https://www.faz.net/-hbv-8l6dc

Abschlusskosten : Versicherer verlangen zu hohe Provisionen

  • Aktualisiert am

Nach Schätzungen des Bundes der Versicherten geht es allein 2015 um Milliarden Euro, die Versicherten zuviel berechnet wurden. Bild: dpa

Versicherer setzen bestimmte Kosten für Lebensversicherungen doppelt an. Vor allem ein Versicherer hat in den letzten fünf Jahren kräftig zugelangt haben.

          Gerichtsurteilen des Oberlandesgerichts Köln zufolge setzen Versicherer bestimmte Kosten für Lebensversicherungen doppelt an. Das berichtet der Bund der Versicherten und die Verbraucherzentrale Hamburg. Nach Schätzungen des Bundes der Versicherten geht es dabei allein für das Jahr 2015 um drei Milliarden Euro, die den Kunden berechnet wurden. Dabei soll der Versicherer HDI Kunden neben den Abschlusskosten für fünf Jahre (sogenannte Zillmerung) weitere Abschlusskosten in Rechnung gestellt haben. HDI war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

          Mit den Entscheidungen wird dem Versicherer untersagt, Kunden über die Zillmerung hinaus Kosten aufzuerlegen, sagte BVV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein dieser Zeitung. Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg sagte: „Eine so wichtige Kostenposition wie die Abschlusskosten darf nicht nach Belieben aufgestockt und am Ende einfach versteckt aufgeteilt werden, so dass Verbraucher gar nicht mehr erkennen können, welche finanziellen Belastungen tatsächlich mit dem Vertragsschluss verbunden sind.“

          Bislang berufen sich die Kläger allerdings ausschließlich auf das Ergebnis der beiden Gerichtsentscheidungen (Az.: 20 U 201/15 und 26 O 468/14) - die rechtliche Begründung wurde noch nicht ausgewertet. Auf die Milliardensumme kommen sie auf der Grundlage von Daten des Versicherungsverbandes GDV. Demnach seien im Jahr 2015 7,2 Milliarden Euro Abschlusskosten in der Lebensversicherung angefallen. Das wären 4,9 Prozent der zugehörigen vertraglichen Beitragssummen. Der gesetzliche Höchstzillmersatz beträgt jedoch 2,5 Prozent.

          Die deutschen Lebensversicherer haben zudem im ersten Halbjahr einen spürbaren Prämienrückgang wegstecken müssen. Das Geschäft mit klassischen Policen habe sich zwar erholt und sei "eher stabil", sagte der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland, in Berlin. Aber die Einnahmen durch sogenannte Versicherungen mit Einmalbeiträgen seien wie erwartet stark rückläufig. Solche Policen wurden in der Vergangenheit oft als Kapitalanlage genutzt. Wegen der niedrigen Zinsen sei diese Art von "Tagesgeldersatzfunktion" für viele Versicherer nicht besonders profitabel, erläuterte Erdland. Unterm Strich sanken die Einnahmen der Lebensversicherer binnen Jahresfrist damit um 4,5 Prozent.

          Die gesamte Assekuranz verbuchte laut Erdland stagnierende Beitragseinnahmen. "Es ist allenfalls ein leichter Rückgang zu spüren." Das Plus von 3,1 Prozent bei der Schaden- und Unfallversicherung bezeichnete der Verbandschef als recht zufriedenstellend. Trotz des Gegenwinds seien die Lebensversicherer in der Lage, mit den niedrigen Zinsen "fertig zu werden", betonte Erdland. Er räumte aber ein: "Natürlich wird es immer schwerer, die Renditen zu erzielen." Die anhaltend tiefen Zinsen drücken auf die Kapitalpolster der Unternehmen, wie zuletzt die Finanzaufsicht BaFin in einer ersten Bilanz der neuen Kapitalvorschriften der Versicherer berichtet hatte. 

          Erdland plädierte erneut dafür, dass die Branche ihre Kapitalpuffer langsamer aufbauen müsse als bisher. Für 2016 rechnet der GDV bei dieser sogenannten Zinszusatzreserve mit rund 14 Milliarden Euro. In diesem Topf, mit dem die Versicherer besser gegen Krisen gewappnet sein sollen, wären dann insgesamt 46 Milliarden Euro. "Diese von Jahr zu Jahr wachsende Belastung ist immer schwerer zu stemmen", sagte Erdland.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Liveblog zu von-der-Leyen-Wahl : Showdown in Straßburg

          Ursula von der Leyen hält Bewerbungsrede vor EU-Parlament +++ Am Abend stellt sich CDU-Politikerin zur Wahl +++ Mindestens 374 von 747 Stimmen nötig +++ Verfolgen Sie alle Entwicklungen im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.