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Noch bis Ende November : Lohnt sich ein Wechsel der Autoversicherung?

Totalschaden: Jetzt kommt es auf den Versicherungsschutz an. Bild: Waldner, Amadeus

Zum 30. November können Kunden ihren Vertrag kündigen. Um bessere Preise zu erzielen, muss man den neuen Vertrag nicht unbedingt im Internet abschließen. Verbraucher sollten mehrere Angebote einholen.

          Drei Diskussionen gehören zum Herbst wie das Laub im Wald und warmer Tee in der Stube: Wird das Weihnachtsgebäck nicht viel zu früh im Supermarkt angeboten? Darf man sich an der neuen Halloween-Sitte beteiligen, oder bietet man der amerikanischen Kultur die Stirn? Und sollte man zum 30. November seine Autoversicherung kündigen, um Geld zu sparen? Denn ist die Police nicht einen Monat vor Beginn des neuen Vertrags gekündigt, läuft der Vertrag im neuen Jahr weiter.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Rund 8 Millionen Kunden trügen sich mit dem Gedanken, ihre Autoversicherung zu wechseln, meldete das Marktforschungsunternehmen Yougov Ende September. Hochgerechnet entspricht das den 21 Prozent der Befragten in einer repräsentativen Untersuchung, die Wechselabsicht zeigten und sich zu den bevorzugten Marken äußerten. Aus den Antworten leiteten die Marktforscher eine Prognose ab: „Da auch die Bekanntheit von HUK24 und HUK-Coburg deutlich höher als von anderen Marken ist, sind bei den Coburgern die Chancen auch dieses Jahr wieder am höchsten, ihre Marktanteile weiter auszubauen.“

          Die industrialisierten Abläufe in der Schadenversicherung haben die HUK-Coburg zum Kostenführer gemacht. Deshalb konnte das Unternehmen den scharfen Preiswettbewerb bis 2010 unbeschadet überstehen und luchste der Allianz Jahr für Jahr Marktanteile ab. Seit vier Jahren ist der Wettbewerb nicht mehr so ruinös. Zum 1. Januar 2014 gab es durchschnittlich sogar die größte Prämiensteigerung im Markt, seit der Rückversicherer E+S Rück die Zahlen erhebt.

          Um 4,2 Prozent verteuerte sich nach diesen Daten eine Auto-Haftpflichtversicherung durchschnittlich, der Preis für Vollkaskoschutz erhöhte sich um 5,9 Prozent – die teuren Hagelschäden des vergangenen Jahres nahmen die Versicherer zum Anlass, die Preise kräftig zu erhöhen. Für Teilkaskoversicherungen mussten Kunden 3,6 Prozent mehr bezahlen. In diesem Jahr kostete Verbraucher ihr Haftpflichtschutz im Durchschnitt 237 Euro, für die Kaskoabsicherung mussten sie 86 Euro zusätzlich einkalkulieren, für Vollkasko 292 Euro. Und auf dem Weg zur Profitabilität dürften die Autoversicherer ihre Sanierung fortsetzen: Fürs kommende Jahr erwartet die E+S Rück einen Preisanstieg von 3,3 Prozent für Haftpflichtpolicen, der sich im Jahr darauf auf 1,5 Prozent abschwächen dürfte.

          Diese Marktdurchschnitte finden sich in Vergleichsrechnern nicht unbedingt wieder. Vergleichsrechner berücksichtigen allein die Konditionen beim Wechsel. Die Übersicht sei etwas schlechter geworden, seit das Bundeskartellamt genauer schaut, ob es womöglich zu Preisabsprachen in der Branche kommt, sagt Ivana Höltring, Geschäftsführerin des Branchendienstes Nafi. „Ich kann aber nicht sagen, dass die Versicherer überwiegend ihre Preise erhöhen. Sie fallen eher sogar ganz leicht“, sagt sie. Zur Wechselsaison hat ihr Haus für 200000 Kundenprofile die Preise zum Vertragsbeginn erster Januar mit denen vom Vorjahr verglichen.

