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Geldanlage : Selbständige plagen Alterssorgen

Karl Matthäus Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Quirin Privatbank AG. Bild: obs

Eine Umfrage zeigt die Sorgen von Selbständigen und Freiberuflern wegen der Altersvorsorge auf. Ein erfolgreicher Gründer hat ein paar ganz einfache Ratschläge parat.

          Sich selbständig zu machen ist eine große Chance, aber immer auch ein Wagnis. Ist die eigene Idee gut genug, um davon zu leben können? Finden sich genügend Kunden? Solcherlei Fragen der Betroffenen reichen bis in das Alter hinein. Denn mit ihren Einkünften müssen die Selbständigen nicht nur den Lebensunterhalt bestreiten, sondern in der Regel auch für das Alter vorsorgen. Eine Pflicht, in die gesetzliche Rentenversicherung einzubezahlen, die zudem oft nur eine Grundsicherung bietet, gibt es meist nicht.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dabei fürchten fast zwei Drittel der Selbständigen in Deutschland um ihre Altersvorsorge. Wie anderswo sind auch hier vor allem Frauen besorgt um ihre finanzielle Absicherung, jede fünfte spricht von „sehr großen Sorgen“. Ärzte wiederum belastet der Preisverfall der Praxen. Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage, die der Meinungsforscher Yougov im Auftrag der Quirin Privatbank hierzulande unter Selbständigen, Freiberuflern und niedergelassenen Ärzten mit eigener Praxis durchgeführt hat und die der F.A.Z. exklusiv vorliegen.

          Dennoch würden sich demnach im Durchschnitt neun von zehn Selbständigen und Freiberuflern wieder selbständig machen. Und fast die Hälfte will auch nach dem Verkauf des eigenen Unternehmens selbständig tätig bleiben. Laut der Umfrage betreiben viele Unternehmer aber keine Verkaufsplanungen oder wünschen sich eine Weitergabe innerhalb der Familie. Im Durchschnitt 28 Prozent würden ihr Geschäft sogar innerhalb der eigenen Familie verschenken

          Niedergelassene Ärzte beobachten den Wert ihrer Praxis in der Regel genauer. Die Mehrheit der befragten Mediziner sagt, dass der erzielbare Preis im Verlauf der Selbständigkeit gesunken sei. Etwa die Hälfte hat die Vorstellungen zum Verkaufspreis mit der Zeit senken müssen – fast viermal so viele wie unter allen Selbständigen, wo die Mehrheit stabile oder sogar steigende Verkaufspreise erwartet. „Die Begeisterung der Selbständigen für ihren Beruf beruht auf einem Lebensgefühl und einer unternehmerischen Grundeinstellung“, sagt Karl Matthäus Schmidt, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Quirin Privatbank.

          Deutliche Unterschiede zwischen Berufsgruppen

          Zugleich überraschen ihn die hohen Erwartungen der Unternehmer an die Verkaufspreise ihrer Unternehmen, wenn man sehe, wie wenig planvoll diese den Verkauf betrieben. Denn nach den Ergebnissen der Umfrage gehen die Selbständigen im Durchschnitt davon aus, dass der Verkauf des Unternehmens fast 50 Prozent zu ihrer privaten Altersvorsorge beisteuern könnte. Dennoch planen viele Betroffene den Verkauf kaum. Gut die Hälfte der befragten Selbständigen kann oder will keine Schätzung abgeben, in welchem Alter dieser erfolgen soll. Fast jeder Dritte hat keine Idee, an wen er verkaufen könnte. Etwa genauso viele wären bereit, das Unternehmen innerhalb der Familie zu verschenken.

          Zwischen den Berufsgruppen gibt es gleichwohl deutliche Unterschiede. Während im Durchschnitt gut ein Drittel der Ärzte einen Verkauf an jemanden außerhalb der Familie am ehesten für denkbar hält, ist es unter allen Selbständigen nur ein knappes Viertel. Zudem würde der Verkauf an sich fast der Hälfte der Mediziner „sehr oder eher leichtfallen“. Unter allen Selbständigen sagt das dagegen nur rund ein Drittel.

          Und wie lange würde der Erlös von 1 Million Euro den eigenen Lebensstandard und den der Familie sichern? Die Unternehmer nennen im Durchschnitt 23 Jahre. Ärzte geben mit 13 Jahren einen deutlich niedrigeren Wert an.

          „Als Gründer von Consors und später der Quirin Privatbank weiß ich, wie wenig Zeit Unternehmern bleibt, um sich um so wichtige Themen wie die eigene Altersabsicherung zu kümmern“, sagt Schmidt. Deshalb rät er Unternehmern, sich wirklich frühzeitig zu dem Thema beraten zu lassen – am besten von einem unabhängigen Fachmann wie einem Honorarberater. „Denn wer das Thema frühzeitig und einmal richtig angeht, der hat hinten raus dann fast keinen Aufwand mehr damit“, sagt Schmidt. Auch digitale Lösungen wie „Robo Advisors“ können für Unternehmer eine Alternative sein, die das Thema lieber per Internet von zu Hause abwickeln wollten.

          Wozu rät er im Detail? „Zur Altersvorsorge sollte möglichst breit gestreut in die internationalen Kapitalmärkte, also in Aktien und Anleihen, investiert werden“, sagt Schmidt. Nur so könne das eingezahlte Geld für den Ruhestand noch vermehrt werden. Mit klassischen Versicherungsprodukten oder Zinspapieren sei das heute nicht mehr möglich. Ignorieren sollten Unternehmer dabei vermeintlich „heiße Tipps“ von selbsternannten Börsengurus, sagt Schmidt: „Langfristig ist die Rendite, die sich mit einem breiten Investment am Markt erzielen lässt, immer besser. Und man spart sich viele Nerven.“

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