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Erben und Vererben : Ein Testament kann das Familienheim retten

Die meisten Deutschen verzichten auf einen Letzten Willen. Dabei hat ein Testament viele Vorteile.

          Die Zahl der Fachanwälte für Erbrecht hat sich nach Angaben der Bundesrechtsanwaltskammer binnen zehn Jahren von 173 auf nun 1807 erhöht. Ein alarmierendes Zeichen. Wenn es ums Geld geht, hört bekanntlich nicht nur die Freundschaft auf. Und es geht um viel Geld. Die wohl reichste Rentnergeneration aller Zeiten ist derzeit am Vererben.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Die meisten Deutschen haben kein Testament. Dann tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Ehepartner und eigene Kinder erben. Falls keine Kinder vorhanden sind, erben auch die eigenen Eltern, Geschwister oder weiter entfernte Verwandte. Langjährige Lebenspartner sind vor dem Gesetz keine Verwandten und bleiben damit in der gesetzlichen Erbfolge unberücksichtigt.

          „Das Gesetz regelt zudem nur Quoten und nicht, wer was bekommen soll“, sagt Jan Bittler, Fachanwalt für Erbrecht und Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. Streit um die genaue Aufteilung ist programmiert. Denn die wenigsten vererben schlicht einen Geldbetrag von 100.000 Euro und sonst nichts.

          Präzision statt Einzelwünsche

          Geld lässt sich prima aufteilen, aber was passiert mit der begehrten Vitrine – einem echten Familienerbstück–, dem teuren Teppich, und wer muss sich um die beiden Katzen kümmern? Die Liste ist in der Regel viel länger, und nicht alles lässt sich in einem Testament detailliert festlegen.

          „Viele Testamente sind ein Sammelsurium an Einzelbestimmungen“, sagt Bittler. „Wichtig wäre jedoch, einen Erben klar und präzise zu benennen.“ Der steht dann im Erbschein, der ist verantwortlich, und an den fällt alles, was nicht im Nachlass geregelt ist. Mit einem Vermächtnis kann dabei dennoch unter vielen etwas verteilt werden. Sie sind dann aber im juristischen Sinne nur Vermächtnisnehmer und keine Erben. „Das klärt die Verantwortlichkeiten“, sagt Bittler. Er rät dazu, Erbengemeinschaften aus mehreren Personen möglichst zu vermeiden.

          Kein Zugriff ohne Erbe zu sein

          Schwierigkeiten gibt es meistens, wenn Immobilien ins Spiel kommen. Sie lassen sich nur schwer aufteilen. Ist nichts geregelt, müssen sich die Nachfahren einigen. Jeder Erbe kann dabei den Antrag auf eine Versteigerung stellen. Wer aber nicht Erbe ist, kann einen solchen Antrag nicht stellen.

          Wer dies beim Verfassen seines Testament bedenkt, kann manches Familienheim im Besitz der Nachkommen halten. „Enterbt werden“, wie es der Volksmund sagt, können dabei nur die engsten Verwandten nicht. Ehepartner, Kinder – falls schon verstorben, deren Kinder – und bei Kinderlosen die eigenen Eltern haben Anspruch auf einen Pflichtteil. Er entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

          Aber auch diese Pflichtteilsberechtigten können keine Zwangsliquidierung von Immobilien oder anderen Vermögenswerten verlangen, wenn sie im Testament nicht als Erben benannt sind. Ihr Anspruch in Geld muss entsprechend ihrer Erbquote natürlich trotzdem erfüllt werden. Hier gibt es aber Möglichkeiten der Stundung, die beim Nachlassgericht beantragt werden kann. So kann Zeit gewonnen werden, um zum Beispiel mit Banken zu verhandeln. Eine Zwangsversteigerung des Hauses kann so jedenfalls wesentlich eher vermieden werden als ohne Testament.

          Lesbar muss es sein

          Jeder muss sich also überlegen, ob ihm die gesetzliche Erbfolge zusagt, in welchem Ausmaß er Ungemach unter seinen Nachfahren vermutet und was er überhaupt mit seinem Vermögen machen möchte. Ein Testament sollte neben der klaren Benennung eines Erben möglichst präzise beschreiben, wer ansonsten was bekommen soll.

          Im wahrsten Sinne des Wortes wird hier ein Letzter Wille kundgetan. Das Testament muss handschriftlich verfasst und unterschrieben sein. Wenn es selbst ein Richter oder ein Schriftexperte nicht lesen kann, ist es unwirksam. Ein Hinweis, dass das deutsche Erbrecht angewendet werden soll, ist hilfreich. Wenn sich der Verstorbene dauerhaft im Ausland befunden hat, gilt sonst das dortige Erbrecht.

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