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Wegen Niedrigzinsen : Krankenversicherungen drohen mit Preiserhöhung

Beim Arzt. Bild: dpa

Die privaten Krankenversicherungen leiden unter den niedrigen Zinsen. Wenn das so weitergeht, könnten sie ihre Beiträge kräftig erhöhen.

          An Private Krankenversicherer haben Kunden hohe Erwartungen. Eine Frau wollte gern schwanger werden und brauchte dafür technische Hilfe. Sicherheitshalber ließ sie sich zwei Eizellen einfrieren. Die anschließende künstliche Befruchtung war allerdings sofort erfolgreich. Die Eizellen hat sie umsonst aufheben lassen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Und der Versicherer? Wollte nur die Befruchtung bezahlen. Die Frau beschwerte sich beim Ombudsmann der Privaten Krankenversicherung. Der löste das Problem: Auf seinen Schlichtungsvorschlag hin übernahm der Versicherer doch vollständig die Kosten der gesamten Behandlung.

          Solche Fälle beeinflussen die Wahrnehmung der PKV. Zwar sind solche Leistungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht üblich. Aber die privaten Unternehmen stehen unter einer besonderen Beobachtung, weil sie sich mit besseren Leistungen abheben wollen. Immerhin ist die Zahl der Beschwerden beim brancheneigenen Schlichter um 109 auf 5875 im vergangenen Jahr zurückgegangen.

          Zahl der Beschwerden nimmt ab

          Etwas weniger Streit um die medizinische Notwendigkeit, etwas mehr über Gebühren. Neben diesen beiden Gründen kommen auch Auseinandersetzungen über Vertragsauslegungen und über Heilmittel auf einen Anteil von mehr als einem Zehntel der Eingaben. Dagegen hat die Zahl der Beschwerden wegen Beitragserhöhungen deutlich abgenommen. Gerade noch 2,2 Prozent der unzufriedenen Kunden wandten sich deshalb an den Ombudsmann.

          Denn in den kommenden vier Jahren waren die Anpassungen kaum noch der Rede wert. Im Durchschnitt sind sie mit 3,4 Prozent deutlich geringer als im langjährigen Durchschnitt ausgefallen, wie die Ratingagentur Assekurata in einer aktuellen Branchenstudie errechnet hat. Die Ergebnisse der Versicherer lagen in den Jahren 2012 und 2013 auf dem höchsten Stand der vergangenen zwölf Jahre, 2014 dürften sie etwas gesunken sein.

          Weniger Abschlüsse, weniger Verlust

          Mehrere Faktoren spielten den Unternehmen zuletzt in die Hände: Die Leistungen haben sich kaum verteuert. In der Kapitalanlage profitieren sie noch von guten Verzinsungen aus der Vergangenheit. Und der kurioseste Grund: Weil sie so wenige Neukunden von einer privaten Police überzeugen können, sind die Abschlusskosten deutlich geringer ausgefallen als zuvor kalkuliert.

          Mit den daraus folgenden Überschüssen können die Versicherer die Beiträge ihrer Bestandskunden stabilisieren. Doch wie lange wird das noch so bleiben? Diese Frage dürften sich gesetzlich Versicherte in den kommenden Jahren wieder häufiger stellen. Denn durch ausbleibende Steuerzuschüsse an die GKV lässt sich leicht prognostizieren, dass die gerade erst wieder eingeführten Zusatzbeiträge in den kommenden Jahren steigen dürften.

          Ob aber die privaten Anbieter eine Alternative sind, hängt nicht nur von ihrem Leistungskatalog ab, den sie verbessert haben, nachdem sie der Europäische Gerichtshof zwang, gleiche Tarife für Männer und Frauen (Unisex) zu kalkulieren. Denn auch sie leiden erheblich unter dem Niedrigzins. Ihre durchschnittliche Nettorendite ist seit 2005 von 5,1 auf 4 Prozent zurückgegangen. Anders als Lebensversicherer dürfen sie nachträglich ihre Rechnungsgrundlagen verändern.

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