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Wohngebäudeversicherungen : Darf die Versicherung mir kündigen?

  • -Aktualisiert am

Wer soll das nur bezahlen? Bild: dpa

Wohngebäudeversicherungen sollen Haus und Hof schützen. Wer sie zu oft in Anspruch nimmt, riskiert den Rauswurf, denn Versicherungen nutzen häufig die Gelegenheit, genau diesen Kunden zu kündigen.

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          Prinzipiell sind Wohngebäudeversicherungen eine gute Sache: Sie decken standardmäßig die Gefahren Brand, Sturm, Hagel, Blitzeinschlag oder Leitungswasserschäden ab und kosten ab 150 bis 600 Euro je nach Umfang. Wenn es dann aber wirklich mal zu einem Schaden kommt, braut sich oft ein Unwetter zusammen, zwischen Versicherern und Hausbesitzern nämlich. Die Wohngebäudeversicherungen regulieren die Schäden zwar, nutzen aber häufig die Gelegenheit, jenen Kunden zu kündigen, die Ansprüche stellen. Vor allem, wenn es nicht deren erster Schaden war. Clevere Kunden sehen zu, dass es gar nicht so weit kommt.

          Die Kündigung ist zwar das gute Recht der Versicherungsunternehmen, doch sie sorgt immer wieder für Ärger. Die Wohngebäudeversicherung zählt mit über 1.100 Beschwerden jährlich zu den häufigsten Streitfällen, die der Versicherungsombudsmann schlichten muss. Häufiger noch als Kfz-Fragen.

          Schließlich geht es ums Eigenheim, in dem im Normalfall ein Großteil des Vermögens steckt. Nun ist die Wohngebäudepolice zwar heute keine Pflichtversicherung mehr (anders als die Kfz-Haftpflicht), aber sie ist trotzdem unverzichtbar für die Eigentümer, wenn die nicht den finanziellen Ruin riskieren wollen. Erst recht wenn sie einen Kredit zur Hausfinanzierung aufgenommen haben, denn Banken fordern die Versicherung als Voraussetzung zur Kreditvergabe. Kündigt daher der Versicherer den Vertrag, und der Kunde bekommt keinen neuen, kann die Bank im schlimmsten Fall auch den Kredit kündigen. Doch so weit muss es nicht gleich kommen.

          Etwa jeder zehnte Vertragsinhaber meldet derzeit jährlich einen Vorfall bei der Versicherung. In Jahren, in denen das Wetter besonders verrücktspielte, zahlten die Versicherungsunternehmen sogar mehr Leistungen aus, als sie an Beiträgen bekamen. Deshalb sind sie stets auf der Suche nach Altverträgen, die sich nicht mehr rechnen, weil deren Konditionen veraltet sind und die Beitragshöhen zu niedrig. Viele Versicherungen laufen schließlich bereits seit 20 Jahren oder noch länger.

          Viel Bearbeitungsaufwand durch Kleinschäden

          Vor allem aber gucken die Unternehmen bei jenen Kunden näher hin, die bereits mehrere Schäden gemeldet haben in den vergangenen fünf oder zehn Jahren. Selbst wenn es nur Lappalien sind wie zwei Kleinschäden über rund 300 Euro für ein paar abgefallene Dachziegel oder ein zerhageltes Dachfenster, berichten Kunden schon von Kündigung. Denn die Unternehmen sagen: Auch Kleinschäden verursachen viel Bearbeitungsaufwand und hohe Kosten. Häuser, an denen öfter Sturm oder Wasser ihre Spuren hinterlassen, liegen womöglich in einer Gefahrenzone oder sind in die Jahre gekommen, weswegen es noch häufiger zu Problemen kommen werde. Und Kunden, die bereits erfolgreich entschädigt wurden, könnten künftig häufiger versuchen, Ansprüche geltend zu machen – statt anderweitig vorzusorgen oder zu sanieren.

          Das sind die Gründe, weswegen Versicherer von sich aus den Vertrag lösen. Entweder mit einer ordentlichen Kündigung am Vertragsende oder mit einer außerordentlichen Kündigung direkt nach Zusage der Schadensregulierung. Solche Kündigungen sollten Verbraucher auf jeden Fall versuchen zu verhindern. Grundsätzlich raten Verbraucherverbände: „Reden Sie mit Ihrem Versicherer oder Ihrem Vermittler, wenn Sie eine Kündigung bekommen haben oder glauben, dass Ihnen eine droht!“

          Einige Unternehmen signalisieren Vermittlern vorab, dass ein Rauswurf ansteht. Manchmal lassen sie sich auf eine sogenannte „Kündigungsumkehr“ ein, also darauf, dass der Kunde kündigt, was grundsätzlich die bessere Alternative ist. Denn ist der Vertrag erst einmal vom Versicherer aufgekündigt, haben Kunden es oft schwer, einen neuen Vertrag woanders zu bekommen.

          Sie gelten dann als „negatives Risiko“, wie man das in der Fachsprache nennt, oder haben vielleicht sogar einen Eintrag in der Versichererdatenbank HIS kassiert, mit der sich die Unternehmen gegenseitig vor Problemkunden warnen. Außerdem muss jeder Kunde spätestens im nächsten Versicherungsantrag ausfüllen, ob er bereits bei einer Gesellschaft versichert war – und wer den Vertrag gelöst hat.

          Deshalb: am besten von einem Makler mehrere Versicherer parallel anfragen lassen. Manche Firmen nehmen Kunden selbst mit mehreren Vorschäden, andere nicht. Am häufigsten empfehlen unabhängige Vermittler übrigens Interrisk, Konzept&Marketing, Domcura und VHV weiter. Man kann auch beim Bund der Versicherten nachfragen, der bietet einen Gruppenvertrag an.

          Manches lieber aus eigener Tasche bezahlen

          Es lässt sich auch der jetzige Versicherer um eine „Vertragssanierung“ bitten. So heißt es, wenn Beiträge erhöht werden oder Leistungen ausgeschlossen oder wenn man eine Selbstbeteiligung vereinbart. Übrigens ist es immer besser, Kleinschäden aus eigener Tasche zu zahlen.

          Häufig erhöhen die Unternehmen auch die Prämien für alle Kunden und stellen dann den Versicherten frei, die neuen Konditionen zu akzeptieren – oder selbst zu kündigen. Bevor man das aber tut, weil man sich über den jetzigen Versicherer aufregt und über seine Beitragserhöhungen: lieber erst einmal die Konditionen akzeptieren! Und dann ganz in Ruhe nach einer neuen Versicherung mit besseren Preisen suchen. Dafür bleibt dann ein Jahr Zeit. Das ist allemal besser, als am Ende ohne Vertrag dazustehen.

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