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Altersvorsorge : Mehr Interesse an Fondsgebundenen Rentenversicherungen

Die Krise der Lebensversicherung zwingt die Kunden zur Suche nach Alternativen. Bild: dpa

Die Krise der klassischen Lebensversicherungen zwingt Kunden, nach Alternativen Ausschau zu halten. Dabei rückt die Altersvorsorge ohne Absicherung in den Fokus.

          Die Deutschen trauen den Finanzmärkten nicht so recht. Deshalb passte die klassische Lebensversicherung mit jährlichen Zinsgarantien gut zu ihrem Sicherheitsempfinden. Doch je schwerer es wird, diese Garantien zu erwirtschaften, desto mehr Gedanken machen sich Versicherer und Kunden über Alternativen. Die neuen Garantien sind teuer und schwer zu verstehen. Verbraucher lassen sich zunehmend wieder davon überzeugen, ihr Altersvorsorgegeld in eine fondsgebundene Rentenversicherung zu investieren, in der sie allein das Risiko aus der Kapitalanlage tragen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Bis in die Finanzkrise hinein erfreute sich diese Mischung aus Investmentfonds und privater Rentenversicherung wachsender Beliebtheit. Im Jahr 2007 verzeichnete die Versicherungswirtschaft mit 1,66 Millionen Policen den höchsten Absatz. Dann aber kam die Finanzkrise mit starken Kursverlusten an der Börse. Das Neugeschäft ging um bis zu eine Million Verträge zurück (siehe Grafik). Doch auf den Tiefpunkt im Jahr 2013 folgten zuletzt vier Wachstumsjahre. Dabei sind Verbraucherschützer äußerst skeptisch gegenüber dieser Produktgattung.

          Fondsgebundene Rentenversicherung

          „Ich kann keinen Vorteil erkennen, die Altersvorsorge über einen Fonds im Versicherungsmantel zu betreiben“, sagt Niels Nauhauser, Vorsorgespezialist der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Zu den Fonds- addierten sich die Verwaltungskosten. Überdies bezahle der Kunde die Abschlusskosten in den ersten fünf Jahren, statt sie wie in einem Fondssparplan über die Laufzeit verteilt zu begleichen. „Dadurch entsteht ein Kostenkosten- statt eines Zinseszins-Effekts“, sagt Nauhauser. Auf die gesamte Laufzeit vermindere sich die Rendite so häufig um 2 bis 3 Prozentpunkte. Verteile der Sparer die Geldanlage zu je der Hälfte auf Anleihen und Aktien, erziele er bei einem Ertrag von 1 Prozent (Anleihen) und 6 Prozent (Aktien) 3,5 Prozent Rendite. Ziehe er die Renditeminderung ab, bleibe nicht viel vom Ertrag übrig.

          Die großen Finanzvertriebe halten die fondsgebundene Rentenversicherung dennoch für eine Alternative. „Wenn man die Altersvorsorge allein auf die Kosten herunterbricht und dabei die Leistungen außer Acht lässt, dann könnte man theoretisch auf Indexfonds (ETF) setzen“, sagt Miriam Michelsen, Leiterin Vorsorge des Finanzvertriebs MLP. Ihr Unternehmen sei nicht auf einzelne Produktpartner und Produktgruppen fixiert, Investmentfonds würden genauso empfohlen wie Versicherungspolicen. Eine Kombination aus Steuervorteilen, Planbarkeit und Produktgestaltung spricht aus ihrer Sicht für die fondsgebundenen Policen. Der Versicherer könne mit dem Ablaufmanagement der Kapitalanlage beginnen, je weiter sich der Kunde dem Rentenalter nähert. „Das hilft, das Risiko herauszunehmen und nicht jeden Tag auf die Märkte schauen zu müssen“, sagt Michelsen. Umschichtungen erfolgten im Versicherungsmantel anders als bei einer freien Fondsanlage steuer- und kostenfrei. Überdies wird im Fall der Verrentung des Kapitals nur der Ertragsanteil der monatlichen Rente mit dem individuellen Steuersatz versteuert. „Bei der Entscheidung für eine Rentenleistung bleiben zudem die gesamten Erträge aus der Ansparphase steuerfrei. Ich verstehe nicht, warum die Branche diesen Vorteil nicht mehr in den Vordergrund stellt“, sagt Michelsen.

          Doch gegen passiv gemanagte Indexfonds tun sich auch Versicherer schwer. „In perfekten Märkten wie den Aktienmärkten wird es immer schwieriger, systematisch eine zusätzliche Rendite durch aktives Management zu erzielen“, sagt Michael Leinwand, Chief Investment Officer der Zurich, die sich schon länger als andere Versicherer von der klassischen Lebensversicherung losgesagt hat und seither allein auf fondsgebundene Versicherungen mit und ohne Garantie setzt. Dennoch glaube er daran, dass mit aktiver Auswahl der Kapitalanlagen mehr herauszuholen ist. „In bestimmten Phasen schlägt der Trend den Markt“, sagt er.

          Zu viele Versicherungen haben Realitätstest nicht bestanden

          Als Versicherer könne er bei der Fondsauswahl Größenvorteile ausnutzen. Er stecke tiefer in den Fragen der Kapitalanlage als ein Privatanleger. „Wir glauben deshalb, die richtigen Fonds herausselektieren zu können“, sagt Leinwand. Bestimmte Themenfelder, in denen sich Aktien besonders gut entwickeln könnten, ließen sich leichter abbilden. Dennoch gebe es seit rund zwei Jahren auch ETF im Fondsangebot der Zurich.

          Eine Glaubensfrage ist auch, ob es ein Vorteil ist, seinen Rentenfaktor schon heute zu kennen. Während die MLP-Berater dies als einen Teil der Planbarkeit einer Altersvorsorge rühmen, ist Verbraucherschützer Nauhauser skeptisch. Zum einen hätten Versicherer diesen in der Vergangenheit schon zurückgesetzt, wenn sich die Kapitalmarktzinsen ungünstiger als erwartet entwickelt haben. Zum anderen könne sich der heutige Rentenfaktor für den Kunden später als nachteilig erweisen. „Wenn man sich mit dem Vertrag das heutige Zinsniveau sichert, kommt auch nur dann Freude auf, wenn der Zins bei der Verrentung noch tiefer ist“, sagt Nauhauser. Wer sich eine lebenslange Rente sichern wolle, könne das auch noch bei Renteneintritt tun.

          Zu viele Versicherungen hätten den Realitätstest nicht bestanden. „Verbraucher kommen oft mit Fondspolicen zu uns, die im Minus liegen, obwohl der Aktienmarkt seit acht Jahren gut läuft“, sagt Nauhauser. Die hohen Kosten ließen sich zwar durch provisionsfreie Nettotarife lindern, wie sie durch Honorarberater vertrieben werden. Diese verlangten aber zum Teil horrende Gebühren.

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