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Vorsorge : Die beste Krankenversicherung fürs Alter

Sind Chefarztbehandlung und Einzelzimmer noch drin? Bild: dpa

Eine private Versicherung kann im Alter teuer werden. Davor bewahren spezielle Tarife. Was Verbraucher bei der Auswahl beachten müssen.

          Am Anfang ist eine private Krankenversicherung traumhaft. Sie bietet in der Regel mehr als die gesetzlichen Kassen und kostet auch noch deutlich weniger. Leider bleibt das nicht immer so. Spätestens im Ruhestand ist die Private teurer als die Kasse. Teilweise müssen dann Beiträge von 1000 Euro im Monat bezahlt werden. Das überfordert viele Versicherte.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Um das zu vermeiden, raten Experten immer wieder, das Geld, das die Versicherten in jungen Jahren beim Beitrag im Vergleich zur gesetzlichen Kasse sparen, nicht einfach auszugeben. Sie sollten es stattdessen für den Ruhestand zurücklegen, um damit den späteren Beitragsanstieg zu dämpfen. Doch die meisten tun das nicht. Viele Versicherer haben sich daher einen Tarif ausgedacht, der ihren Kunden dabei helfen soll. Er heißt etwas sperrig Beitragsentlastungstarif oder Tarif mit Beitragsentlastungskomponente. Er kann attraktiv sein.

          Bei diesem Tarif zahlen die Kunden von Anfang an freiwillig mehr ein. Das Geld legt der Versicherer sehr risikoarm an und nutzt die Ersparnisse, um die Beiträge im Ruhestand zu reduzieren. Der Kunde darf den Beginn der Auszahlung in der Regel selbst bestimmen. Meist liegt der Zeitpunkt zwischen 60 und 70 Jahren. Der Beitrag wird nicht nur so lange gesenkt, bis die angesparten Gelder aufgebraucht sind, sondern darüber hinaus bis zum Tod. Der Tarif ähnelt damit einer privaten Rentenversicherung.

          Aber es gibt einige Unterschiede. Der Versicherte zahlt den freiwilligen Zusatzbeitrag auch im Ruhestand weiter bis zu seinem Tod. Besonders attraktiv wird der Tarif dadurch, dass sich der Arbeitgeber zur Hälfte daran beteiligen muss. Dadurch lohnt sich das Angebot eher für Arbeitnehmer und nicht für Selbständige. Zudem sind die Beiträge von der Steuer absetzbar. Die Erträge aus diesem Tarif sind zudem anders als bei einer Rentenversicherung steuerfrei.

          Kunde bestimmt Beitragsrabatt im Alter selbst

          Wie hoch der Beitragsrabatt im Ruhestand ausfällt, bestimmt der Kunde selbst. Wer dann 100 Euro weniger Beitrag im Monat zahlen will, muss davor je nach Anbieter etwa 20 bis 30 Euro mehr Beitrag bezahlen, wenn er 30 Jahre alt ist, wie eine Auswertung des Analysehauses Morgen & Morgen für die F.A.S. zeigt. Je später man beginnt, umso teurer wird es. Mit 50 Jahren kann es schon das Doppelte kosten. Es empfiehlt sich, den Entlastungstarif gleich bei Abschluss der Versicherung zu vereinbaren. Danach ist das oft nicht mehr so leicht.

          Die meisten Tarife ermöglichen sogar, den normalen Beitrag im Alter (allerdings nicht den Beitrag für die Entlastungen) auf null Euro zu reduzieren. Das ist aber oft gar nicht nötig. Da die Rentenkasse bei Arbeitnehmern weiterhin Zuschüsse zur Krankenversicherung leistet, reicht auch eine geringere Absicherung. Es ist möglich, die Summe, um die der Beitrag im Alter reduziert wird, mit jeder allgemeinen Beitragserhöhung ansteigen zu lassen (dynamischer Tarif). Dann muss aber auch schon in früheren Jahren immer mehr freiwillig dazugezahlt werden. Jeder muss selbst prüfen, ob dafür finanzieller Spielraum bestehen wird.



          Ob sich der Tarif lohnt, hängt von einigen Faktoren ab. Zum Beispiel, wie teuer die Krankenversicherung ist. Denn der Arbeitgeber bezuschusst nur so viel, wie er maximal für einen Kassenversicherten bezahlen müsste. Derzeit sind das 317 Euro. Der Beitrag darf also 635 Euro nicht übersteigen, sonst wird der zusätzliche Beitragsentlastungstarif vom Arbeitgeber nicht bezuschusst. Bei hohen Beiträgen kann auch steuerlich nichts mehr zusätzlich abgesetzt werden. Freiwillig aufstocken lohnt sich also für junge Versicherte, die nicht für Kinder mitbezahlen müssen. Und die nicht in die gesetzliche Kasse zurückwollen. Denn dann sind die zusätzlich bezahlten Beiträge in Gefahr. „Manche, aber nicht alle Versicherer, ermöglichen die Umwandlung in eine private Zusatzversicherung etwa für Zahnbehandlungen, die dadurch billiger wird. Aber nicht jeder braucht die“, warnt Rita Reichard von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

          Am lukrativsten ist es aber, auf die Spezialtarife zu verzichten und die in jungen Jahren gesparten Beiträge in Aktien-Indexfonds (ETF) etwa auf den Dax kostengünstig anzulegen. Die warfen bisher nach Steuern durchschnittlich sechs Prozent ab und sind bei einer Anlagedauer von 20 oder 30 Jahren ohne Risiko. Wer sich das trotzdem nicht traut, kann die Entlastungstarife wählen. Das ist besser, als das Geld auf einem Tagesgeldkonto versauern zu lassen oder, wie die meisten, gar nichts zurückzulegen.

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