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Telematik im Auto : Vorbildliche Fahrer sparen Geld

Freiheiten ermöglicht der Direktversicherer Axa demnächst seinen Kunden beim Telematikangebot. Haben die Fahrer die kostenfreie App „Axa DriveCheck“ heruntergeladen, können sie selbst entscheiden, welche Fahrten sie über das Smartphone erheben lassen. „Wir haben uns bewusst gegen die permanente Aufzeichnung von Daten über eine Blackbox entschieden“, sagt Daniel Schulze, Leiter Kraftfahrt bei Axa. Die Verbraucherschützer wird es freuen. Um allerdings in den Genuss von bis zu 15 Prozent Rabatt zu kommen, müssen Axa-Versicherte gewisse Mindestanforderungen erfüllen: Binnen zwölf Wochen müssen sie mindestens 40 Einzelfahrten zu jeweils mehr als drei Kilometern absolvieren; die gesamte Fahrstrecke muss 600 Kilometer überschreiten.

Das Axa-Angebot richtet sich allerdings nur an Fahrer, die höchstens 25 Jahre alt sind. Also jene, die relativ hohe Prämien zahlen. „In dieser Altersgruppe verzeichnen wir ein auffällig hohes Schadenaufkommen“, sagt Schulze. Axa konkurriert künftig mit der Signal-Iduna-Tochter Sijox, die schon seit dem vergangenen Jahr Telematiktarife für Fahrer unter 30 Jahren anbietet. Für einen bis zu 40-prozentigen Rabatt, den Sijox verspricht, müssen die jungen Fahrzeugführer aber mehrere Voraussetzungen erfüllen. Sie müssen sich nicht nur für den Telematiktarif entscheiden, sondern darüber hinaus in den Auto- und Reiseclub eintreten und eine umsichtige Fahrweise an den Tag legen.

„Wir wissen, was im Auto passiert, aber nicht, was vor dem Auto ist“

Vorbildliches Fahren, also langsam beschleunigen und gefühlvoll bremsen, ist schön und gut. Jedoch: Wie wird gewertet, wenn ein Fahrer urplötzlich gezwungen ist, auf die Bremse zu treten, weil ein Mensch oder Tier auf die Straße läuft? Oder wenn der Fahrer unvermittelt das Lenkrad herumreißen muss, weil ihm die Vorfahrt genommen wurde oder ein anderer Verkehrsteilnehmer unachtsam war? „Eine einmalige Notbremsung wird nicht stark gewichtet, sondern bedeutender ist, wenn ein Fahrer kontinuierlich stark beschleunigt und hart bremst“, sagt Horgby. Ausweichmanöver werden also als Ausnahme von der Regel erachtet.

Gleichwohl sind sich die Versicherer einer begrenzten Aussagekraft der ermittelten Daten bewusst: „Wir wissen, was im Auto passiert, aber nicht, was vor dem Auto ist“, so der VHV-Vorstand. Aber auch das stimmt nicht zu hundert Prozent. Denn selbst wenn ein Autofahrer regelmäßig vernünftig unterwegs ist, könnte sein Score nach oben schnellen: nämlich in jenem Fall, wenn er sein Auto beispielsweise von einem Familienmitglied steuern lässt, das zu einer riskanteren Fahrweise neigt. Dann werden auch diese schlechteren Daten übermittelt – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Score und den Prämienrabatt.

Es ist also zu erwarten, dass auf deutschen Straßen künftig mehr Disziplin herrscht. Wer dazu neigt, auf der Autobahn zu rasen und in der Stadt zu drängeln, der wird womöglich ins Grübeln geraten, wenn er für sein Verhalten hohe Prämien bezahlen muss. Entweder, er wechselt in einen Telematiktarif und passt seine Fahrweise an, um Geld zu sparen – oder er muss in den Alttarifen verbleiben, die künftig höher ausfallen dürften als bisher. Im besten Falle wird Deutschland zum Land der vorbildlichen Autofahrer.

Ob sich Telematiktarife flächendeckend durchsetzen? „Die Welt wird nicht darauf aufspringen, sondern sie werden sich langsam etablieren“, sagt Horgby. Und eine gewisse Zeit später könnten die Telematiktarife womöglich ironischerweise wieder unbedeutender werden. Wenn in Zukunft nämlich nur noch selbstfahrende Autos unterwegs sind, muss kein Fahrer mehr durchleuchtet werden.

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