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Überwachung im Telematik-Tarif : Wenn die Autoversicherung alles sieht

Gute Fahrt: Unsere Autorin sieht auf dem Smartphone sofort, wie vorbildlich sie unterwegs war. Bild: Lucas Bäuml

Wer sich bei jeder Fahrt überwachen lässt, kann bei der Autoversicherung sparen. Unsere Autorin hat es ausprobiert – und dabei böse Überraschungen erlebt.

          Eine Autoversicherung ist eine kostspielige Sache. Selbst für Kleinwagen wie meinen – einen Volkswagen Up – zahlt man als junge Fahrerin einen Jahresbeitrag, der es in sich hat. Als meine Autoversicherung, die HUK Coburg, im Frühjahr ankündigte, den Telematik-Tarif auch für Nichtfahranfänger zu öffnen, habe ich gewechselt. Das Versprechen der Versicherung: bis zu 30 Prozent Ersparnis durch gutes Fahrverhalten. Seitdem klebt ein kleiner grauer Kasten an der Innenseite meiner Windschutzscheibe. Er ist über Bluetooth mit meinem Handy verbunden und registriert alles, was ich mache: wann ich wie beschleunige, wie stark ich bremse, ob ich gut lenke und wann ich ein Tempolimit missachte.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Eine App visualisiert die Daten. Auf vier Balken kann ich sehen, ob ich in den Kategorien Geschwindigkeit, Bremsen, Beschleunigen und Lenken eher im grünen oder gelben Bereich bin. Eine Kurve zeigt mir an, wie sich mein Fahrwert über die Zeit verändert. Anhand dieses Gesamtfahrwertes berechnet die HUK Coburg dann meine Versicherungsprämie für das folgende Jahr. 100 Punkte sind möglich und würden 30 Prozent Beitragsersparnis bedeuten. Wer null Punkte erreicht, bezahlt hingegen den üblichen Tarif. So ähnlich funktioniert es auch bei den anderen Versicherern, die solche Telematik-Tarife anbieten.

          Die App hat es nicht verstanden

          Ich bin eine gute Autofahrerin, dachte ich immer. Zugegeben, das ist subjektiv, und es wird kaum jemanden geben, der etwas anderes von sich behauptet. Aber ich werde nicht geblitzt. Ich finde, dass ich – wenn überhaupt – nur völlig ungerechtfertigte Strafzettel für vermeintliches Falschparken bekomme. Und an dem einzigen Unfall, an dem ich beteiligt war, hatte ich keine Schuld.

          Gute Werte – aber noch Luft nach oben

          Ich bin das, was sportliche Fahrer als wandelndes Verkehrshindernis bezeichnen: Ich fahre auch auf der Autobahn nie schneller als 100 Kilometer pro Stunde. Mein schlechtes Öko-Gewissen, weil ich überhaupt so viel fahre, drängt mich zu spritsparendem Verhalten. Als ich den Telematik-Sensor an meiner Windschutzscheibe befestigt und die App gestartet habe, war ich mir sicher: Ein Wert von 90 Punkten müsste mindestens drin sein. Wie habe ich mich getäuscht! Ich krebse bei etwa 72 Punkten herum. Da kann doch etwas nicht stimmen.

          Die Schuldige ist schnell gefunden: diese eine fiese Kurve direkt vor meiner Haustür, eine enge Serpentine mit abschüssiger Fahrbahn. Ganz egal, wie ich die Kurve fahre, ob mit 20 oder 60 Kilometern pro Stunde – die App findet immer was zu meckern. Nachdem ich die Kurve einige Tage lang regelrecht entlanggekrochen war und mir auch sonst nichts hatte zuschulden kommen lassen, erreichte ich einen Fahrwert von 83.

          Und dann das: Auf einer Ortsausfahrtsstraße machte ein älterer Herr ein unerlaubtes Wendemanöver auf meiner Fahrbahn, auf der ich mit den erlaubten 70 Kilometern pro Stunde nach Hause brauste. Ich musste auf die Bremse treten, um Schlimmeres zu verhindern. Meine App hat das nicht verstanden. Sie registrierte eine Vollbremsung, zog mir gleich mal 15 Punkte ab und ließ mich frustriert zurück. Das will ich nicht auf mir sitzen lassen. Immerhin steht in der Erklärung zum Telematik-Tarif auf der Internetseite des Versicherers, dass einzelne Ereignisse keine große Auswirkung haben. Klar, es gebe noch Schwächen, heißt es dort. Ich könnte mir meine Daten aber gerne genauer ansehen.

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