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Lebensversicherungen : Ergo verrechnet sich bei Tausenden von Kunden

  • Aktualisiert am

Konzernzentrale des Versicherers Ergo in Düsseldorf Bild: dpa

Falsch programmiert: Durch Softwarefehler hat Ergo seinen Lebensversicherungskunden zuviel ausgezahlt. Oder zu wenig. Jedenfalls mindestens 350.000 mal - seit 2012.

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          Der Versicherer Ergo hat bei Hunderttausenden Lebensversicherungs-Kunden Erträge und Gutschriften falsch berechnet. Bisher habe das Unternehmen in 350.000 Fällen Bescheide korrigiert, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. Wie viele Kunden insgesamt betroffen sind, konnte Ergo noch nicht mitteilen.

          Die Aufarbeitung dauere noch an, hieß es. Die Zahl der insgesamt bei dem Versicherer abgeschlossenen Lebensversicherungsverträge liegt bei rund 7 Millionen. Zuerst hatte die „Süddeutsche Zeitung“ über das Thema berichtet.

          Falsch gerechnet in beide Richtungen

          Bei den meisten bisher abgearbeiteten Fällen gehe es um „Cent-Beträge bis dreistellige Summen“, sagte die Ergo-Sprecherin. Doch gebe es auch „einige wenige Fälle“, in denen es sich um fünfstellige Summen handele. Dabei verrechnete sich die Versicherung nach eigenen Angaben nicht nur zuungunsten ihrer Kunden. In vielen Fällen habe sie auch zu viel ausgezahlt oder überhöhte Summen gutgeschrieben.

          Ein Beispiel: Ein Fehler bei der Berechnung von Riester-Verträgen betraf in den Jahren 2006 und 2007 insgesamt 203.000 Versicherungskunden. Dabei habe Ergo einerseits zwei Millionen Euro zu wenig ausgezahlt, andererseits aber auch acht Millionen Euro zu viel, sagte die Sprecherin. Inzwischen habe die Versicherung den geschädigten Kunden die fehlenden zwei Millionen Euro gutgeschrieben. „Die acht Millionen Euro haben wir nicht zurückgefordert“, fügte sie hinzu.

          Falsch programmiert

          Ursache des Problems sind nach Ergo-Angaben Fehler in den Computerprogrammen, mit denen die Erträge berechnet wurden. „Wir arbeiten daran, dass nach Abschluss der Korrekturen alle Kunden so gestellt sind, wie es mit ihnen vertraglich vereinbart wurde“, sagte die Sprecherin. Wie viele Kunden am Ende betroffen seien, könne das Unternehmen noch nicht abschließend sagen, da noch nicht alle bekannten Fehler vollständig geprüft worden seien. Nach eigenen Angaben begann das Unternehmen schon im Jahr 2012 mit der Fehlerkorrektur.

          Für den Düsseldorfer Versicherer ist es nicht das erste Mal, dass er Negativschlagzeilen macht. Bereits 2011 hatte eine Sexreise für besonders erfolgreiche Versicherungsvertreter nach Budapest für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Kurz danach hatte das Unternehmen außerdem fehlerhafte Konditionen bei zahlreichen Riester-Kunden korrigieren müssen.

          Ein Sprecher des Marktführers Allianz sagte, dem Unternehmen seien keine derartigen systemischen Fehler in der eigenen Abrechnung bekannt. Die Berechnungen würden regelmäßig stichprobenhaft von Wirtschaftsprüfern nachgerechnet und mit den Ergebnissen der hauseigenen IT abgeglichen. Auch die Bafin habe wie bei allen anderen Unternehmen der Branche regelmäßig ein Auge auf das Thema. Bei der Allianz habe es bisher keinerlei Beanstandungen gegeben.

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