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Die Vermögensfrage : Keine Feigheit vor dem Testament!

Malerische Landschaft, teure Wohnlage, lukrativ für potentielle Erben: Häuser in Königstein im Taunus. Bild: ddp Images

Viele Menschen wollen sich nicht mit ihrem Letzten Willen befassen, weil sie sich dann auch mit ihrer Sterblichkeit auseinandersetzen müssten. Aber: Verdrängen hilft niemandem.

          6 Min.

          Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben, heißt es in mehr als einem 1000 Jahre alten Choral. Angst vor dem Tod ist menschlich, und menschlich mag auch die Neigung sein, vor dem Tod weglaufen zu wollen, indem man kein Testament verfasst. Manche Menschen verfassen bewusst kein Testament, weil sie das Motto treibt: Nach mir die Sintflut. Aber wer Verantwortung für seine Familie empfindet und etwas zu vererben hat, sollte im Interesse der Nachlebenden ein Testament verfassen.

          Betrachten wir einen Fall, der sich vor ein paar Jahren in einer Gemeinde zwischen Frankfurt und Wiesbaden abgespielt hat. Er scheint, aber nur auf den ersten Blick, die These zu bestätigen, ein Testament sei nicht notwendig. Dort verstarb im Alter von fast 90 Jahren ein ehemaliger Postbeamter. Er hinterließ vier Kinder, zwei Töchter und zwei Söhne, im Alter von jeweils rund 60 Jahren. Seine Frau war ihm im Tod ein paar Jahre vorausgegangen. Der Senior, ein bestimmender Mann mit einer beeindruckenden Physis und Stimme, hatte im örtlichen Gesangverein seine Freunde jahrelang mit der Feststellung verärgert, er mache kein Testament, denn Testamente seien nur dann notwendig, wenn sich die Kinder untereinander nicht einig wären. Damit wollte er wohl suggerieren, seine Freunde, die zumeist schon längst Testamente verfasst hatten, stünden zerstrittenen Familien vor.

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