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Altersvorsorge : Wie viel Rente bringen die Reformen?

Geht es nach dem neuen Rentenpaket, können sich Senioren über mehr Euro im Geldbeutel freuen. Bild: dpa

Rente mit 63, Mütterrente, Rente für Geringverdiener: Die große Koalition will vielen Alten mehr Geld zahlen. Wie viel bringt das? Wir haben es durchgerechnet.

          3 Min.

          Der Koalitionsvertrag steht. Selbst in der heiklen Frage, wie das Rentensystem reformiert werden soll, um dem demografischen Wandel zu begegnen, sind sich Union und SPD einig geworden. Mit ihrem Rentenpaket wollen die Parteien ältere Mütter besserstellen, langjährigen Arbeitnehmern die Rente mit 63 Jahren ermöglichen und auch Geringverdienern im Alter eine Mindestrente zahlen.

          Anne-Christin Sievers
          Redakteurin im Ressort „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was bedeuten die Pläne von Union und SPD konkret für die Rentner? Haben sie am Ende des Monats viel mehr im Geldbeutel? Mit Hilfe des Vermögenszentrums in Frankfurt haben wir das an drei Beispielen durchgerechnet.

          Mütterrente

          Bisher bekommen Mütter drei Jahre als Erziehungszeit anerkannt  - aber nur für Kinder, die nach 1992 zur Welt gekommen sind. Davor geborene Kinder bringen Müttern nur ein Jahr fürs Rentenkonto. Das fanden viele ältere Mütter ungerecht – zumal sie früher durch ein traditionelles Familienbild, schlechte Betreuungsmöglichkeiten und wenig flexible Arbeitszeitmodelle oft nicht in gleichem Maße am Erwerbsleben teilnehmen konnten wie jüngere Frauen.

          Der Koalitionsvertrag sieht nun vor, auch Erziehungszeiten für Mütter und Väter mit älteren Kindern bis zu zwei Jahren anzurechnen. Am 1. Juli 2014 soll diese Regelung in Kraft treten.

          Nehmen wir das Beispiel einer 65 Jahre alten Mutter von zwei Kindern, die beide vor 1992 geboren wurden, in Westdeutschland. Die Frau arbeitet aktuell Vollzeit und verdient damit 4000 Euro brutto. Lange Zeit hat sie aber wegen der Kinder nur halbtags gearbeitet. Vor den Reformvorschlägen der zukünftigen Regierung stehen ihr 1011 Euro gesetzliche Rente im Monat zu. Werden nun, wie im neuen Rentenpaket geplant, beide Kinder mit zwei Jahren auf ihr Rentenkonto angerechnet, bekommt sie 1067 Euro im Monat, also 56 Euro mehr.

          Das bedeuten die geplanten Rentenreformen für Rentner
          Das bedeuten die geplanten Rentenreformen für Rentner : Bild: F.A.Z.

          Abschlagsfreie Rente mit 63

          Wer heute mit 63 Jahren in den Ruhestand gehen möchte, aber eigentlich bis 65 arbeiten soll, der muss bis zum Rest seines Lebens Abschläge bei der Rente in Kauf nehmen. Für jeden Monat, den man vor dem regulären Renteneintrittsalter ausscheidet, zieht der Gesetzgeber bisher 0,3 Prozent ab. Wer zum Beispiel 1947 geboren ist und zwei Jahre früher aufhört zu arbeiten, verzichtet bislang jeden Monat auf 7,2 Prozent Rente.

          Das soll laut dem neuen Rentenpaket nun anders werden. Wer 45 Jahre lang eingezahlt hat, kann sich jetzt schon mit 63 Jahren zur Ruhe setzen – und das bei vollen Altersbezügen. Die Regelung soll zum 1. Juli 2014 in Kraft treten. Voraussetzung ist, dass der Pensionär in spe 45 Jahre lang eingezahlt hat, wobei auch Arbeitslosigkeit sowie Ausbildungs- und Erziehungszeiten angerechnet werden.