          Wettbewerb über den Preis weiterhin intensiv

          Der Wettbewerb um Kunden über den Preis ist also weiterhin intensiv. Allerdings haben die Anbieter bei den Konditionen inzwischen nahezu alles ausgereizt. Kaum ein Anbieter setzt nicht auf den Dreiklang aus Basisschutz, Standarddeckung und Komfortpolice. In kleinsten Details indes können sich die Verträge unterscheiden, so dass es sich lohnt, das Kleingedruckte zu lesen.

          Nach wie vor ist es schwierig, über Webportale einen vollständigen Vergleich zu bekommen. Vor Jahren hatte sich Marktführer HUK-Coburg dem größten Portal Check24 verweigert. Bis heute muss der Marktführer unter den Vergleichsrechnern auf Angebote des Versicherers verzichten. Dennoch wurde sein Portal jüngst Testsieger in einem Vergleich des Deutschen Kundeninstituts. Demnach überzeugte das Unternehmen vor allem beim Preis-Leistungs-Verhältnis und bei der Servicequalität. Die bessere Vergleichsanalyse habe der Branchendienst Nafi geliefert, der sich in erster Linie an Makler richtet. Schlechter schnitten Ino24, Geld.de und FSS online ab.

          Mit  Verivox erwächst Check24 ein Wettbewerber

          Doch mit dem Portal Verivox erwächst Check24 ein ernstzunehmender Wettbewerber. Im Frühjahr hat das Heidelberger Unternehmen die Markenrechte an Transparo erworben. Unter diesem Namen firmierte zuvor ein Portal, das einst unter Beteiligung der HUK-Coburg als Konkurrent für Check24 aufgebaut werden sollte. Die Transaktion umfasste eine Kundendatei, durch die Verivox Boden gut machen will. Im Vorjahr hat Verivox nur Verträge im unteren fünfstelligen Bereich vermittelt, mit dem neu errichteten Rechner soll sich diese Zahl nun verdreifachen. Damit wäre man allerdings immer noch weit entfernt von Check24, das im Vorjahr für die Vermittlung von 750000 Kunden eine Provision erzielen konnte. Den damaligen Anstieg um 20 Prozent will der Marktführer in diesem Jahr wiederholen.

          Mehrere Angebote einholen

          Verbraucherschützer sehen in den Portalen ein Instrument, um sich über den angemessenen Versicherungsschutz zu informieren. Allerdings betonen sie, dass es sich wegen der unvollständigen Angaben lohnt, mehrere Angebote einzuholen. Zudem solle man seinen Vertrag nicht kündigen, bevor man keine Zusage eines anderen Versicherers hat, denn die Bonitätsprüfungen werden strenger. Manche Versicherer lassen sich schon zu Nachlässen erweichen, wenn der Verbraucher ihm nur das Angebot eines Wettbewerbers vorhält. Die Portalbetreiber selbst werben mit den angeblichen Vorzügen ihres Angebots: Verivox etwa betont, dass der Kunde schon nach zehn bis zwölf Schritten einen Hinweis bekommt, was der Versicherungsschutz kostet. Check24 lobt sich dafür, dass man von 250 angezeigten Tarifen 210 direkt online abschließen könne.

          In einem Punkt sind die Angebote wirklich breiter geworden: Die Sparkassen-Direktversicherung bietet Policen an, bei denen sich der Beitrag am Fahrverhalten orientiert. Kunden, die eine kleine schwarze Box nicht scheuen, die Fahrdaten erhebt, sind auf dieses Modell umgestiegen. Andere Versicherer zögern mit der Produkteinführung. Solang für die Police eine Box installiert werden muss, sehen sie Nachteile für Kunden. Zudem seien die Tarife hierzulande ohnehin schon stärker ausdifferenziert als in Österreich oder Großbritannien, wo diese Art von Versicherungsschutz beliebter ist.

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