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Ungeliebte Rente : Keine Altersvorsorge kann auch richtig sein

Ob das für die Altersvorsorge genügt? Bild: Picture-Alliance

Nur ein paar Kauze haben Spaß am Thema Altersvorsorge. Wer davor flüchtet, handelt durchaus rational. Bloß die Konsequenzen sollte man abschätzen.

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          Die niedrigen Zinsen lassen immer mehr Menschen am Sinn einer Altersvorsorge zweifeln. 55 Prozent der im Berufsleben stehenden Befragten glauben, dass diese Anlagen nicht lohnten. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Versicherers Axa. Nur noch jeder zehnte Berufstätige will zur Altersvorsorge auf Spareinlagen, Renten- oder Lebensversicherungen oder eine betriebliche Altersversorgung setzen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Etwas höher im Kurs stehen Immobilien. Rund ein Drittel will entweder ins Eigenheim oder in eine Immobilie zur Vermietung investieren. Nichtsdestoweniger macht laut Umfrage deutlich mehr als die Hälfte der Befragten die Altersarmut mehr Angst als früher.

          Für die Altersrente soll am besten der Staat sorgen: Die kräftige Erhöhung der Renten im Sommer halten 60 Prozent für richtig. Nur 8 Prozent würden eine Senkung der Rentenbeiträge befürworten, 18 Prozent ein vermehrtes Ansparen in der staatlichen Rentenkasse.

          Verständlicher Fluchtreflex

          Die Umfrageergebnisse zeigen ein typisches Bild: Ein Problem wird zwar erkannt, doch weil eine eigene Lösung zu aufwändig scheint, hofft man darauf, dass es ein Dritter löst. Letztlich ist dies für das Verhältnis zur Zukunft charakteristisch: Unsicherheit erzeugt Angst und Angst bewirkt einen Fluchtreflex. Mit der Delegation des Problems gelingt die Rationalisierung des Fluchtreflexes.

          Die Abscheu vor der Beschäftigung mit der Altersvorsorge ist aber durchaus verständlich und gar nicht so irrational. Denn Altersvorsorge ist grundsätzlich sehr kompliziert. Erstens muss ein Problem gelöst werden, dessen Umfang zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar ist. Zweitens ist aufgrund der großen zeitlichen Entfernung nicht sicher, welche Mittel dafür aufgewendet werden müssen und ob diese ausreichen werden.

          Drittens bedeutet Sparen fürs Alter Verzicht im Jetzt und Hier, ohne dass klar ist, ob dies tatsächlich einen Nutzen bringt. Deswegen ist es durchaus rational, das Problem zu delegieren. Es kann aufgrund der Unsicherheit sogar rational sein, auf die gesetzliche Rente zu setzen. Denn es ist nicht gesagt, dass diese am Ende nicht doch ausreicht. Schließlich ist der spätere Bedarf nicht klar.

          Sparsamkeit ist auch ein Baustein der Vorsorge

          Dies gilt vor allem für Menschen, deren Einkommen so niedrig ist, dass sie für eine zusätzliche Altersversorgung Einschränkungen in Kauf nehmen müssen. Für diese lautet die Entscheidungsfrage: Wie viel Einschränkung nehme ich jetzt hin und wie viel später? Die allermeisten Menschen neigen in diesem Fall aber dazu, die Einschränkung auf später zu verschieben, weil der spätere Verlust heute noch nicht weh tut. Oft genug bleibt Ihnen aber auch nicht viel mehr übrig.

          Andererseits gibt es auch Fälle, in denen Altersarmut dadurch selbst mitverschuldet wird. Nämlich dann, wenn die Einschränkung in der Gegenwart leichter verschmerzbar gewesen wäre als das später fehlende Alterseinkommen. Der größere Fernseher heute, das teurere Urlaubsziel im Sommer, insgesamt ein Konsum, der nicht nachhaltig an die Möglichkeiten angepasst ist – dies kann auch eine Ursache für Altersarmut sein, natürlich nicht die alleinige und womöglich nicht die hauptsächliche.

          Das Sprichwort „Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not“ mag altbacken erscheinen. Deswegen ist es nicht falsch. Sparsamkeit - und nicht etwa Geiz oder Selbst-Kasteiung - ist auch ein Baustein der Altersvorsorge, weil ja die Einschränkung jetzt die späteren Möglichkeiten erhöht.

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