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Altersvorsorge : Niemand denkt an die Kosten einer Garantie

Bis zum Rentenalter eingezahlt: Modellierung der Altersvorsorge einer 25 Jahre alten Krankenschwester Bild: F1online

Dass in der geförderten Altersvorsorge Sparern alle eingezahlten Beiträge zustehen, ist unumstritten. Doch was kostet das eigentlich?

          Walter Riester ist mit sich im Reinen. „Ich würde sie heute wieder genauso machen“, sagte der ehemalige Bundessozialminister über die nach ihm benannte Riester-Rente vor zwei Jahren der F.A.Z. Schon als Gewerkschafter habe er etwa bei Tarifabschlüssen immer alles genau durchgerechnet. „Ich fand das immer ein gutes Instrument, um zu wissen, was eine Maßnahme kostet und einbringt“, betonte er kurz vor seinem siebzigsten Geburtstag.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Riester-Reformen bestanden daraus, Rentenleistungen zu senken, die betriebliche Altersvorsorge aufzuwerten und kapitalbildende Rentenprodukte staatlich zu fördern. Ziel war es, die Nachteile des gesetzlichen Umlageverfahrens bei einer absehbar schrumpfenden Bevölkerung auszugleichen. Ergänzend sollten Sparer am Produktivvermögen der Volkswirtschaft beteiligt werden. Um die geförderten Varianten der Rente anzunähern, wurde festgelegt, dass mindestens die eingezahlten Beiträge am Ende der Vertragslaufzeit wieder ausgezahlt werden müssen. In der betrieblichen Altersvorsorge und bei Riester-Verträgen wurde somit die Beitragsgarantie verpflichtend.

          Im damaligen Kapitalmarktumfeld erschien das wenig kostspielig. Doch 15 Jahre später herrscht der Niedrigzins. Um Garantien zu stellen, müssen Produktanbieter große Teile ihrer Geldanlage in festverzinsliche Papiere investieren. Statt ins Produktivvermögen wird das Geld der Sparer dadurch in die Staatsfinanzierung geleitet. Hat sich Riester verrechnet?

          „Wir hatten damals schon einen Namen aufgebaut“

          Karl Reichmuth bejaht diese Frage sofort. Der 76 Jahre alte Schweizer hat vor 20 Jahren seine eigene Privatbank gegründet. „Ich stamme aus Schwyz, dem freiheitsliebendsten Kanton. Das hat mich dazu geführt, darüber nachzudenken, wie man Geld in Eigenverantwortung anlegt“, sagt er. Zwei Dinge hinderten Sparer, eigenverantwortlich zu handeln: die Delegierung von Anlageentscheidungen an Verwalter wie Fonds oder Versicherungen und die Pflicht, Beiträge zu garantieren. „Im Markt ist es geradezu eine Idiotie, etwas zu versprechen“, sagt Reichmuth, denn der Ausgang sei unsicher.

          Reichmuth zog mit seiner Bank im Jahr 2000 eine Konsequenz: Mit einer privatrechtlichen Klausel zur Betriebsrente konnten Angestellte vereinbaren, bei einem Stellenwechsel nicht die gesamten Vorsorgebeiträge ausgezahlt zu bekommen. Sie verzichteten also freiwillig auf ihre Beitragsgarantie und erlaubten damit eine freiere Geldanlage. Dies blieb auch in den schweren Zeiten des Finanzmarkts nicht ohne Folgen: Im Jahr 2008 verlor das Vorsorgevermögen fast 20 Prozent seines Werts. Doch Reichmuth, der noch kurz vor der Finanzkrise ein Buch mit dem Titel „Entscheidung und Haftung gehören zusammen“ geschrieben hatte, war überrascht über seine Kunden. Sie hielten still, keiner klagte die Privatbank Reichmuth & Co. an.

          2007 fiel dann in der Schweiz die Beitragsgarantie. Seither können alle Wettbewerber Betriebspensionspläne ohne Garantie aufstellen. „Wir hatten damals schon einen Namen aufgebaut“, sagt Reichmuth. Seither ist das Anlagevolumen der Tochtergesellschaft Pensflex auf 3 Milliarden Franken gestiegen. Seit drei Jahren versucht er, das Modell auch in Deutschland auszurollen. Doch er scheitere an der Garantiegläubigkeit hierzulande. „Für mich war das ein Kulturschock. Ich dachte, wir könnten auch hier etwas Privatrechtliches machen, aber die Deutschen machen immer erst etwas, wenn es vom Staat abgesegnet ist.“

          Doch allmählich wächst das Bewusstsein, dass Garantien nicht kostenlos sind. Eine Reihe großer Versicherer hat sich in diesem Jahr von der Lebensversicherung mit jährlicher Zinsgarantie verabschiedet, um freier in der Kapitalanlage zu werden. Marktführer Allianz hat inzwischen 170.000 Verträge seines Produkts verkauft, das nur eine Beitragsgarantie beinhaltet. So ganz kommen Versicherer also nicht von den Garantien weg, denn für Kunden hört sich das Versprechen, mindestens die eingezahlten Beiträge wieder herauszubekommen, verlockend an. Neue Formen der Garantien suchen den Kompromiss aus dem sehr kostspieligen Garantiezins von derzeit bis zu 1,25 Prozent und der völlig freien Geldanlage und finden sie in der Beitragsgarantie.

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