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Telematik im Auto : Vorbildliche Fahrer sparen Geld

Bis zur 30 Prozent Nachlass erhalten Autofahrer für vorbildliches Fahren. Bild: Marcus Kaufhold

Wer seinen Fahrstil überwachen lässt, bekommt von den Kfz-Versicherern Rabatt. Vorbildliche Autofahrer können so Geld sparen. Dieses Angebot hat jedoch auch seine Tücken.

          6 Min.

          Die Vermessung der Welt ist in vollem Gange. Wenn der Mensch steht, geht oder läuft, kann er seine Daten über ein Fitnessband und eine Gesundheits-App messen und abrufen und damit allerlei über sein körperliches Befinden erfahren. Und wenn der Mensch im Auto sitzt und schaltet und waltet, dann kann er über ein Kästchen in der Größe einer Streichholzschachtel oder übers Smartphone seine Fahrweise aufzeichnen lassen und, wenn er vorsichtig und vorausschauend unterwegs ist, dabei eine Stange Geld sparen. Bisher hatten sich die großen Kfz-Versicherer gescheut, ihren Kunden einen digitalen Beifahrer anzudienen, der jede Fahrbewegung aufzeichnet und sie zur Auswertung versendet. Nun allerdings legt ein Branchenriese nach dem anderen seine Zurückhaltung ab, wenn es darum geht, in der Kfz-Versicherung sogenannte Telematiktarife anzubieten.

          Thomas Klemm
          Sportredakteur.

          Idealerweise haben beide Seiten davon einen Vorteil: Der Versicherer motiviert den Autofahrer zu einer besseren Fahrweise und muss bestenfalls für weniger Unfallschäden aufkommen. Der Autofahrer seinerseits bekommt, wenn er sich vorbildlich verhält, satte Rabatte. „Es ist ein Einstieg in eine neue Ära“, sagt Per-Johan Horgby, Vorstand Privatkunden des Versicherers VHV Allgemeine AG. „Bisher haben wir den Autofahrer gefragt: Wer bist du? Jetzt fragen wir: Wie, wo und wann fährst du? Aus Risikosicht ist das eine gerechte Tarifierung.“

          Viele Punkte sind eine Auszeichnung

          Zunächst muss jeder Fahrer eine Hemmschwelle überwinden: Er muss in Kauf nehmen, dass sein Fahrstil rund um die Uhr durchleuchtet wird. Wer sich dafür entscheidet, der muss sich eine mehr oder weniger kleine Black Box im Auto installieren oder eine App auf sein Smartphone laden. Aufgezeichnet wird, wie schnell der Fahrer unterwegs ist, wie stark er beschleunigt oder bremst oder wie rasant er Kurven nimmt. Die Daten werden per Funk weitergeleitet und ausgewertet. Am Ende erhält der Autofahrer einen Score-Wert, der aus den Daten errechnet wurde. Dieser Wert geht in der Regel von 0 (sehr risikoreiche Fahrweise) bis 100 (sehr risikoarme Fahrweise). Viele gesammelte Punkte sind, anders als beim Flensburger Verkehrszentralregister, also eine Auszeichnung, die mit entsprechend hohem Rabatt belohnt wird.

          Der Score setzt sich bei den bisherigen Telematikanbietern ähnlich zusammen, die Kriterien werden aber mitunter verschieden gewichtet: Fahrweise und Geschwindigkeit werden sowohl bei der Sparkassen-Direktversicherung (S-Direkt), die schon seit dem vergangenen Jahr Telematiktarife anbietet, als auch künftig bei VHV deutlich stärker berücksichtigt als die Art der Straße (Stadt, Land oder Autobahn) und die Tageszeit. So werden bei der VHV künftig Tempo und Fahrstil jeweils doppelt so stark gewichtet wie die Art der Straße oder die Zeit. Wer nicht mit Rabatten rechnen kann, ist laut Horgby „der Raser, der Samstagnacht zu schnell in der Stadt fährt“.

          Diese Black Box gehört in den Zigarettenanzünder. Sie zeichnet das Fahrverhalten auf.
          Diese Black Box gehört in den Zigarettenanzünder. Sie zeichnet das Fahrverhalten auf. : Bild: VHV

          Weitgehend Abschied vom herkömmlichen Tarfisystem

          Die VHV ist das erste große Kfz-Versicherungsunternehmen, das seinen Kunden einen Telematiktarif anbieten wird. Vom 1. Oktober an können sie einen entsprechenden Vertrag abschließen, mit Beginn des nächsten Jahres wird er wirksam. Der Versicherungsverein aus Hannover, mit 2,5 Millionen Autos der viertgrößte deutsche Kfz-Versicherer, geht damit über das bisherige starre System hinaus, wonach ausschließlich Kriterien wie Wohnort, Unfallschäden und Marke, Alter und Laufleistung des Autos für die Prämie ausschlaggebend sind. Axa wird in wenigen Wochen, wenn ihre letzte Telematik-Testphase erfolgreich überstanden ist, ebenfalls Tarife anbieten, die das Fahrverhalten des Versicherten berücksichtigen.

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