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Vier Studienfinanzierungsmodelle : Es geht auch ohne Eltern

Gut kalkulieren: Wer seine Eltern nicht nach Geld fürs Studium fragen kann oder möchte, muss andere Finanzierungsquellen auftun. Bild: dpa

Kredite oder Stipendien - wer Geld für sein Studium braucht hat mehr Möglichkeiten, als nur die Eltern anzupumpen. Wir stellen die vier wichtigsten vor.

          Ein Kredit von der Bank

          Den Gang zur Bank sollten Studierende erst dann antreten, wenn alle anderen Einkommensquellen oder Ersparnisse erschöpft sind. Denn der über Jahre angehäufte Schuldenberg ist eine schwere Last für Berufseinsteiger. Der wichtigste Anbieter für Studienkredite ist die staatliche KfW Förderbank. Unabhängig von ihrer finanziellen Situation erhalten Studenten hier bis zu 14 Semester lang maximal 650 Euro monatlich. Die Rückzahlung kann über bis zu 25 Jahre gestreckt werden und beginnt sechs bis 23 Monate nach dem Ende des Studiums. Derzeit liegt der variable Effektivzins bei 3,75 Prozent pro Jahr. Für die Rückzahlung kann auch ein Festzins vereinbart werden. Für Studierende in Bayern oder Niedersachsen kommen auch reine Studiengebührendarlehen in Frage. Studienkredite lassen sich außerdem bei privaten Banken und den Sparkassen aufnehmen. In der Regel fordern diese zwar höhere Zinsen, aber Studenten sollten auch andere Aspekte vergleichen: eine variable oder feste Verzinsung, Flexibilität bei Auslandssemestern oder beim Hochschulwechsel sowie die monatliche Auszahlungshöhe. Wichtig ist auch, wie lang die Bank nach Ende des Studiums eine tilgungsfreie Karenzphase gewährt - vielen gelingt nicht der nahtlose Berufseinstieg. Eine Ruhepause lindert den Druck.

          Ein Kredit vom Bildungsfonds

          Das Angebot von Career Concept ähnelt Studienkrediten: Ein Bildungsfonds zahlt eine Summe aus, die man nach dem Abschluss abzahlt. Aber Absolventen zahlen keine festen Raten, sondern verpflichten sich bei Kreditaufnahme dazu, 2 bis 10 Prozent ihres künftigen Gehalts über vier bis acht Jahre abzuführen. „So atmet die Rückzahlungspflicht mit der tatsächlichen finanziellen Leistungsfähigkeit“, sagt Rolf Zipf, Gründer von Career Concept. Es gebe keine Überforderung in mageren Zeiten. Zunächst waren Zipfs Investoren skeptisch. Das Modell klang nach rundum sorglos für Studenten und rundum riskant für sie. Heute hat Career Concept acht Fonds mit einem geplanten Kapital von 40 Millionen Euro umgesetzt. Bewerber müssen Potential für einen guten Abschluss und einen erfolgreichen Berufsstart zeigen. „Die Wahrscheinlichkeit, später einen Job zu finden, ist uns wichtiger als die konkrete Höhe des Gehalts“, sagt Zipf. Auch Fächer mit weniger guten Perspektiven hätten Chancen, „wenn der Bewerber zeigt, dass er sein Studium zielstrebig auf einen Beruf ausrichtet“. Interessenten werden finanzmathematisch „gescored“, mit harten Kriterien (Noten) und weichen (Zielstrebigkeit). „Für jeden wird das Risiko individuell geschätzt“, sagt Zipf.

          Ein Stipendium für jedermann

          Das Vorurteil, ein Stipendium könnten nur Überflieger ergattern, sollte niemanden abschrecken: Gute Noten sind zwar wichtig, oft geben aber soziales Engagement und Herkunft den Ausschlag. Einige der 2220 Stiftungen, die Studenten unterstützen, suchen sogar Bewerber. Bekannt sind die zwölf großen Begabtenförderwerke (siehe www.stipendiumplus.de), die etwa 24.500 Studenten fördern. Stipendiaten erhalten monatlich 150 Euro Büchergeld. Je nach finanzieller Situation sind zusätzlich bis zu 597 Euro Unterstützung möglich. Abgesehen von der weltanschaulich neutralen Studienstiftung des deutschen Volkes stehen die großen Förderwerke Parteien, Kirchen, Gewerkschaften oder Arbeitgebern nahe. Kandidaten ohne Bestnoten können über ihren Wohnort oder ihr Studienfach Förderer finden: Es gilt, sich bei Städten, regionalen Verbänden, privaten Stiftungen oder Unternehmen umzuhören, die spezielle Profile suchen: Lehramt-Studenten mit Migrationshintergrund haben etwa bei der Hertie-Stiftung gute Karten. Die Stiftung Ludwigshafener Bürger fördert Chemie-Studenten aus der Region. Weiblich und an Maschinenbau interessiert muss sein, wer von Ford und der RWTH Aachen unterstützt werden will. Den Dschungel an Fördermöglichkeiten lichtet das Portal www.stipendienlotse.de.

          Eine Förderung über die Universität

          Seit dem Sommersemester 2011 haben Studenten die Möglichkeit, sich für ein „Deutschland-Stipendium“ zu bewerben. Die Vergabe organisieren die Hochschulen. Die Förderung beträgt monatlich 300 Euro, die je zur Hälfte vom Bund und von privaten Sponsoren bereitgestellt werden. Das Stipendium ist zunächst auf zwei Semester angelegt. Die Mehrzahl der gestifteten privaten Mittel war im vergangenen Jahr nicht an ein bestimmtes Fach gebunden. Wer das Stipendium ergattern will, muss überdurchschnittliche Leistungen und besonderes Engagement vorweisen. Inzwischen sind mehr als 5500 Studenten Deutschland-Stipendiaten. In den kommenden Jahren soll die Zahl vervielfacht werden. Eine weitere lukrative Einkommensquelle sind studentische Hilfsjobs an der Uni, die einen ordentlichen Zuverdienst erlauben. In Zusammenarbeit mit Unternehmen oder Stiftungen bieten Hochschulen wie die in Mannheim und Hannover auch eigene Stipendien - es lohnt sich also, bei der Uni nachzufragen. Wer nur in der Schlussphase des Studiums Geld benötigt, kann zudem auf teils zinslose Kredite von Studentenwerken oder der E.W. Kuhlmann-Stiftung zurückgreifen.

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