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Lebensversicherungen : Ist die fondsgebundene Versicherung eine Alternative?

Der Vergleich herkömmlicher Lebensversicherungen gestaltet sich umständlich Bild: dpa

Die Niedrigzinsen schmelzen die Sparvermögen für die Altersvorsorge. Allerdings verhindert die Volatilität der Märkte eine planbare Vorsorge. Zu groß ist der Einfluss des Zufalls.

          Die niedrigen Kapitalmarktzinsen nagen an der Altersvorsorge. Jahr für Jahr sinken die Überschussbeteiligungen der Lebensversicherer. Der Finanzminister dagegen kann gleich aus zwei Gründen frohlocken: seine Schulden finanzieren sich so günstig wie nie zuvor; dennoch verliert er Versicherer nicht als Investoren, weil Staatsanleihen aufsichtsrechtlich begünstigt sind. Sie müssen nach den künftigen Regeln nicht mit Eigenkapital unterlegt werden - anders als andere Anlageklassen. Lohnt es sich also für Kunden, das Risiko der Kapitalanlage auf sich zu nehmen und eine fondsgebundene Police abzuschließen?

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          “Mit einer Fondspolice kann sich der Sparer etwas aus den Fängen des Staats befreien“, sagt der Berliner Rechtsanwalt und Versicherungskaufmann Thomas Leithoff, Autor des jüngst erschienen Buchs „Die fondsgebundene Versicherung“. Mit Aktienquoten unter 3 Prozent hätten Lebensversicherer in der Kapitalanlage ihrer klassischen Policen keine ausgewogenen Portfolios mehr. In einer fondsgebundenen Versicherung dagegen könne der Kunde abbilden, was er selbst für einen geeigneten Anlagemix halte. Naturgemäß geht das auf Kosten der Sicherheit; beinhalten die Policen Garantien, verursachen diese Kosten und sind nicht so umfassend wie die jährlich sichergestellte Verzinsung einer klassischen Lebensversicherung. „Deshalb gehört die Fondsgebundene auch nicht in die Grundversorgung“, schränkt Leithoff ein.

          Abhängig von Zufällen

          Schon ein Vergleich herkömmlicher Lebensversicherungen ist angesichts der unterschiedlichen Kostenstrukturen, Ertragslage und Sicherungsmittel der Unternehmen anspruchsvoll. Zwischen fondsgebundenen Policen ist er nahezu unmöglich. Zudem geben die Versicherer Daten nur ungern heraus. Die Ablaufleistungen hängen stark von Zufällen ab: etwa davon, wann der Kunde eingestiegen und wann sein Vertrag abgelaufen ist. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die klassischen Produkte in der Finanzkrise den Vergleich nicht scheuen mussten.

          Transparent zeigt sich als eines der wenigen Unternehmen der Volkswohl Bund. Ein zwölf Jahre laufender klassischer Vertrag brachte einem Kunden bei einem Monatsbeitrag von 77 Euro eine Beitragsrendite von 3,2 Prozent ein; für einen Kunden mit einem Monatsbeitrag von 51 Euro, der in eine Police mit einem Metzlerfonds Deutschland und Weltwirtschaft eingezahlt hat, sprangen 2,9 Prozent heraus. Hat er monatlich 41 Euro in einen Metzlerfonds Weltwirtschaft investiert, lag die Rendite nur bei 0,1 Prozent.

          In der Finanzkrise konnten Versicherte leicht 40 Prozent ihres Fondsvermögens verlieren, und erst so langsam übersteigt ihr Wertzuwachs wieder die Marke von 10 Prozent. „Zudem wird eine schlechte Performance oft zusätzlich durch überhöhte Kosten bestraft“, warnt der Versicherungsmakler Carlos Reiss, Geschäftsführer von Hoesch & Partner. Erwirtschafte eine Fondspolice keine positive Rendite, könne leicht ein Wertverlust von 20 Prozent der eingezahlten Beiträge entstehen. Kunden sollten vor Abschluss auf die Kosten achten. „Wegen ihres Steuervorteils dürfen Fondspolicen ruhig etwas teurer sein als ein Fondssparplan - aber auf keinen Fall doppelt so teuer“, sagt er. Für Investmentfonds sei ein Ausgabeaufschlag von 2 bis 3 Prozent üblich.

          Als aufschlussreich erweist sich die Kennziffer Reduction in Yield. Sie gibt an, um wie viel sich die Rendite durch die Produkt- und Abschlusskosten mindert. Zwar empfiehlt der Branchenverband GDV seinen Mitgliedern, diese Ziffer auszuweisen. Nur ein gutes Dutzend der Unternehmen macht das allerdings. Buchautor Thomas Leithoff hat aber die Erfahrung gemacht, dass Versicherer von den Fondsgesellschaften oft ein Drittel der Verwaltungskosten erstattet bekommen. Wie Makler Reiss empfiehlt er, sich ein möglichst breites Angebot an Fonds zu sichern und keinen Vertrag bei einer Gesellschaft abzuschließen, die nur mit eigenen Produktgebern zusammenarbeitet.

          Reiss rät zu gemanagten Fonds, da die Performance meist besser sei und man sich nicht selbst um das Ablaufmanagement (also wann man am besten von Aktien in Renten umschichtet) kümmern müsse. Denn immer droht bei Fondspolicen eine Gefahr: „In Amerika mussten 73-jährige Rentner 2008 plötzlich wieder arbeiten gehen“, ruft Manfred Poweleit vom Branchendienst Map-Report in Erinnerung. Klassische Policen böten trotz niedriger Zinsen weiterhin Sicherheit. Das sieht offenbar auch der Kunde so; der Anteil der Fondspolicen an Gesamtbestand der Lebensversicherer sank durch das schwache Neugeschäft im vergangenen Jahr auf 16 Prozent. Und die expansive Geldpolitik drücke nicht nur die Zinsen, sondern fördere auch die Volatilität der Aktienmärkte, sagt Poweleit. „Wo sollen die Leute mit der Billigkohle der europäischen Zockerbank schließlich noch hin?“, fragt er provokativ. Der Renditeanstieg für Staatsanleihen der vergangenen Wochen könne aber ein erster Schritt zur Normalisierung sein.

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