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Altersvorsorge : Wie viel Geld brauche ich im Alter?

Wegbereitung zu Altersvorsorgeprodukten eine sozialpolitische Aufgabe

Mohn hält es zudem für eine sozialpolitische Aufgabe, den Verbrauchern den Weg in günstigere und bessere Altersvorsorgeprodukte zu weisen. „Gerade das so wichtige Thema der Altersvorsorge den Finanzvertrieben zu überlassen, halte ich für grenzwertig, und es funktioniert offenkundig weder in der betrieblichen Altersvorsorge noch bei Riester zufriedenstellend.“ Sie plädiert für ein staatlich organisiertes, provisionsfreies, kostengünstig verwaltetes Finanzprodukt, in das Verbraucher mit einem kleinen Schubs befördert werden müssten. „Konsumverzicht und Produktauswahl sind nicht sexy, das macht keiner gerne freiwillig.“

Bortenlänger hält einen sanften Zwang zu mehr privater Altersvorsorge ebenfalls für nötig. „Wenn vom Arbeitgeber automatisch ein Beitrag zur Altersvorsorge geleistet wird oder vom Gehalt im Rahmen der Entgeltumwandlung abgezogen wird, es also gar nicht erst auf das Konto kommt, tut es psychologisch nicht so weh.“ Verbraucher sollten aber die Möglichkeit haben, sich dagegen zu entscheiden, also eine Opt-out-Klausel haben. „Ich kann mir sehr gut ein Terrassenmodell in der Altersvorsorge vorstellen, mit der gesetzlichen Rente als Basis und der privaten, renditestärkeren Rente als zweiter Stufe“, sagt Bortenlänger.

In der Pyramide weiter oben wären dann Stufen, für die mehr Eigeninitiative nötig ist wie etwa ein eigenes, staatlich gefördertes Altersvorsorgekonto. Die Chefin des Aktieninstituts hält jedoch nichts von einer staatlichen Zwangsbeglückung. „Es könnte ein staatliches Angebot geben, daneben sollte aber auch Konkurrenz von privaten Anbietern möglich sein“, sagt Bortenlänger. „Da könnten wir uns treffen“, sagt Mohn. „Eine staatliche Voreinstellung, aus der die Anleger aber rausoptieren können.“

Mohn und Bortenlänger wollen keinen großen deutschen Staatsfond

Mohn und Bortenlänger plädieren aber nicht dafür, dass das Geld vom Staat selbst verwaltet wird, wollen also keinen großen deutschen Staatsfonds. „Die konkreten Entscheidungen, welche Aktien und Anleihen in diesem breit gestreuten, eher passiv verwalteten Fonds liegen, sollten natürlich Kapitalmarktexperten treffen und nicht Herr Schäuble“, sagt Mohn. Die darüber von der schwarz-grünen Landesregierung in Hessen unter dem Stichwort „Deutschland-Rente“ angestoßene Diskussion stehe aber noch am Anfang.

Als Blaupause wird oft das schwedische Altersvorsorgesystem genannt. „In Deutschland entspricht die privat für das Alter zurückgelegte Summe nur 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in Schweden sind es mittlerweile rund 40 Prozent und in Ländern mit größerer Nähe zum Kapitalmarkt wie den Vereinigten Staaten, Großbritannien oder der Schweiz sind es mehr als 100 Prozent“, sagt Bortenlänger.

Umstrittene Provisionsberatung

Mohn plädiert zudem weiterhin für das Verbot des provisionsgetriebenen Finanzvertriebs in Deutschland. „Solange wir uns das leisten, werden wir schlechte Verbraucherfinanzen haben.“ Die Abkehr von diesem System, bei dem die Banken in erster Linie vom Verkauf besonders teurer und nicht vom Verkauf besonders guter Finanzprodukte leben, könnte auch die Regulierung im Bereich der Verbraucherfinanzen reduzieren. „Dann müssten wir nicht mehr die Interessenkonflikte zwischen Produktverkäufer und Anleger managen, viel besser, wir hätten die Interessenkonflikte beseitigt“, sagt Mohn.

Bortenlänger plädiert hingegen für den Fortbestand der Wahlmöglichkeit zwischen provisionsorientierter Beratung, bei der dem Verkäufer in der Bank vom Produktanbieter eine Provision für den Produktverkauf gezahlt wird, und der Beratung, für die sich das Honorar des Beraters nach Leistung und Zeitaufwand richtet. „Die Beratung muss aber wieder einfacher werden“, sagt Bortenlänger. „Das Unterschreiben dicker Papierstapel hat die Beratung nicht verbessert, sondern viel Beratung verhindert.“

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