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Günstige Tarife : Wegweiser für die private Krankenversicherung

Und das Kriterium? Sie wissen schon. Bild: dpa

Potentielle Kunden einer privaten Krankenversicherung sollten auch kleinere Anbieter prüfen. Gute Leistungen sind nicht automatisch mit hohen Preisen verbunden.

          Hinter den Kulissen der privaten Krankenversicherung geht es immer mal wieder turbulent zu: Eine Fraktion meint, nur mit leistungsstarken Tarifen werde die Branche ihr Geschäftsmodell gegenüber der Politik verteidigen können. Die Gegenseite scheut nicht davor zurück, Selbständige in das günstigere Segment zu ziehen und sie ernstzunehmende Risiken selbst tragen zu lassen. Beide Positionen sind legitim. Was aber einige Krankenversicherer in der Vergangenheit im Streben nach hohen Umsätzen und Effizienz im Vertrieb außer Acht gelassen haben: Die Entscheidung für einen Vertrag ist wohl die komplexeste in der Assekuranz überhaupt. Dennoch haben sich viele mit windigen Vertrieben eingelassen, die Policen am Telefon verkaufen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Etwas Licht ins Dickicht der Vermittler bringt eine aktuelle Untersuchung des Branchendienstes Premium Circle. Dafür wurden die jeweils leistungsstärksten Tarife von 32 Anbietern ausgesucht. Diese Tarife wurden nach ihrem Leistungsumfang und ihrem Preis bewertet. Dabei zeigt allein schon die Auswahl der 245 Leistungskriterien, worüber sich der Kunde im Gespräch mit dem Vermittler schon vor Vertragsabschluss unterhalten könnte: Ist man auch im Ausland versichert? Will man Heilpraktikerleistungen versichern? Sind Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie eingeschlossen? Werden nach einem Unfall alle Körperersatzstücke gewährt (auch der Haaransatz nach Verbrennungen)? Werden Transporte und Reha bezahlt?

          Der günstigste Tarif liegt bei 420 Euro

          In der Analyse zeigt sich, dass gute Leistungen nicht automatisch mit hohen Preisen verbunden sind. Zudem hat die Qualität des Angebots nichts mit der Größe des Unternehmens oder seiner Finanzstärke zu tun. Das beste Ergebnis fuhr die Hallesche mit ihrem Tarif NK 2U ein. Er erfüllt die drittmeisten Leistungskriterien und ist mit einem durchschnittlichen Beitrag über zehn verschiedene Eintrittsalter von 479 Euro auch der drittgünstigste. Auf dem zweiten Platz folgt die Debeka mit ihren Tarifen N und NC, die bei den Leistungen an der Spitze stehen und mit einem Durchschnittsbeitrag von 505 Euro an siebter Stelle beim Preis landen. Die Huk-Coburg erreicht Rang drei, weil sie mit 431 Euro den zweitgünstigsten Tarif anbietet. Wer dagegen nur auf den Preis achtet, fährt bei der Provinzial am besten, die ihren besten Tarif für 420 Euro anbietet. Dagegen kommt sie bei den Leistungen nur auf den 30. Platz. Den größten Leistungsumfang dagegen bietet die Barmenia.

          Auch diese Auswahl kann nur eine erste Annäherung sein, denn darüber hinaus ist auch das tatsächliche Regulierungsverhalten der Versicherer zu beachten. Spitzenreiter Hallesche etwa ist für die hohe Quote an Gerichtsprozessen bekannt, die er im Streit mit Kunden anstrengt. Dagegen fährt er derzeit so gute Kapitalanlageergebnisse ein, dass Kunden momentan zumindest eher von stabilen Beiträgen ausgehen können. Die Finanzstärke und die betriebswirtschaftliche Lage sind in der derzeitigen Niedrigzinsphase nicht hoch genug einzuschätzen.

          Bemerkenswert bleibt aber auch in dieser Analyse wieder einmal, dass die sehr vertriebsstarken Versicherer nicht unbedingt mit den besten Gesamtergebnissen auffallen. Marktführer DKV (zumindest nach dem Prämienvolumen) taucht auf keinem der Spitzenplätze auf. Auch die Allianz, Signal und Central sucht man dort vergeblich. Dagegen erreichen die kleinen Marktteilnehmer Mannheimer und Münchener Verein bei den Leistungen einen Platz unter den ersten fünf, beim Preis die Pax Familienfürsorge und die Gothaer.

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