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Versicherungsschutz : Der Berufseinsteiger braucht zwei Policen

Es muss nicht immer ein schwerer Unfall sein: Auch Rückenleiden und Depressionen können zur Berufsunfähigkeit führen. Bild: dpa

Mit der neuen Stelle geht häufig der Ernst des Lebens los. Der nötige Versicherungsschutz ist aber überschaubar. Ein Überblick.

          5 Min.

          Viele glauben, dass mit dem Schulabschluss der Ernst des Lebens beginnt. Doch für die meisten bedeuten die Jahre in der Ausbildung oder im Studium noch eine Schonzeit. Spätestens danach aber stehen die jungen Erwachsenen plötzlich voll im Leben und müssen auch erstmals die gesamte Verantwortung dafür übernehmen. Das merken sie spätestens dann, wenn sie von Versicherungsvertretern oder -maklern umgarnt werden, die ihnen die wichtigsten Absicherungen für das eigene Leben schmackhaft machen wollen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Kaum etwas ist so lästig, wie sich Gedanken über einen Unfall, eine lange Krankheit oder gar den Tod zu machen, wenn man gerade das blühende Leben in sich spürt. Denn neben der Selbstverantwortung bringt dieser Lebensabschnitt ja auch mit sich, dass man endlich genug Geld hat, sich den Lebensstil zu leisten, für den einem in der Ausbildung oder an der Universität die Mittel fehlten.

          Den mehr als 220.000 Versicherungsvermittlern jedenfalls gelingt es nicht schlecht, auf die Risiken und Wechselfälle des Lebens aufmerksam zu machen. In einem Land mit gut 80 Millionen Einwohnern gibt es 430 Millionen Verträge. Jeder Deutsche zahlt durchschnittlich 2387 Euro Beitrag an Versicherer.

          Damit liegen die Deutschen ungefähr auf dem Niveau wie Belgier und Italiener, aber rund 600 Euro unter den Franzosen. Niederländer, Dänen und Finnen zahlen sogar mehr als 4000 Euro im Jahr, erreichen damit aber noch lange nicht Schweizer, die umgerechnet 6600 Euro ausgeben.

          Nur existentielle Risiken versichern

          Doch nicht jeder ist optimal versichert, und deshalb gilt es, sich gerade zum Berufseinstieg genau zu überlegen, welche Risiken man über eine Versicherung abdecken sollte und für welche womöglich ein Spargroschen als Sicherheit reicht. Wirklich existentielle Risiken für einen Menschen sind Krankheit, ein Verlust der Fähigkeit, für sich zu sorgen, und ein Vermögensschaden, den man jemand anderem zufügt.

          Der Tod ist zwar der Fall, den alle fürchten – eine finanziell existentielle Bedrohung ist er aber nur, wenn andere (also Partner, Kinder, nicht versorgte Eltern) vom laufenden Einkommen des Betroffenen versorgt werden müssen.

          Im deutschen Recht sind diese Risiken zum Teil vom Staat abgesichert, zum Teil muss der Bürger mit privaten Absicherungen dafür aufkommen. Die Sozialversicherung besteht aus der Arbeitslosenversicherung, die einen Teil des Risikos deckt, dass man nicht mehr für sich selbst sorgen kann. Die gesetzliche Unfallversicherung, die ausschließlich von den Arbeitgebern getragen und deshalb häufig vergessen wird, übernimmt den Teil des Unfallrisikos, das im Betrieb besteht.

          Die gesetzliche Rente kümmert sich um einen großen Teil der Alterssicherung. Und die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt Behandlungskosten und Krankentagegeld für eine gewisse Dauer. Sie kann durch die private Krankenversicherung ersetzt werden.

          Gesetzlich oder privat?

          Deshalb beginnen Gespräche über die Absicherung für Berufseinsteiger bei Elke Weidenbach immer beim Krankenversicherungsschutz. „Die Leute müssen eine Krankenversicherung haben“, sagt die Versicherungsspezialistin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Für die Frage, ob privat oder gesetzlich, gibt es aber keine pauschale Antwort.“

          Die Gesetzliche habe eindeutige Vorteile: Der Beitrag ist abhängig vom Einkommen, während sie sich in der Privaten Krankenversicherung, für die man mit seinem Einkommen die Versicherungspflichtgrenze überschreiten oder Beamter sein muss, nach dem persönlichen Risiko errechnet. Dort bildet man Altersrückstellungen, damit im besten Fall im Alter die Beiträge finanzierbar bleiben.

          Die Entscheidung für eine private Krankenversicherung sei höchst individuell, sagt Frank Wehrmann, Versicherungsmakler der Finanzsozietät in Marburg. „Ein Gespräch gestalte ich wie eine Ananmese: Ich frage viel, und idealerweise antwortet der Kunde auch viel“, sagt er. So könne er aufzeigen, ob es Lücken in der gesetzlichen Vorsorge gibt, die mit Hilfe eines privaten Versicherers geschlossen werden können. „Die Auswahl ist dann komplex, weil es so viele Tarife und so viele Anbieter gibt, dass man ohne eine professionelle Software aufgeschmissen ist“, sagt Wehrmann.

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