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Deutsches Aktieninstitut : Nur die Aktie kann die Rente retten

Was vielen Deutschen bei Aktien in den Sinn kommt: Gestikulierende Händler an der Börse Bild: dpa

Das Deutsche Aktieninstitut will den Bürgern die Angst vor dem Wertpapier nehmen und die Rente retten - mit langfristigen Anlagen und einer Reform der Altersvorsorge.

          Die seit Jahrzehnten bestehenden Sorgen um die gesetzliche Rentenversicherung sind aktuell wie nie zuvor. Weniger Beitragszahlern stehen immer mehr Rentner gegenüber. Mit der Verrentung der geburtenstarken Jahrgänge wird sich das Problem weiter verschärfen. Nach aktuellen Erhebungen wird das Rentenniveau von aktuellen 51,6 Prozent des letzten Nettoeinkommens, bezogen auf den sogenannten „Eckrentner“, bis 2060 auf 41,2 Prozent absinken. Das ist ein Ergebnis einer Studie, die das Deutsche Aktieninstitut (DAI) gemeinsam mit dem Bankhaus Metzler und den Fondsgesellschaften der Sparkassen und Volksbanken, Deka und Union Invest, am Dienstag in Frankfurt vorstellte.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Dabei sind unsere Annahmen noch optimistisch“, sagt DAI-Vorstand Christine Bortenlänger. „Nach dem jüngsten Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung wird dieses Niveau schon 2045 erreicht.“ Die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung sei nur dann gewährleistet, wenn das Renteneintrittsalter auf deutlich mehr als 70 Jahre erhöht werde, die Beiträge stiegen und das Rentenniveau sinke oder in hohem Maße Steuermittel dafür verwendet würden.

          Langfristige Anlagen könnten zur Altersvorsorge beitragen

          Für die Initiatoren der Studie ist klar: Nur die verstärkte Einbeziehung von Aktien in die Vorsorge kann die entstehende Lücke in der Alterssicherung schließen. Derzeit ruht die Last der Alterssicherung in Deutschland immer noch in deutlich höherem Maße als in anderen Ländern auf der gesetzlichen Rentenversicherung. Nur 25 Prozent der Bruttorente stammen aus der betrieblichen oder privaten Vorsorge. Damit liegt Deutschland weit unter dem Durchschnitt der OECD-Länder von 61 Prozent.

          Den Beitrag, den Aktieninvestments zur Altersvorsorge leisten können, untermauern die Initiatoren mit Zahlen. Sie haben die Rendite aller möglichen Sparpläne von ein bis dreißig Jahren zwischen 1967 und 2015 berechnet. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass ab einer Laufzeit von mehr als 15 Jahren kein Sparplan mehr einen Verlust gebracht hätte.

          Anders ist dies in der kurzen Frist – das Ergebnis einjähriger Sparpläne lag zwischen plus 102 und minus 64 Prozent. „Wer am Aktienmarkt auf kurzfristige Spekulationsgewinne setzt, geht also hohe Risiken ein. Das Gegenteil hiervon ist die Langfristanlage, die für die Altersvorsorge ausschließlich relevant ist“, folgern die Autoren.

          Neue Reformen für Riester-Rente und Garantien

          Die Initiatoren fordern daher Reformen in der Altersvorsorge. Und stoßen damit nach eigenem Bekunden in Berlin auf Interesse. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe selbst zu ihm gesagt, die Deutschen sparten falsch, nämlich nicht in Aktien, berichtet Metzler-Gesellschafter Friedrich von Metzler. Auch zumeist jüngere Bundestagsabgeordnete zeigten sich durchaus aufgeschlossen.

          Anknüpfen wollen die Initiatoren dabei an bestehenden Regelungen. Der aktienbasierte langfristige Vermögensaufbau etwa mit Fonds soll besonders gefördert werden. Vor allem aber soll die Riester-Rente reformiert werden, zum einen durch eine Anhebung und Dynamisierung von Zulagen und Steuervorteilen. Auch dürfe die private und betriebliche Altersvorsorge nicht auf die Grundsicherung im Alter angerechnet werden.

          Besonders aber soll nach dem Dafürhalten der Initiatoren eine neue Option erlauben, auf die Garantien zu verzichten. Denn diese seien bei einer langfristigen Anlage nicht notwendig, führten aber zu schlechteren Ergebnissen. Von 100 Euro Einzahlung müssten schon bei einer 25-jährigen Frau 66 Euro für die Garantie der Beiträge aufgewendet werden – mit jedem Jahr Laufzeit steht weniger Kapital für Aktieninvestments zur Verfügung.

          Den Deutschen soll die Angst vor der Aktie genommen werden

          Das größte Problem aber sieht das DAI im distanzierten Verhältnis der Deutschen zur Aktie. Aufklärung über eine aktienorientierte Altersvorsorge müsse Bestandteil einer nationalen Strategie zur finanziellen Bildung werden, wie sie in 59 Ländern schon existiere oder implementiert werden solle. Es sei von zentraler Bedeutung, den Deutschen die Angst vor der Aktie zu nehmen und ihnen begreiflich zu machen, dass sie damit Anteile am Produktivvermögen erwürben. Die Sorgen seien auch übertrieben.

          Beim Sparen mit Aktien, sagt Jörg-Matthias Butzlaff, Leiter der Unternehmenskommunikation von Metzler, sei es wie mit dem Zähneputzen. Das Wichtigste sei, sich überhaupt zu entscheiden, die Zähne zu putzen – und nicht so sehr, welche Zahncreme und welche Bürste man verwende.

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