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Lebensversicherung : Die Konkurrenz um Versicherungsbestände

Einige Anbieter halten an klassischen Lebenspolicen fest, viele nicht. Bild: Edgar Schoepal

Viele Versicherer sehen in der Lebensversicherung keine Zukunft mehr und stellen das Neugeschäft ein. Das ruft Investoren auf den Plan, die Bestände effizienter verwalten wollen. Gewinnt der Kunde?

          Die Phase des Lamentierens ist vorbei. In der deutschen Lebensversicherung werden allmählich Fakten geschaffen. Spreu und Weizen trennen sich. Der Markt nimmt eine neue Gestalt an. Lange Zeit waren Klagen über die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt zu hören. Auch den Aufsichtsregeln Solvency II wurde ein Potential zugeschrieben, den Markt stark zu verändern. Inzwischen sind die Klagen in Handeln übergegangen. In diesem Jahr haben drei Schwergewichte angekündigt, sich aus dem Neugeschäft mit konventionellen Garantiepolicen zurückzuziehen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Die Konzernzentrale in Triest nimmt die Generali-Versicherung aus dem Rennen, die Ergo bietet bald fast ausschließlich Policen mit Garantien nach neuer Bauart an, die Talanx zieht ihre vier Lebensversicherer – allen voran die HDI Leben – aus dem Verkehr. Wie schon Zurich, Delta Lloyd und Bayerische Beamtenversicherung bedienen sie weiter ihre alten Verträge, wollen aber keine neuen mehr aufnehmen.

          Diese Grundsatzentscheidung haben sie auf Basis von zwei Entwicklungen getroffen: Der Niedrigzins wirkt sich auf ihre Kapitalanlage brutaler aus, als sie sich hätten träumen lassen. Die Neuanlage von Kundengeld ist kein Vergnügen, in Milliardenhöhe müssen Reserven zurückgelegt werden, um Altverträge sicher bedienen zu können. Gleichzeitig wird ein neues Aufsichtsrecht eingeführt, das vom 1. Januar an (mit Übergangsfristen) gilt. Solvency II ist für das deutsche Garantiemodell eine Herausforderung, weil die Verträge durch die staatliche Privilegierung von Rentenpolicen durchschnittlich viel länger als in jedem anderen Land Europas laufen und die Eigenmittelanforderungen umso höher werden, je stärker die Laufzeit der Verträge von der Laufzeit der Kapitalanlagen abweicht.

          Viele halten am klassischen Modell fest

          Aktionäre verlieren ihre Lust an dem unprofitablen Produkt. Vorstände müssen sich gegenüber Analysten rechtfertigen, wenn sie an dem beliebten Vorsorgeprodukt festhalten. Neben Marktführer Allianz halten finanzkräftige Versicherungsvereine wie die Continentale, Debeka, Stuttgarter, Alte Leipziger und Huk-Coburg am klassischen Modell fest.

          Gleichzeitig haben Investoren ein Auge auf alte Lebensversicherungsbestände geworfen, die abgewickelt werden. Ihre Hoffnung: Indem sie eine effiziente Informationstechnik aufbauen, die sie mit einer kleinen Belegschaft von Mitarbeitern betreiben, können sie Kosten einsparen und daraus einen Ertrag erzielen. Sie kaufen gesamte Bestände auf und entlasten so die Verkäufer von ihren Kapitalanforderungen. Deren Eigenmittel werden dadurch frei, um andere Geschäftsfelder zu entwickeln.

          Mit der Frankfurter Leben ist in dieser Woche das vierte Unternehmen mit diesem Geschäftsmodell erstmals am Markt aktiv geworden. Die neu geschaffene Abwicklungsplattform hat den klassischen Lebensversicherungsbestand der Basler im Wert von 1,9 Milliarden Franken (1,7 Milliarden Euro) erworben. Dahinter steckt ein Fonds, an dem die chinesische Fosun-Gruppe zu drei Vierteln und die BHF-Bank zu einem Viertel beteiligt ist.

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