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Garantiezinssenkung : Der nächste Nagel im Sarg der Lebensversicherung

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Der Garantiezins war stets das Hauptverkaufsargument für Lebensversicherungen. 2017 soll er nun unter ein Prozent fallen. Das sorgt selbst in der Branche für Unmut.

          Neukunden klassischer Lebensversicherungen müssen sich vom kommenden Jahr an auf einen weiteren Rückgang der garantierten Verzinsung einstellen. Der sogenannte Garantiezins im Neugeschäft soll zu Beginn des Jahres 2017 auf 0,9 von aktuell 1,25 Prozent sinken. Dies will das Bundesfinanzministerium per Verordnung festlegen.

          Der Garantiezins bestimmt, welche Rendite Lebensversicherer ihren Kunden maximal fest zusagen dürfen und womit diese nach Abzug der Abschluss- und Verwaltungskosten sicher rechnen können. Da es wegen der anhaltenden Niedrigzinsen immer schwieriger wird, diese zu erwirtschaften, wurde der Garantiezins schon mehrfach gesenkt. In früheren Zeiten lag dieser schon einmal 4 Prozent. Für Altverträge ändert sich auch nichts.

          Verband hält Schritt für falsch

          Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) kritisierte die anvisierte Absenkung als zu weitgehend. Im Branchendurchschnitt hätten Lebensversicherer bei der Neuanlage 2015 eine deutlich über dem Höchstrechnungszins liegende Verzinsung von mehr als zwei Prozent erzielt. Zudem sei eine Anpassung zum 1. Januar 2017 zu kurzfristig, da die Unternehmen ihre Produkte neu kalkulieren müssten.

          Mit der weiteren Anpassung der vorgegebenen Höchstgrenze für langfristige Zinsversprechen der Unternehmen werde auf die anhaltende Niedrigzinsphase reagiert, heißt es dagegen vom Bundesfinanzministerium. Dies spiegele auch die aktuellen Marktverhältnisse wider. Zugleich setze die Senkung unter ein Prozent ein klares Signal, dass Lebensversicherer ihre Rückstellungen noch vorsichtiger kalkulieren müssten.

          Große Versicherer winken ab

          Nichtsdestoweniger sind die Versicherer im Neugeschäft schon lange von der klassischen Lebensversicherung abgerückt. Europas größter Versicherer Allianz erklärte, man biete diese zwar weiterhin an, könne sie aber „angesichts höherer Rendite-Chancen bei anderen Vorsorgekonzepten nicht empfehlen“. Neun von zehn Kunden favorisierten beim Abschluss neuer Verträge mittlerweile in der Altersvorsorge neue Produkte ohne Garantiezins, und nur noch zehn Prozent wählten eine klassische Lebensversicherung, so ein Sprecher der Allianz Deutschland.

          Nach Einschätzung des Versicherers Generali hätte eine entsprechende Garantiezins-Absenkung kaum Auswirkungen auf das Unternehmen. In der privaten Altersvorsorge habe man sich von Garantieprodukten bereits verabschiedet und in der betrieblichen Altersvorsorge gebe es andere Hebel wie geringere Vertriebskosten.

          Von Abschaffung abgerückt

          Mit der Absenkung auf 0,9 Prozent ist das Finanzministerium konservativer als die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV). Diese hatte empfohlen, den Garantiezins für Neuverträge ab 2018 auf 1,0 Prozent zu senken und den Zins 2017 bei 1,25 Prozent zu belassen.

          Lebensversicherer müssen für die eingegangenen Verpflichtungen aus Versicherungsverträgen eine Deckungsrückstellung bilden. Der Satz, mit dem diese Rückstellung abgezinst werden darf, wird durch den Höchstrechnungszins begrenzt. Die Höhe des Garantiezinses legt das Finanzministerium per Verordnung fest auf Grundlage der Berechnungen der DAV-Mathematiker und der Empfehlungen der Finanzaufsicht Bafin.

          Ursprünglich wollte die Bundesregierung den Garantiezins ganz abschaffen, nahm von den Plänen aber wieder Abstand. Sie hatte jedoch eine Überprüfung im Laufe dieses Jahres angekündigt, ob und inwieweit der Zinssatz an die „Marktgegebenheiten“ angepasst werden soll. Ob beziehungsweise in welcher Form ein „Höchstrechnungszins“ als Aufsichtsinstrument erforderlich sei, soll 2018 geprüft werden.

          Hintergrund sind auch die europaweit einheitlichen strengeren Eigenkapitalvorschriften („Solvency II“) für Versicherungen. Danach orientiert sich der Kapitalbedarf von Lebensversicherern stärker an dem Risiko, das sie mit Zusagen eingehen. Lebenslange Garantien müssen also stärker mit Eigenkapital hinterlegt werden.

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