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Falsche BKA-Beamte : Neue Welle von Telefonbetrug

Tatwaffe Telefon Bild: dpa

Das Bundeskriminalamt warnt vor einer neuen Welle von Tätern, die sich am Telefon als Beamte der Behörde ausgeben und Geld, Wertgegenstände oder Kontodaten fordern.

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          Betrug kennt keine Grenzen, und er ist allgegenwärtig. Die findigen Täter nutzen dabei häufig gerade das Gute im Menschen und die Hilfsbereitschaft aus. Der berüchtigte Enkeltrick ist nur ein Beispiel. Das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden warnte nun am Montag vor einer neuen Welle von betrügerischen Anrufen im gesamten Bundesgebiet.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Betrüger haben es auf Zugangsdaten zu Konten, Bargeld oder andere Wertgegenstände ihrer Opfer abgesehen und nutzen hierfür einen scheinbar offiziellen Deckmantel. Sie geben sich als Beamte des BKA aus. Vor einem Jahr schon gab es eine ähnliche Häufung von Fällen, die für Aufsehen sorgten. Auch damals warnte das Bundeskriminalamt.

          Dein Enkel von der Polizei

          Doch nicht alle Bundesbürger sind gleichermaßen betroffen. Die Täter wendeten sich gezielt an ältere Menschen, weil sie auf deren Gutgläubigkeit hofften und darauf, deren Vertrauen in staatliche Institutionen ausnutzen zu können, heißt es vom BKA. Sie gingen sehr professionell vor, wobei der erste Kontakt mit dem Opfer meist telefonisch erfolge.

          Bei der als Enkel- oder Neffentrick bekannten Methode geben sich die Anrufer bei den potentiellen Opfern als nahe Verwandte wie Enkel aus und bitten um Geld, da sie sich angeblich in finanziellen Nöten befänden. Gern werden der Kauf eines Autos oder einer Immobilie als Gründe genannt. Vor allem aber schnell muss alles gehen. Ein Komplize des Anrufers holt später das Geld im Namen des Verwandten ab und verschwindet dann auf Nimmerwiedersehen.

          Die Tarnung scheint zumindest auf den ersten Blick perfekt. Denn in den aktuellen Fällen übermitteln die Täter die Telefonnummer des BKA mittels technischer Manipulation, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Gepaart mit einem überzeugenden Auftreten, gelingt es den Tätern immer wieder, viel Geld und Wertgegenstände zu ergaunern.

          Das Bundeskriminalamt warnt daher eindringlich: Mitarbeiter deutscher Strafverfolgungsbehörden würden sich nie mit einer direkten Geldforderung zur Unterstützung ihrer Arbeit telefonisch, schriftlich oder persönlich an Bundesbürger wenden. Man solle sich daher keinesfalls auf Forderungen einlassen oder Zahlungen leisten.

          Doch die Täter sind geschickt. Das wissen auch die Behörden. Deswegen warnen die Beamten des BKA zudem, dass die möglichen Opfer sich nicht verunsichern lassen sollten, auch wenn sie von den Betrügern unter Druck gesetzt würden und zudem mit möglichen staatlichen Konsequenzen gedroht werde.

          Vielmehr sollten sich die betroffenen Bürger Namen, Rufnummer und die Dienststelle des angeblichen Polizeibeamten notieren und sich damit umgehend an die örtliche Polizeidienststelle wenden, um Anzeige zu erstatten. Dies tun offenbar immer wieder Bundesbürger wie zu Jahresbeginn, als angebliche Bankmitarbeiter in Niedersachsen scheinbar gerade abgehobenes Falschgeld von zwei Seniorinnen aus Helmstedt abholen wollten. Doch diese schöpften ob dieser obskuren Geschichte Verdacht und alarmierten umgehend die Polizei.

          Gar nicht erst telefonieren

          Aber nicht immer reagieren die Betroffenen so prompt und richtig. Das BKA bittet denn auch die Angehörigen möglicher Opfer um Hilfe. Diese sollte mit Eltern, Großeltern oder anderen Verwandten über die möglichen Gefahren betrügerischer Anrufe sprechen. Ein guter Ratschlag: Für potentielle Opfer sei es der beste Schutz, sich erst gar nicht in ein Gespräch verwickeln zu lassen, sondern das Telefonat umgehend zu beenden. Dies sei keine Unhöflichkeit gegenüber potentiellen Betrügern. Doch gerade älteren Menschen, die höfliche Umgangsformen pflegen, dürfte dies nicht so leicht fallen.

          Bei Kriminellen beliebt sind laut BKA zudem Gewinnversprechen am Telefon, betrügerische Gewinnspiele oder intensive Telefonwerbung. Auch diese geschähen meist zum Nachteil älterer Bürger. Die Täter agierten ebenfalls bundesweit. Das BKA spricht hier von Callcenterbetrug. Seit dem Jahr 2008 sei es allein hierdurch zu einem Schaden von mehr als 132 Millionen Euro gekommen, gut 1,13 Millionen Personen seien geschädigt worden. Doch es sei von einem erheblichen Dunkelfeld auszugehen, die Anzeigenquote sei nur gering. Genauere Zahlen zu den Schäden durch Telefonbetrug gibt es jedoch nicht.

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