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Lebensversicherung : Was zu tun ist, wenn der Versicherer kündigt

Bild: dpa

Lebensversicherer wie Generali wollen ihre Kunden loswerden. Was bedeutet das für die Versicherten?

          Das Geschäft mit Lebensversicherungen ist hart geworden. Versicherungskonzernen fällt es immer schwerer, das Geld vor allem für alte Policen mit langfristig hohen Zinsgarantien von bis zu vier Prozent zu erwirtschaften. Grund hierfür ist die Niedrigzinsphase. Hinzu kommt, dass die Versicherer höhere Eigenmittel vorhalten müssen. Einige Konzerne wickeln deshalb klassische Lebensversicherungen ab. Das heißt, sie verkaufen keine neue Policen, sondern verwalten nur noch bestehende Verträge bis zu deren Ablauf. Ein solches „Run-off“ erledigen Versicherer entweder intern, oder sie verkaufen den Bestand an eine auf Abwicklungen spezialisierte Plattform, wofür sich Generali entschieden hat. Wird der Deal zwischen Generali und Viridium genehmigt, werden von den 88 Millionen Lebensversicherungen hierzulande sechs Millionen extern verwaltet sein.

          Wer bekommt meine Versicherung?

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hinter den Run-off-Plattformen in Deutschland stehen vorwiegend ausländische Finanzinvestoren. Marktführer Viridium gehört der englischen Beteiligungsgesellschaft Cinven sowie dem Rückversicherer Hannover Rück. Hinter der Frankfurter Leben als zweitgrößtem Abwickler steht das chinesische Konglomerat Fosun, die Plattform Athene gehört der amerikanischen Private-Equity-Firma Apollo. Alle Investoren versichern, langfristig für Kapital zu sorgen. Gegen Insolvenz sind die Plattformen versichert.

          Ändert sich der Vertrag, wenn meine Lebensversicherung verkauft wird?

          Auch wenn die Versicherungspolice in andere Hände gerät – vertragsrechtlich bleibt alles beim Alten. Der Garantiezins bleibt erhalten, wie es der Versicherer versprochen hat, bei dem der Vertrag abgeschlossen wurde. Auch eine Beteiligung an den Überschüssen ist gesichert.

          Was wollen die Abwickler besser machen als meine Versicherung?

          Die Abwickler versprechen zwei Dinge: einerseits zu sparen, andererseits eine höhere Rendite zu erwirtschaften. Sparen können sie, weil sie kein Geld für die Entwicklung, Vertrieb und Werbung neuer Produkte ausgeben müssen. Dazu sind Versicherungskonzerne gezwungen, um ständig neue Policen unter die Leute zu bringen. Zudem halten sich die Abwickler zugute, dass ihre IT-Systeme besser geeignet sind, Verträge effizienter und günstiger zu verwalten. Höhere Rendite ist möglich, weil die Abwickler in der Kapitalanlage freier sind als Versicherungskonzerne. Sie legen nicht alles in Staatsanleihen an, sondern auch in andere recht sichere Schuldtitel. Die Vorteile fallen umso größer aus, je mehr Verträge ein Abwickler besitzt.

          Ist den Versprechungen der Abwickler zu trauen?

          Manche Politiker und Verbraucherschützer wittern Übles, weil sich die Run-off-Plattformen in den Händen ausländischer Finanzinvestoren befinden: Sie mutmaßen, dass die Firmen am maximalen Profit interessiert sind und die Versicherten dabei schlechter wegkommen als bisher. Tatsächlich sind bei der Aufsichtsbehörde Bafin im vergangenen Jahr mehr Beschwerden über Abwickler eingegangen als im Durchschnitt des Versicherungsmarktes. Absolut gesehen, ist die Zahl gering: Bei Viridium, das unter anderem 270 000 Verträge der Gesellschaft Skandia abwickelt, beschwerten sich 70 Skandia-Versicherte. Die Bafin achtet sehr darauf, dass Versicherte nicht schlechter gestellt werden. Sie prüft jede externe Abwicklung sehr intensiv und hat bisher sechs mit insgesamt 1,7 Millionen Verträgen genehmigt. Eineinhalb Jahre nahm sich die Bafin Zeit, ehe sie dem Verkauf der Basler Versicherungen an die Run-off-Plattform Frankfurter Leben endlich zustimmte.

          Muss ich um meine Versicherungsbeiträge fürchten?

          Die in der Lebensversicherung garantierten Leistungen bleiben unverändert bestehen, auch mit den bislang erzielten Überschüssen kann jeder Versicherte rechnen. Die Frage ist, wie die variable Überschussbeteiligung, über deren Höhe die Abwickler alljährlich neu entscheiden, künftig ausfällt. Theoretisch ist es möglich, dass die Überschussbeteiligung künftig auf ein Mindestmaß geschrumpft wird. Praktisch jedoch gehen Experten davon aus, dass eher das Gegenteil der Fall sein wird, weil die Abwickler einen Teil ihrer Kostenüberschüsse weitergeben. Versicherte, sagt die Beratungsgesellschaft Willis Towers Watson, „behalten die Sicherheit ihrer Garantien und haben darüber hinaus noch Chancen auf höhere Überschüsse“. Wie die Überschüsse einer stillgelegten Lebensversicherung sich entwickeln, darüber gibt die jährliche Standmitteilung Auskunft.

          Kann ich mich gegen den Verkauf wehren?

          Nein, der Versicherer muss keine Zustimmung des Kunden einholen. Bleiben nur zwei Möglichkeiten – zu kündigen oder keine Beiträge mehr einzuzahlen. Keine von beiden ist zu empfehlen. Eine klassische, hoch verzinste Lebensversicherung kann ein guter Bestandteil der Altersvorsorge sein. Andererseits ist die Police womöglich mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) verbunden, so dass eine Kündigung Folgen haben könnte. Denn ein neuer BU-Vertrag zieht eine abermalige Gesundheitsprüfung nach sich. Wer eine Lebensversicherung kündigt, dem steht auch nur der eingezahlte Betrag zu.

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