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Telefonschwindler : Bei Anruf Betrug

Die kriminelle Energie ist unerschöpflich: Das Bundeskriminalamt warnt vor gefälschten Anrufen, die den Opfern teuer zu stehen kommen können. Bild: mauritius images

Tarnen, täuschen und kassieren: Die Täter geben sich als Kriminalbeamte aus und fordern Geld. Das ist nur eine Masche von vielen, mit denen Opfer um Millionen Euro gebracht werden. Das BKA ist alarmiert.

          Betrüger sind findig und auch flink. Gerne tarnen sie sich bei ihren gesetzeswidrigen Vorhaben zudem mit einem offiziellen Rang und Namen oder sogar mit einer Uniform. Das macht auf viele der Betroffenen Eindruck und ist auf den ersten Blick oft nicht leicht zu entlarven. So warnt das Bundeskriminalamt (BKA) nun vor Telefonanrufen der besonderen Art, die die Geschädigten viel Geld kosten können.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Angebliche BKA-Beamte bäten Bürger um Mithilfe bei der Bekämpfung von Verbrechen, heißt es vom Bundeskriminalamt. Sie brächten ihre Gesprächspartner mit ausgeklügelten Geschichten dazu, ihnen mehrere tausend Euro zu überweisen – zum Beispiel angeblich, um kriminelle Zahlungsströme nachverfolgen zu können. Dabei geben die Betrüger eine Mobilfunktelefonnummer an und halten ihre erfundenen Identitäten sogar über mehrere Tage und Wochen hinweg aufrecht. Manche Opfer überwiesen dabei mehrfach größere Summen, erläutert das BKA. Irgendwann reißt dann der Kontakt ab. Das Geld ist weg.

          Eine solche Vorgehensweise ist offenbar kein Einzelfall. Das BKA geht aufgrund der Masse der Fälle und der Professionalität der Täter davon aus, dass die Taten banden- und gewerbsmäßig begangen werden. Vor allem in der jüngeren Zeit habe diese Art von Betrug zugenommen. Deswegen hat das Bundeskriminalamt nun auch eine entsprechende Warnung veröffentlicht. Viele Bürger hätten in Wiesbaden angerufen und nachfragt. Vor allem dadurch sei die Häufung der Fälle aufgefallen. Allein diese Anrufe ließen erahnen, wie groß die Dimensionen dieser Betrugsspielart tatsächlich sein müssen, sagt eine Sprecherin des BKA. Dabei reagieren die Täter offenbar so schnell auf polizeiliche Präventionsmaßnahmen, dass die Behörde zuständige Mitarbeiter öffentlich nicht namentlich nennt.

          Besonders ältere Menschen Opfer von Telefonbetrug

          Nach Angaben des BKA wird nur jeder fünfte bis siebte Fall von Telefonbetrug bei der Polizei angezeigt. Viele Opfer schämen sich, auf die Masche hereingefallen zu sein. Dabei verkaufen die Täter ihre Geschichten offenbar sehr eindrucksvoll und perfide. Andere Geschädigte wollen es einfach nicht wahrhaben, dass sie einem Betrüger aufgesessen sind.

          Das Bundeskriminalamt warnt eindringlich, dass sich Mitarbeiter deutscher Strafverfolgungsbehörden niemals mit einer direkten Geldforderung zur Unterstützung ihrer Arbeit telefonisch, schriftlich oder persönlich an die Bürger wenden würden. Man solle sich deswegen auf Forderungen nicht einlassen und keine Zahlungen leisten, auch wenn Druck ausgeübt werde oder mögliche staatliche Konsequenzen angedroht würden.

          Gerade ältere Menschen werden zunehmend Opfer von Telefonbetrug. Die Maschen wechseln ständig und zeigen eine unglaubliche Vielfalt. Einfach alles sei vorstellbar, sagt das BKA. Der Enkel- oder Neffentrick ist dabei eine der wohl bekanntesten Methoden der Betrüger. Hier geben sich die Anrufer bei den möglichen Opfern vorzugsweise als nahe Verwandte, zum Beispiel als Enkel, aus und bitten um Geld, weil diese sich angeblich – durch den Kauf eines Autos oder andere offene Rechnungen – in Geldnot befänden. Im ungünstigen Fall willigen die Opfer ein und geben einem Komplizen, der von dem vermeintlichen Enkel geschickt wurde, Geld. Oder sie überweisen es.

          Rund 1 Million Geschädigte

          Bei den Kriminellen beliebt sind laut BKA auch betrügerische Gewinnspiele oder Gewinnversprechen am Telefon. Die Anrufe erfolgen überwiegend aus Call-Centern in der Türkei. Dies sei aber von den Betroffenen nicht zu erkennen, da die Telefonnummern manipuliert und im Display deutsche Vorwahlen oder sogar die Pressestelle des BKA angezeigt würden, sagt eine Pressesprecherin des Bundeskriminalamtes. Das verleiht den betrügerischen Anrufen einen wahren Anstrich. Selbst wenn die Betroffenen zu ihrer Sicherheit einen einfachen Rückruf tätigen, würde der Betrug erst dann auffliegen, wenn sie nachfragen würden. Diese Fälle gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch im deutschsprachigen Ausland wie Österreich oder der Schweiz.

          Sei eine erste Zahlung erfolgt, müsse das Opfer damit rechnen, nochmals angerufen zu werden, heißt es vom BKA. Die Täter gäben sich sogar als Polizeibeamte oder Staatsanwälte aus und behaupteten, dass sich die Angerufenen durch die erste Zahlung strafbar gemacht hätten – zum Beispiel der Geldwäsche. Ein angeblich eingeleitetes Ermittlungsverfahren sei nur gegen eine weitere Zahlung schnell und unkompliziert abwendbar.

          Das BKA beziffert die Zahl der bis April 2014 insgesamt durch Telefonbetrug Geschädigten auf rund 1 Million, wobei es hier allein um Gewinnspiele ging. Der Schaden belief sich damals auf 117 Millionen Euro. Aktuellere oder umfassendere Zahlen gibt es derzeit nicht. Die Tendenz ist aber steigend. Und das ist nur eine Variante des Telefonbetrugs. Selbst die aktuelle Masche mit den BKA-Mitarbeitern ist nur Teil einer größeren Gruppe, in der Täter vorgeben, Polizeibeamte zu sein.

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