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Telematik im Auto : Vorbildliche Fahrer sparen Geld

HUK-Coburg, mit zehn Millionen Fahrzeugen der Branchenführer unter den Kfz-Versicherern, Allianz als Nummer zwei (8,2 Millionen Autos) sowie Generali und Itzehoer stehen kurz vor Abschluss der entscheidenden Testphase und werden vom nächsten Jahr an nach und nach Telematiktarife einführen. Die Versicherer verabschieden sich zwar nicht völlig, aber ein gutes Stück weit vom herkömmlichen Tarifsystem. „Vieles, was wir bisher erfassen, ist sehr statisch und hat deswegen nur eine begrenzte Aussagekraft für die individuelle Risikoklasse“, sagt VHV-Vorstand Horgby.

Kritik: „Spion im Auto“

Manche Experten sehen die Entwicklung dennoch skeptisch. Sie kritisieren, dass zu viele persönliche Daten erhoben werden. Beispielsweise kann jederzeit nachvollzogen werden, wo sich der Fahrer aufhält. Sie prangern Telematik als „Spion im Auto“ an und befürchten den „gläsernen Fahrer“. Zudem, so mahnen Juristen, sei noch nicht geklärt, wem die Daten überhaupt gehörten. Die Autofahrer, die schon Telematiktarife haben, stört das alles wenig, wie eine Umfrage von S-Direkt unter ihren Versicherten ergab. 90 Prozent der Nutzer hätten gute bis sehr gute Erfahrungen gemacht.

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Der Konkurrenzkampf der Versicherer um den besten Autofahrer ist also entbrannt. Die Versicherer überbieten sich geradezu mit Rabatten, um Kunden für die neuen Tarife zu gewinnen und zu einer vorbildlichen Fahrweise zu animieren. Bis zu 30 Prozent Rabatt, so das Versprechen der VHV, könnten die besten Fahrer erhalten. S-Direkt wirbt mit bis zu 20 Prozent Rabatt, Axa stellt jungen Fahrern 15 Prozent in Aussicht. „Pay as you drive“ ist das Zauberwort, dem in den Vereinigten Staaten und verschiedenen europäischen Ländern seit langem viele Autofahrer folgen.

Black Box: Lebensretter und Helfer

Mit dem Einstieg der VHV als erster großer Kfz-Versicherer könnte auch hierzulande der Durchbruch gelingen. Doch lohnt sich das für den Kunden? Die kleine Black Box kostet 6,99 Euro im Monat. Für jemanden, der nur 200 Euro Prämie zahlt, erscheint es zunächst kaum ratsam, trotz möglicher Rabatte 84 Euro pro Jahr für das Kästlein auszugeben. Doch unabhängig von den möglichen Ersparnissen bieten sich den Fahrern durch die Telematik weitere Vorteile: Im Falle eines schweren Unfalls ruft der Sender Rettungskräfte herbei – die Black Box kann also womöglich über Leben oder Tod entscheiden. Bei Unfallschäden werden die Versicherer informiert. Sollte das Auto eine Panne haben, weist der Sender den Weg zur nächsten Vertragswerkstatt. Zu guter letzt dient manche Black Box auch als Parkplatzfinder oder als Diebstahlschutz.

Die S-Direkt, die Anfang 2014 als Erste Telematiktarife testweise für eine begrenzte Zahl von 1000 Fahrern anbot, prämiert auf Basis der Punktewerte und der gefahrenen Kilometer schon jetzt jeden Monat den „besten Fahrer“; die Sieger sollen als Vorbilder dienen – sie haben mindestens einen Score von 99. Dafür dürfen sie ein Quartal kostenlos fahren. „Viel- oder Wenigfahrer – alle haben die Chance auf den Titel“, sagt Jürgen Cramer, Vorstandsmitglkied bei S-Direkt. Für jeden Rabattjäger lohnt sich der Telematiktarif trotzdem nicht: 71,40 Euro im Jahr müssen zusätzlich zur „normalen“ Prämie berappt werden; 18,95 Euro sind es, wenn der bisherige Kfz-Versicherungsbeitrag 600 Euro übersteigt. Lohnenswert sind diese Telematiktarife also vor allem für junge Fahrer, die hohe Prämien zahlen, sowie Halter teurer Fahrzeuge.

Bedingungen bei Telematiktarifen

Genau rechnen müssen Kunden von S-Direkt auch bei einem anderen Angebot. Die Sparkassenversicherung hat mit dem Mobilfunkunternehmen O2 als Kooperationspartner die ersten Telematiktarife für alle eingeführt. Bevor der vorbildliche Fahrer, der regelmäßig auf einen Score von mindestens 66 kommt, allerdings 20 Prozent sparen kann, muss er erst mal in die Tasche greifen: Um das Telematikangebot zu nutzen, benötigt er die App „O2 Car Connection“. Sie kostet 99 Euro. Das bedeutet: Nur jene Fahrer, die mehr als rund 600 Euro Kfz-Versicherung bezahlen, profitieren von den Rabatten. Die App auf dem Smartphone erspart allerdings das schwarze Kästlein im Auto, das bei anderen Versicherern zum Telematikpaket gehört.

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