          In unserem Beispiel geht ein Gutverdiener aus den alten Bundesländern mit 6000 Euro brutto im Monat nach 45 Beitragsjahren schon mit 63 Jahren in Rente. Nach den neuen Plänen erhält er dann 2040 Euro im Monat. Nach der alten Regelung hätte der Staat ihm nur 1893 Euro Rente überwiesen. Der Mann bekommt also künftig 147 Euro mehr.

          Trotzdem bleibt ihm ein Nachteil, wenn er mit 63 Jahren in Rente geht: Er bleibt zwar von Abschlagszahlungen verschont, aber er zahlt trotzdem weniger Jahre ein. Dementsprechend fällt auch seine Rente geringer aus als die des Pensionärs, der zwei Jahre später die Segel streicht. Zwei Jahre zusätzlicher Arbeit würden ihm noch einmal 114 Euro Rente im Monat bringen.

          Bei der abschlagsfreien Rente mit 63 handelt es sich nur um eine Übergangsregelung. Mit dem Renteneintrittsalter auf 67 Jahre wird auch das abschlagsfreie Renteneintrittsalter langsam auf 65 Jahre angehoben.

          Mindestrente

          Friseurin, Gebäudereiniger, Sicherheitsmann – viele Menschen können von ihrem Einkommen kaum leben. Und das wird im Alter doppelt zum Problem. Geringverdiener sind auf Geld vom Sozialamt angewiesen, obwohl sie ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben.

          Die neue Regierung will deshalb bis 2017 eine sogenannte „solidarische Lebensleistungsrente“ einführen. Wer 35 Jahre lang Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt hat, dessen Rentenkonto soll auf 30 Rentenpunkte aufgestockt werden, das sind derzeit in Westdeutschland knapp 850 Euro im Monat. Dabei rechnet der Gesetzgeber fünf Jahre Arbeitslosigkeit als Beitragsjahre an. Bis 2023 soll der notwendige Erwerbszeitraum auf 40 Jahre steigen.

          In unserem Beispiel geht ein 65 Jahre alter Mann in Rente, der 40 Jahre lang als Gebäudereiniger gearbeitet hat. Mit einem Monatseinkommen von 1400 Euro brutto hat er ziemlich schlecht verdient und bekommt bisher am Ende nur eine monatliche Rente von 555 Euro. Nach der neuen „Lebensleistungsrente“ stehen ihm aber 844 Euro zu, das sind satte 289 Euro mehr im Portemonnaie.

          Fazit

          Natürlich steht noch nicht fest, ob und wann die Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt werden – auch die SPD-Basis muss ja noch zustimmen. Außerdem lassen die Ausführungen im Koalitionsvertrag noch viel Raum für Interpretation und Gestaltung. Deshalb können unsere Beispiel nur vereinfacht illustrieren, wie sich die Reformen auf einzelne auswirken könnten.

          Doch eines wird deutlich: Den Geringverdienern bringt die geplante Rentenreform wohl am meisten ein. Wie viel sich unser Mann im Beispiel davon tatsächlich kaufen kann, hängt aber natürlich davon ab, wie hoch seine Lebenshaltungskosten sind, etwa ob er in einer teuren Großstadt oder auf dem Land lebt.

          Auch die frühere Verrentung ohne Abschläge macht einen deutlichen Unterschied auf dem Konto. Bei der Anrechnung der Erziehungszeiten haben die Mütter aber nicht sehr viel mehr Geld zur Verfügung als zuvor. In unserem Beispiel hat die Mutter mit zwei Kindern, lebenslanger Erwerbsbiografie und gutem Gehalt am Ende nur etwa 50 Euro mehr - und liegt auch nur 200 Euro über der garantierten „Lebensleistungsrente“. Wie man es auch dreht und wendet: Auch wenn das Rentenpaket viel Geld kostet - Arbeitnehmer werden wohl nicht darum herumkommen, in hohem Maße privat fürs Alter vorzusorgen.

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