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Lebensversicherer im Test : Schwieriger Spagat zwischen Reserve und Ausschüttung

Von welcher Lebensversicherung können Kunden am meisten profitieren? Bild: dpa

Wie müssen Lebensversicherer haushalten, um Kunden nicht zu verschrecken? Betriebswirtschaftsprofessor Hermann Weinmann hat sich in seiner Analyse die Lebensversicherungsvereine angeschaut.

          2 Min.

          „Drum prüfe, wer...“: Dieses Motto hat der Betriebswirtschaftsprofessor Hermann Weinmann seiner diesjährigen Untersuchung der Bilanzen von Lebensversicherungsvereinen hintangestellt. In der schwierigen Lage für Lebensversicherer passt es gut, denn Altersvorsorge im Niedrigzins gleicht einer Ehe unter widrigsten Bedingungen. „Nur durch Auflösung von Misstrauen, die in Treue der Kunden mündet, durch richtig verstandene technikgestützte sparsame Wirtschaftsführung sowie durch eine ,intelligente‘ Kapitalanlage sichert der Versicherungsverein seine Zukunftsfähigkeit“, schreibt Weinmann in seiner Bilanz-Analyse, die er regelmäßig für die „Zeitschrift für das Versicherungswesen“, macht.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Daran zeigt sich, dass Erfolg in der Lebensversicherung nie dauerhaft währt. Einstige Ranking-Stars wie die Debeka und der Volkswohl Bund leiden am hohen Anteil von Verträgen mit hohen Garantiezinsen in ihrem Bestand. Dies und eine konservative rentenbasierte Kapitalanlage in der Vergangenheit zwingen sie zum ständigen Spagat zwischen ausreichenden Bewertungsreserven für die Zukunft und Erträgen in der Gegenwart, von denen Kunden profitieren.

          Diesmal haben sich die beiden Unternehmen so entschieden, dass weit unterdurchschnittliche Rohüberschussmargen von 0,03 Prozent (Debeka) und 2,1 Prozent (Volkswohl Bund) zustande kamen. Diese Kategorie verrät, wie viel Versicherer über ihre garantierten Versprechen hinaus auf Kunden verteilen können. Vier der zwölf hier untersuchten Lebensversicherer kamen dagegen auf Werte über 20 Prozent: in dieser Reihenfolge die Hannoversche Leben, HUK-Coburg, LV von 1871 und Continentale. Die höchsten Verzinsungen der Kapitalanlagen haben hingegen ganz andere Unternehmen: WWK Leben und Stuttgarter Leben kommen auf Verzinsungen von 2,98 und 2,95 Prozent. Das deutet darauf hin, dass sie weniger Mittel aus anderen Ertragsquellen (wie dem Risikogewinn) in den Rohüberschuss einbringen konnten, sondern von guter Kapitalanlage leben.

          Die Debeka fällt auf Platz 9 zurück

          Doch wie viel der Kunde von diesen betriebswirtschaftlichen Ergebnissen hat, hängt auch von der Sparsamkeit der Versicherer ab. In dieser Kategorie schneiden die Debeka, die HUK-Coburg und die Hannoversche Leben am besten ab. Hier fallen dagegen die WWK und die Iduna mit hohen Werten auf. „Für die Versicherten zu wünschen ist, dass diesen außergewöhnlichen Kosten Zukunftsinvestitionen entgegenstehen, die in den Folgejahren einstellige Kostenquoten bewirken“, schreibt der Betriebswirt.

          Auch sonst hält sich Weinmann mit Kritik an der Branche nicht zurück. In der Berufsunfähigkeitsversicherung klafften Brutto- und Nettobeiträge (durch Erträge des Versicherers abgefederter Zahlbeitrag) so weit auseinander, dass dem Kunden im schlimmsten Fall bei schlechten Ergebnissen eine Verdoppelung des Beitrags droht. „Die Frage sei erlaubt, ob man einen solchen Anbieter empfehlen kann, gibt es doch für den Kunden im Ernstfall kein Entrinnen“, schreibt er.

          Im Gesamtergebnis schneidet die Hannoversche Leben bei Vergangenheits- und Zukunftsindikatoren am besten ab. Die Debeka fällt durch den schwachen Rohüberschuss bei Vergangenheitswerten auf Platz 9 zurück, kann dadurch aber bei den Zukunftsindikatoren Platz 2 halten. Hinter der Hannoverschen stehen die LV von 1871 und die Gothaer, die sich verbessert hat. Auch das ist also möglich.

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