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Deutsche-Bank-Studie : So vererben die Deutschen

34 Prozent der Befragten wollen ihren Enkeln etwas vererben. Bild: Picture-Alliance

Viele Deutsche sorgen sich, dass sie kein Erbe bekommen. Dabei fällt es Familien scheinbar immer schwerer, offen über dieses Thema zu sprechen. Der Streit ums Erbe nimmt zu.

          Die Bundesbürger sorgen sich um ihr Erbe: 80 Prozent der Deutschen gehen davon aus, dass bei hohen Gesundheits- und Pflegekosten ihrer alten Angehörigen für sie nur eine geringe oder gar keine Erbschaft übrig bleibt. Das geht aus der repräsentativen Studie „Erben und Vererben“ hervor, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Deutschen Bank durchgeführt hat. Dafür wurden 1706 Bundesbürger ab 16 Jahren befragt.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dabei gab aber nur jeder vierte Erbnehmer an, dass sein schon erhaltenes Erbe aufgrund von Pflegekosten tatsächlich geringer ausgefallen war. Auf die Frage, ob man schon geerbt habe oder in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten eine Erbschaft machen werde, sagte fast die Hälfte der Befragten, dass nichts von beidem auf sie zutreffe. 29 Prozent berichteten, schon ein Erbe erhalten zu haben, 19 Prozent gehen stark davon aus, in der Zukunft bedacht zu werden. Weitere 4 Prozent haben schon geerbt und erwarten einen weiteren Nachlass.

          Vor allem in Beamtenhaushalten nehmen die Menschen an, in Zukunft mit einem Erbe bedacht zu werden (31 Prozent), dahinter liegen die Angestellten mit 26 Prozent. Eher schlechte Aussichten auf einen künftigen Geldsegen erwarten Selbständige (24 Prozent) und Arbeiter (13 Prozent). Auch regional gibt es Unterschiede: Während in den südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg im Schnitt 30 Prozent der Bevölkerung von einer Erbschaft ausgehen, rechnen in den östlichen Bundesländern und Berlin lediglich 17 Prozent damit.

          Bisherige Erben haben ihre Erbschaft vor allem für die Geldanlage, den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge eingesetzt. Seit 2015 hat sich der Wert von 35 Prozent auf heute 39 Prozent erhöht.

          Zukünftig mehr Immobilien, Wertpapiere und Gold vererbt

          Wer künftig vererbt, möchte vor allem seine Kinder bedenken (71 Prozent), gefolgt von den Ehegatten (43 Prozent) und Enkelkindern (34 Prozent). Ein kleiner Teil bevorzugt es, sein Vermögen Stiftungen (10 Prozent) oder dem Lebensgefährten (9 Prozent) zu vermachen. Dennoch haben nur 39 Prozent der potentiellen Erblasser aktuell ein Testament verfasst. Laut der Studie wissen nur gut die Hälfte (55 Prozent) von ihnen, wie die gesetzliche Erbfolge genau aussieht. Wer aber ein Testament erstellt hat, ließ sich dabei meist beraten (84 Prozent), mehr als die Hälfte ging dafür zum Notar (53 Prozent).

          Am häufigsten wird nach wie vor Geld vererbt. Bei drei Viertel (75 Prozent) der Erbschaften gehört Geld zum Erbe. Doch seine Bedeutung im Nachlass dürfte der Studie zufolge in Zukunft abnehmen: Weniger als zwei Drittel der potentiellen Erblasser (62 Prozent) gehen heute davon aus, einmal Geld zu vererben. Im Gegensatz dazu dürften die Anteile von Gold, Wertpapieren und vor allem Immobilien künftig zunehmen. 4 Prozent der bisherigen Erben haben Gold geerbt, 11 Prozent der künftigen Erblasser wollen dagegen Gold weitergeben. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Wertpapieren: 12 Prozent haben Wertpapiere geerbt, bei 17 Prozent der künftigen Nachlässe sollen Wertpapiere enthalten sein. Besonders stark ist die erwartete Zunahme bei Immobilien im In- und Ausland. Haben bisher nur 40 Prozent Immobilienvermögen geerbt, gehen 59 Prozent der künftigen Erblasser davon aus, Immobilienvermögen weiterzugeben. Doch gerade bei der Weitergabe von Häusern und Wohnungen an die nächste Generation sind Konlikte programmiert, da sie sich schwerer als etwa Geld zwischen den Parteien aufteilen lassen.

          Vielleicht ist auch das ein Grund, warum schon jetzt die Streitigkeiten im Erbfall zwischen den Bedachten zunehmen: Sagten im Jahr 2013 noch 15 Prozent der Befragten, dass sich die Familie darüber in die Haare bekommen hat, so sind es heute schon 19 Prozent. Eine andere Ursache ist, dass weniger über dieses Thema gesprochen wird. Aus nachvollziehbaren Gründen setzen sich 60 Prozent der Deutschen nicht gern mit dem Thema Erbschaft auseinander – wer beschäftigt sich schon gern mit dem eigenen Tod oder mit dem naher Angehöriger? 2013 gaben noch 41 Prozent der Erben an, dass ein offener Austausch mit allen Beteiligten und auch mit dem Erblasser über die Erbschaft stattgefunden hat. Heute berichten nur noch 35 Prozent von solchen Gesprächen. Außerdem wird heute seltener frühzeitig vor dem Erbfall über die Erbschaft gesprochen (2013: 40 Prozent; 2018: 34 Prozent).

          Wenn man das heikle Thema Erbe schon anschneidet, dann bitte nicht am Heiligen Abend. Da ist sich die Mehrheit der Deutschen einig, nur 5 Prozent der Befragten halten das Familientreffen an Weihnachten für einen geeigneten Anlass, wie eine zusätzliche Online-Umfrage zu dem Thema herausgefunden hat. Für geeigneter erachtet ein Fünftel der Befragten andere Anlässe, an denen die Familie zusammenkommt. Spätestens aber, wenn ein Mensch sehr krank wird (21 Prozent) oder wenn bald ein Testament verfasst werden soll (36 Prozent), sollte den Befragten zufolge Klartext geredet werden. Außerdem sind 4 von 5 Deutschen der Meinung, dass der Erblasser selbst die Initiative ergreifen und das Gespräch über Erbfragen eröffnen sollte.

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