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Die Vermögensfrage : Wozu noch eine Kapitalversicherung?

  • -Aktualisiert am

Der Garantiezins ist relevant!

Fragt man den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), wie lange denn der Genosse Trend brauchen werde, um sich nach einer Zinswende zu verabschieden, bekommt man als Antwort nur vages PR-Deutsch: Der Wettbewerb sorge schon dafür, dass auch in Zeiten „unterdurchschnittlicher Kapitalmarkterträge“ die Gesamtverzinsung für die Versicherten „relativ stabil“ bleibe, und so weiter.

„Relativ stabil“? Tatsächlich senken die Gesellschaften für 2015 wieder auf breiter Front ihre laufenden Überschusssätze. Analysten haben bereits ein durchschnittliches Minus von 0,23 Prozentpunkten ermittelt. Die ersten Gesellschaften rutschten dabei deutlich unter die branchenintern als kritisch angesehene Drei-Prozent-Marke. Der HDI und die Viktoria Leben sogar auf 2,50 Prozent. Das ist viel weniger, als in den Verträgen der neunziger Jahre garantiert worden war. Garantiezins? Von wegen irrelevant!

Wie viel bleibt von 100 Euro übrig?

Problem Nummer zwei: der Zinsträger. „Wenn man 100 Euro monatlich in eine Kapitalversicherung einzahlt, bleiben nach Abzug von Abschlusskosten, Verwaltungskosten und dem Risikoanteil nur 45 Euro als Sparanteil übrig“, erklärte Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV) 2013 in einem ARD-Beitrag.

Falsch, konterte der GDV in einem „Faktencheck“: „Bei einer Kapitallebensversicherung mit einem Monatsbeitrag von 100 Euro beträgt der Sparanteil über eine Laufzeit von 30 Jahren durchschnittlich 86,5 Prozent und nicht, wie vom BdV behauptet, 45 Prozent.“ Wie das bei kürzeren Laufzeiten aussieht, möchte der GDV aber auch nach wiederholtem Fragen nicht verraten.

Es kommt wohl mal wieder darauf an: auf die Laufzeit der Verträge, auf den Versicherer, seinen Vertrieb und seine Kosten und auf die Beitragshöhe. Kurze Laufzeiten, kleine Beiträge und ein teurer Außendienst ramponieren den Sparbeitrag. Verzinslich angelegt wird dann nur noch wenig, und am Ende bekommt der Sparer als garantierte Altersversorgung nicht einmal sein Geld zurück.

Ein Banksparplan wirft höhere Rendite ab

Ein aktuelles Beispiel mit 100 Euro Monatsbeitrag und dem Endalter 67 verdeutlicht das Elend: Bei einem teuren Anbieter, einem Versicherer mit Außendienst, erreicht das garantierte Guthaben erst nach 38 Jahren die Summe der Beiträge. Bei kleineren Beiträgen noch später, faktisch also nie. Die HUK-Coburg Lebensversicherung, ein kostengünstiger Anbieter, schafft es 16 Jahre früher.

Die Versicherer zeigen ihren Kunden in Beispielrechnungen neben den garantierten Leistungen stets auch Zinsen, die gezahlt würden, blieben die Überschusssätze auf dem aktuellen Niveau. Doch diese Zahlen sind unverbindlich, und der Trend spricht gegen sie.

Es gibt Alternativen: Wo die Versicherer auch nach 12 Jahren nicht einmal die Beiträge garantieren, bleibt bei einem Banksparplan von Anfang an jeder Euro stehen. Und er trägt Zinsen. Die Stiftung Warentest hat im Dezember 2014 nach den Sparplänen gesucht und Renditen zwischen 2,5 und „mehr als drei Prozent“ gefunden.

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