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Private Altersvorsorge : Sichere drei Prozent mit Riesterverträgen

Familien mit Kindern erzielen mehr Rendite als kinderlose Sparer Bild: dpa

Riestern lohnt sich sogar, wenn Fonds oder Versicherung nichts taugen. Das liegt an den Zulagen vom Staat: Bei niedrigen Zinsen sind sie besonders attraktiv.

          Riestern lohnt sich nicht – dieses Vorurteil hält sich hartnäckig. Die staatlich geförderten Fonds und Versicherungen seien so teuer, dass die Kosten die erzielten Renditen auffressen. Man müsse 100 Jahre alt werden, um überhaupt mehr herauszubekommen, als man eingezahlt hat, heißt es dann. Doch das stimmt so nicht.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Versicherungen sind zwar in der Tat teuer und werfen derzeit wenig Zinsen ab. Doch zum einen dürften die Renditen nicht die kommenden 20 oder 30 Jahre so niedrig bleiben. Zum anderen sind sie zwar mickrig, aber nicht gleich null. Und wenn doch, müsste das niemand akzeptieren: Riesterfonds sind günstiger und erzielten bisher durch ihre Anlage am Aktienmarkt trotz der Finanzkrisen noch ordentliche Renditen, die nach Kosten durchaus fünf Prozent betragen können, wie das Institut für Transparenz (ITA) errechnet hat. Und schließlich klingt 100 Jahre zwar alt. Aber es entspricht der durchschnittlichen Lebenserwartung von heute 30- oder 40-Jährigen. Viele dürften älter werden.

          Vor allem durchschnittliche Steuerzahler profitieren

          Doch selbst wer das schlechteste Szenario annimmt, kann mit Riesterverträgen etwas verdienen. Also, selbst wenn Riesterprodukte während der ganzen Laufzeit keine Rendite erzielen würden, weil die Kosten so hoch oder die Geldverwalter so schlecht sind, würde Riestern positive Erträge je nach Einkommen zwischen zwei und 15 Prozent im Jahr abwerfen. Das liegt an der staatlichen Förderung. Denn die darf dem Sparer per Gesetz nicht verlorengehen – neben den restlichen eingezahlten Beiträgen und egal, wie schlecht der Anbieter wirtschaftet. Die Förderung stellt also eine Art Mindestrendite dar, die dem Anleger sicher ist.

          Der Staat unterstützt auf zwei Wegen: Die Beiträge können bis 2.100 Euro im Jahr von der Steuer abgesetzt werden. Wer nur durchschnittlich oder wenig ans Finanzamt zahlt, für den lohnen sich eher die Riesterzulagen. Jeder bekommt im Jahr 154 Euro, für ein älteres Kind gibt es zusätzlich 185 Euro, für solche, die nach 2007 geboren wurden, 300 Euro. Die Bedeutung dieser Zulagen an der Gesamtrendite hat zugenommen. Denn während die Zinsen stark fielen, blieb die staatliche Förderung stabil.

          Ungeförderte Versicherungen sind nur zur Hälfte steuerpflichtig

          Um die Zulagen in voller Höhe zu bekommen, müssen Sparer vier Prozent ihres Bruttoeinkommens bezahlen, mindestens 60 Euro. Für Geringverdiener ist die „sichere Rendite“ aus den Zulagen besonders hoch, weil sie für wenig Einzahlungen viel Förderung bekommen. Gutverdiener hingegen bekommen trotz höherer Einzahlungen keine üppigeren Zulagen, ihre Rendite ist niedriger. Allerdings profitieren sie stärker davon, dass sie die Beiträge steuerlich absetzen können. Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) hat das für diese Zeitung anhand von vier Beispielen errechnet. Danach erzielen Familien höhere „sichere Renditen“ als kinderlose Sparer.

          Ein Nachteil der Riesterverträge ist, dass die ausgezahlten Renten voll mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden müssen. Ungeförderte Versicherungen sind meist nur zur Hälfte steuerpflichtig. Und ungeförderte Fonds unterliegen der Abgeltungsteuer von 26,4 Prozent.

          Fazit: Es gibt sicher flexiblere und höherrentierende Geldanlagen als Riesterverträge. Aber sie lohnen sich, denn sie erzielen durch die Förderung auch nach Steuern positive Erträge, die nicht verfallen können.

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