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Dienstleitungen : Zwingen Banken ihren Kunden Versicherungen auf?

Gut aufgepasst: Bei einem Beratungsgespräch sollte der Bankkunde auf der Hut sein. Bild: YourPhotoToday/PM

Verbraucherschützer und Versicherungsvertreter greifen gemeinsam Kreditinstitute an. Ihre Kritik: Unfaire Beratung. Kunden bekämen etwa Lebensversicherungen aufgezwungen, wenn sie einen Kredit haben wollten.

          Versicherungen werden über die verschiedensten Kanäle verkauft: im Internet, beim firmengebundenen Vertreter oder beim unabhängigen Makler, bei Honorarberatern oder in der Bank. Das Modell der „Bancassurance“, also der integrierten Bank mit eigenem Versicherungszweig, war zwar vor eineinhalb Jahrzehnten mal en vogue. Durchgesetzt hat es sich aber nicht, wie sich exemplarisch an der gescheiterten Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz zeigt. Zwar versuchen alle Versicherer eine potente Bank als Vertriebspartner zu gewinnen, weil sie auch in Bankfilialen Geschäft erzeugen können. Die Banken freuen sich in Zeiten sinkender Erträge über Provisionserlöse. Doch die Zahl der Partner ist begrenzt: Die Allianz hat aus Fusionszeiten noch eine Kooperation mit der Commerzbank, die Zurich mit der Deutschen Bank.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Über diese strategischen Veränderungen vergisst man leicht, dass es aber sehr wohl in großem Umfang integrierte Finanzdienstleister gibt: nämlich die Genossenschaftsbanken mit der R+V als Versicherungszweig und die Sparkassen mit den öffentlichen Versicherern (Provinzial, Sparkassen-Versicherung, Versicherungskammer Bayern), die zusammengenommen der zweitgrößte Versicherer in Deutschland sind. Mit ihrem verzweigten Filialnetz haben sie eine kaum schlagbare Vertriebsmacht aufgebaut. Die R+V Versicherung ist seit Jahren eines der wachstumsstärksten Unternehmen der Assekuranz. Dabei profitiert sie von den vielfältigen Möglichkeiten, Policen und Bankprodukte im Paket anzubieten.

          „Das schaffe ich als Makler in meinem ganzen Leben nicht“

          Doch nun bildet sich eine ungewöhnliche Allianz gegen diese Festung. Zwei Lobbyverbände, die üblicherweise in unterschiedlichen Lagern verortet sind, haben eine gemeinsame Initiative gestartet, um gegen Auswüchse dieser Querverkäufe vorzugehen: der Bund der Versicherten (BDV), der die Interessen von 50.000 Kunden vertritt, und der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), der für mehr als 40.000 Vertreter, Agenturen und Makler spricht. „Genossen und Sparkassen zwingen Kunden zum Abschluss einer Versicherung in Verbindung mit Geldprodukten“, kritisiert BVK-Präsident Michael Heinz. „Wir erleben eine starke Verwischung, in welcher Funktion der Gesprächspartner gerade unterwegs ist. Hier muss der Gesetzgeber klarere Linien ziehen“, sagte Verbraucherschützer Axel Kleinlein, BDV-Vorstandssprecher, während eines gemeinsamen Gesprächs in Berlin.

          70.000 Anfragen zählt die Verbraucherschutzorganisation jährlich. Häufig wendeten sich Kunden an den BDV, die ein Kreditversprechen nur unter der Auflage erhalten hätten, parallel dazu auch eine Risikolebensversicherung über das Geldhaus abzuschließen. „Es wird das Komplettpaket verkauft, selbst wenn der Kunde eine eigenständige Risikolebensversicherung haben will“, sagt Kleinlein. Auch Heinz, der ein eigenes Maklerbüro in Siegen leitet, echauffiert sich über diese Art von Querverkäufen: „Das ist Knebelpolitik unter dem Deckmantel: Wir sind deine Hausbank.“ Häufig sei auch zu beobachten, dass sich Banken auf Kontoauszüge bezögen und Kunden fragten, ob er seine Police nicht lieber kündigen und beim eigenen Versicherungspartner abschließen wolle. Nur so lasse sich erklären, warum manche Sparkasse im Jahr eine dreistellige Zahl von Privathaftpflichtpolicen abschließe. „Das schaffe ich als Makler in meinem ganzen Leben nicht“, sagt Heinz. „Darauf haben wir keinen Einfluss. Das ist nicht unser Geschäftsgebaren“, sagt eine Sprecherin der R+V.

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