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Mangelnde Risikoabdeckung : Wechseln Sie die Haftpflicht

Sind Unfallschäden mit einem Elektrofahrrad durch die private Haftpflichtversicherung abgedeckt? Bild: Kien Hoang Le

Viele Risiken sind durch alte Policen nicht abgedeckt. Einen neuen Vertrag bekommt man aber ganz leicht.

          2 Min.

          Elektrofahrräder sind immer mehr im Kommen. Allein im vergangenen Jahr wurden in Deutschland eine Million EBikes verkauft, so dass nun insgesamt etwa 4,5 Millionen von dieser Sorte auf deutschen Straßen unterwegs sind. So angenehm diese leicht motorisierte Art der Fortbewegung ist: Das Risiko besteht auch bei geringem Tempo, dass der Radfahrer einen Unfall verursacht. Zum Beispiel, wenn er ins Schlingern gerät und an einem parkenden Auto einen Kratzer hinterlässt oder einen Fußgänger verletzt.

          Thomas Klemm
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die zweite böse Überraschung könnte alsbald folgen. Denn womöglich sind die Unfallschäden gar nicht durch die private Haftpflichtversicherung abgedeckt. Wurde ein Vertrag schon vor Jahren abgeschlossen, als Elektrofahrräder noch nicht üblich waren, muss der Verursacher eines Unfalls schlimmstenfalls aus eigener Tasche Schadenersatz leisten.

          So sinnvoll es grundsätzlich ist, eine private Haftpflichtversicherung abzuschließen: Sie ist kein Sicherheitspolster, auf dem man sich auf Jahre hinaus ausruhen kann. Denn so wie sich die Welt verändert, so verändern sich auch die Risiken und die Versicherungen, die sie abdecken. Deshalb empfehlen Experten jedem Versicherten, die eigene Haftpflichtversicherung von Zeit zu Zeit zu überprüfen.

          Zum einen, ob die vertraglichen Leistungen noch zu seiner aktuellen Lebenssituation passen. Zum anderen, ob die für einen Schadensfall vereinbarte Versicherungssumme noch ausreicht. Sollte das eine oder andere nicht der Fall sein, ist eine Kündigung und ein direkt anschließender Neuabschluss angeraten.

          Spätestens nach fünf Jahren Laufzeit lohnt sich so gut wie immer ein Wechsel in eine neue Haftpflichtversicherung, die ungefähr für das gleiche Geld bessere Konditionen bietet. „Vielfältige Tarife erscheinen zunächst wie ein Dickicht“, sagt Peter Grieble, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: „Ins Positive gewendet bedeutet es, dass Verbraucher mehr Auswahlmöglichkeiten haben.“ Der Wechsel ist einfach. Die Verträge laufen in der Regel ein Jahr und können bis zu drei Monate vor Ablauf gekündigt werden.

          Elektrofahrräder und Drohnen

          Nicht nur Elektrofahrräder, die höchstens 25 Kilometer in der Stunde fahren, fallen unter den Versicherungsschutz. Auch Risiken im Internet sind heutzutage abgedeckt. Damit sind Versicherte gegen die wirtschaftlichen Folgen geschützt, wenn sie nichtsahnend eine E-Mail weiterleiten, die mit einem Virus infiziert ist. Oder wenn sie ihren Computer nicht ausreichend vor einem Trojaner geschützt haben, so dass er zu einer folgenschweren Attacke auf andere Systeme missbraucht wird. Solche Internetrisiken sind selbst bei günstigen Versicherungstarifen für 40 Euro im Jahr oft inklusive.

          Auch wer sich eine Drohne zulegt, sollte wieder einmal einen Blick in seine Haftpflichtversicherung werfen. Nur in neueren Policen sind Schäden durch Drohnen, beispielsweise wenn sie auf ein Autodach stürzen, abgesichert. Es sei denn, das Fluggerät ist groß und schwer und besitzt eine Kamera, dann ist eine spezielle Drohnenhaftpflichtversicherung vonnöten. Da sich die Leistungspakete stark unterscheiden, sollte jeder Drohnenbesitzer beim Versicherer nachfragen und sich bestätigen lassen, dass sein Modell tatsächlich unter seine Haftpflichtversicherung fällt.

          Andere Leistungen, die heute in Verträgen üblich sind, sind nicht für jedermann vonnöten. Eine Versicherung gegen verlorene Schlüssel empfiehlt sich vor allem für Mieter, die in einem Mehrparteienhaus wohnen, bei dem ein Schlüssel sowohl Haustür als auch Wohnungstür aufschließt. Ein Austausch aller Schlösser kann teuer werden. Besonders Hauseigentümer mit einer Ölheizung sollten darauf achten, dass ihre Haftpflichtversicherung Gewässerschäden abgedeckt ist. Es könnte ja sein, dass der Öltank ausläuft und das Grundwasser verunreinigt.

          Neben den vereinbarten Leistungen sollten auch die Versicherungssummen beachtet werden. Ältere Verträge bieten oft nur Entschädigungen von drei oder fünf Millionen Euro. Dies kann zu wenig sein, wenn bei einem Unfall ein Mensch verletzt wird und der Unfallverursacher für Behandlungskosten, Schmerzensgeld oder gar Rentenzahlungen aufkommen muss. Zehn Millionen Euro sollte die Entschädigungshöhe mindestens betragen, am besten noch mehr. Das koste oft nur wenige Cent mehr, sagt Verbraucherschützer Grieble: „Da sollte man keine Abstriche machen.“

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