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Versicherungen : Angriff auf Herrn Kaiser

Mit wenigen Klicks kann man Versicherungen über das Handy abschließen. Die Anbieter versprechen: weniger Papierkram und dafür mehr Möglichkeiten. Bild: getty images

Versicherungen aller Art können einfach und schnell mit dem Handy abgeschlossen werden. Die Makler werden überflüssig. Es kommt aber auch viel Unnützes auf den Markt.

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          Herr Kaiser hatte es früher gut. Vier Jahrzehnte lang waren er und Seinesgleichen willkommen in deutschen Wohnzimmern: In der Fernsehwerbung sahen die Deutschen in Herrn Kaiser von der Hamburg-Mannheimer den Inbegriff des vertrauensvollen Versicherungsvertreters. Im wahren Leben baten sie Kaisers Kollegen in die gute Stube, um sich Schutz zu holen gegen Unbilden aller Art. Inzwischen haben sich die Deutschen verändert, sie haben neue Bedürfnisse und andere Ansprüche. Statt „Hallo, Herr Kaiser“, wie es früher hieß, fragen sie sich nun: Was will der Makler denn nun schon wieder von mir?

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Junge Internetunternehmen haben darauf eine Antwort parat. Diese sogenannten Insurtechs suchen auf zeitgemäße Weise den Kontakt zum Kunden. Ihre Versprechen sind: Schluss mit dem lästigen und zeitraubenden Einarbeiten in Versicherungen, Schluss mit den Hausbesuchen von Vertretern, Schluss mit dem Papierkram. Versicherungen werden fortan im Vorübergehen abgeschlossen und verwaltet, dazu braucht es nicht mehr als ein Smartphone und die richtige App.

          Angebote auf „Sharing-Economy“ angepasst

          Das Besondere an den digitalen Maklern ist: Sie vermitteln nicht nur die üblichen Hausrats-, Haftpflicht und Rechtsschutzversicherungen, sondern auch Kurzzeitpolicen. Diese sollen Nischen abdecken und neuen Bedürfnissen der Verbraucher gerecht werden. Beispielsweise lassen sich über den Start-up Schutzklick Fahrräder, Smartphones oder Sonnenbrillen versichern oder Garantien für Küchengeräte verlängern. Appsichern offeriert nicht nur Unfallversicherungen für die Fahrradtour oder das Golfspielen, sondern auch einen „24-Stunden-Drittfahrerschutz“. Damit kann sich ein Fahrzeughalter absichern, der sein Auto an einen Bekannten verleiht.

          Wie überhaupt die neue Ökonomie des Teilens, die sogenannte Sharing Economy, neue Produkte hervorbringt. Darunter einen „Carsharing-Schutz“, mit dem Fahrer von Leihfahrzeugen für 24 Stunden die Selbstbeteiligung absichern können. Sollte ein Unfall passieren, braucht der Kunde nur zum Handy zu greifen, die Beule im Auto zu fotografieren und das Bild zu verschicken – die Schadensregulierung übernimmt der Start-up. „Wir glauben, dass wir eine ganz neue Versicherungswelt aufbauen können, die sich in zwei Jahren anders anfühlt als in den vergangenen vierzig Jahren“, sagt Christian Wiens, Gründer des digitalen Versicherungsvermittlers GetSafe. Anders ausgedrückt: Die Herren Kaiser sind von gestern, die Makler von heute heißen Knip, Clark oder eben GetSafe.

          Start-Ups bringen keine eigenen Versicherungen auf den Markt

          Bei seiner jüngsten Zählung ist das Bundesfinanzministerium auf 37 solcher Insurtechs gekommen. Manche sind Vergleichsportale, andere vermitteln Sparprodukte, die meisten vermitteln und verwalten Versicherungen. Dafür erhalten sie, wie ein Makler aus Fleisch und Blut, Provisionen von den Versicherungsunternehmen. Was alle diese jungen Firmen eint: Eigene Versicherungen bringen sie nicht auf den Markt, das wagt erst der digitale Krankenversicherer Ottonova im nächsten Jahr. Stattdessen greifen die Jungunternehmer auf die 550 deutschen Versicherer zurück mit dem Ziel, deren Policen so schnell und einfach wie möglich an den Kunden zu bringen.

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