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Private Altersvorsorge : Ist die Riester-Rente gescheitert?

Walter Riester hat als Sozialminister die nach ihm benannte Rente als private Ergänzung zur bisherigen staatlichen Altersversorge initiiert. Bild: dpa

Zu teuer, zu kompliziert, kaum Rendite: Die Riester-Rente gerät in Verruf. Zu Unrecht. Eine Ehrenrettung.

          1. Vorwurf: Die Riester-Rente lohnt sich nur für Menschen, die ein biblisches Alter erreichen.

          Dieser Vorwurf wird schon lange erhoben, ertönt aber jetzt wegen der niedrigen Zinsen verstärkt. Für die Vergangenheit stimmte er nicht. Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung hat mehr als 1000 echte Riester-Verträge analysiert, die sich in der Auszahlphase befinden. Es hat sowohl Fondssparpläne wie Versicherungen berücksichtigt. Danach betrug die Durchschnittsrendite auf das vom Sparer eingezahlte Kapital nach Steuern 3,6 Prozent. Im schlechtesten Fall waren es 2,3 Prozent, im besten 7,5 Prozent.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Rechnungen berücksichtigten die aktuell gültigen Sterbetafeln ohne den Sicherheitspuffer von etwa vier Jahren, den die Versicherer noch aufschlagen. Das Institut hat demnach mit einer Lebenserwartung von 87 Jahren für einen 65jährigen gerechnet. Die Verträge lohnen sich also auch bei einer Lebensdauer von weit unter 100 Jahren. In Zukunft werde das auch so sein, sagt das Institut. Allein die Zulagen bringen schon zwischen 0,4 und 8,5 Prozent Rendite, hat die Stiftung Warentest errechnet. Die Verzinsung kommt noch dazu. Und wer nicht auf Riester-Versicherungen setzt, sondern auf Riester-Fonds, erzielt sowieso noch höhere Renditen durch den größeren Aktienanteil.

          2. Vorwurf: Riestern schützt nicht vor Altersarmut.

          Dieser Vorwurf wird gerade in der aktuellen politischen Debatte häufig gemacht: Die gesetzliche Rente werde langfristig immer weniger zahlen, während die Riester-Rente das nicht kompensieren könne. Das ist zum Teil richtig. Denn die Renditen sind jetzt deutlich niedriger, als bei der Einführung der Riester-Rente 2001 erwartet wurde. Allerdings ist das nicht Folge einer Fehlkonstruktion von Riester, sondern trifft auch ungeförderte Rentenversicherungen. Es ist Resultat der Niedrigzinspolitik der EZB.

          Schlimmer noch ist allerdings die Tatsache, dass nur 16,5 Millionen Deutsche riestern, dies sind nur etwa 40 Prozent der Förderberechtigten. Auch viele Geringverdiener riestern nicht. Entweder weil sie meinen, es sich nicht leisten zu können. Oder weil sie ahnen, dass sie später nur die Grundsicherung bekommen werden. Sie würde um die Riester-Ersparnisse gekürzt. Dann lohnt sich Riestern für sie nicht. Wer nicht riestert oder anders privat vorsorgt, wird vom Rückgang der gesetzlichen Rente getroffen, ohne einen Ausgleich zu haben. Insofern könnten solche Geringverdiener in der Tat von Altersarmut betroffen sein.

          3. Vorwurf: Riestern lohnt sich nur für Familien.

          Familien profitieren von höheren Zulagen, je mehr Kinder sie haben. Vor allem, wenn sie nach 2008 geboren wurden. Dann ist die Zulage fast doppelt so hoch wie für ältere Kinder. Aber da Riester-Sparer, statt Zulagen zu bekommen, auch bis zu 2100 Euro der Beiträge steuerlich absetzen können, profitieren auch kinderlose Gutverdiener.

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          4. Vorwurf: Die Riester-Rente macht nur die Versicherungen reich.

          Die Kosten der Riester-Verträge sind in der Tat höher als die Kosten ungeförderter Geldanlagen. Das liegt auch an den vielen Einschränkungen und Regelungen, denen sich die Anbieter unterwerfen müssen. Besonders teuer sind Riester-Versicherungen. Die sind aber auch ungefördert die kostspieligsten Produkte. Dennoch zeigt die Renditerechnung des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung, dass auch nach Abzug der Kosten noch eine Rendite für den Sparer übrig bleibt. Die Förderung wird also nicht komplett von den hohen Kosten aufgefressen, wie Kritiker behaupten.

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