmathematik und Kapitalmarkttheorie am Institut für Versicherungswesen in Köln.

          Seinen Ansatz hat er erstmals vor drei Jahren einer Fachöffentlichkeit vorgestellt, aktuell ist er gerngesehener Gast auf Tagungen, trug das Modell schon bei der Deutschen Aktuarvereinigung und beim Bund der Versicherten vor. Zudem beeinflusste es das Gutachten von Marco Arteaga und Peter Hanau für eine stärkere Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge an Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD).

          Überschussreserve deckt Wertschwankungen ab

          Die Idee seines Generationenfonds ist einfach: Wie in einem Investmentfonds kann das Ersparte zu einem größeren Anteil als bei Lebensversicherungen in eine Aktienanlage fließen. Doch anders als beim Investmentfonds erwächst daraus kein individueller Anspruch. Dort errechnet sich das eigene Vermögen aus der Anzahl der Anteile multipliziert mit dem aktuellen Anteilspreis.

          Stattdessen gibt es ein Kollektivvermögen, indem überdurchschnittliche Renditen eines Jahres in eine Überschussreserve fließen. Läuft es schlecht am Kapitalmarkt, kann daraus ein Ausgleich finanziert werden, und die Ergebnisse werden über die Zeit geglättet. „In Versicherungen gibt es einen solchen Ausgleichsmechanismus schon. Aber er ist nicht transparent und wird zu Vertriebszwecken pragmatisch ausgeschlachtet“, sagt Goecke.

          Zufallsergebnisse ausgeglichen

          Das Kollektivvermögen entspricht dem Deckungsstock einer Lebensversicherung. „Egal, wie das System der Altersvorsorge aufgebaut ist - ob als Kapitaldeckung oder als Umlage, es kann nur verteilt werden, was erwirtschaftet wurde. Es geht also darum, das System so zu gestalten, dass es eine faire Teilhabe ermöglicht“, sagt er.

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