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Private Krankenkasse : So können Privatpatienten Geld sparen

Ein Wechsel der privaten Krankenkasse kann sich lohnen. Bild: dpa

Wer den Tarif in der privaten Krankenkasse wechselt, zahlt bis zu 200 Euro weniger im Monat - und muss auf nichts verzichten.

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          Ein paar Wochen noch, dann wird wieder heftig geklagt werden: Jedes Jahr, gewöhnlich im Dezember, kommt der große Aufschrei unter den privat Krankenversicherten. Dann steigen die Beiträge - manchmal gleich um zehn Prozent. Der Gesundheitsschutz wird unbezahlbar, heißt es dann gerne.

          Dyrk Scherff
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mal abgesehen davon, dass die Prämien nicht jedes Jahr so stark steigen: Vielen Versicherten ist nicht klar, dass sie in einem anderen Tarif deutlich niedrigere Beiträge zahlen müssten, ohne auf Leistungen verzichten zu müssen. Mehr als 200 Euro im Monat kann das sparen. Dass sie das nicht wissen, ist nicht überraschend - die Versicherer hüten sich schließlich davor, ihre Kunden darauf hinzuweisen. Schlimmer noch: Wenn ein Kunde einen Tarifwechsel will, wird sein Wunsch gerne auch einmal nicht bearbeitet, wird er nicht zurückgerufen oder bisweilen sogar behauptet, dass ein Wechsel große Gefahren bedeute. Spätestens dann geben die meisten auf, und der Versicherer freut sich.

          Jetzt geloben die Gesellschaften Besserung. Die Öffentlichkeit und professionelle externe Tarifoptimierer setzen die Branche unter Druck. In einer freiwilligen Vereinbarung haben sich nun in der vergangenen Woche fast alle Versicherer (knapp 90 Prozent des Marktes) verpflichtet, Wechselanträge in 15 Arbeitstagen zu beantworten und den Wechsel innerhalb eines Monats zu ermöglichen. Vom 55. Lebensjahr an wollen die Versicherer über Tarifoptionen informieren. Anfang 2016 sollen die Regeln bindend sein.

          Möglich ist der Tarifwechsel freilich schon jetzt. Am meisten spart, wer auf Leistungen verzichtet. Das ergibt aber nur bei übertriebener, luxuriöser Absicherung Sinn. Die meisten werden bei ihren einmal gewählten Leistungsversprechen bleiben wollen. Auch sie können sparen. Auf zwei Wegen.

          Spartrick: gleiche Leistungen, aber höheren Selbstbehalt vereinbaren

          Der Erste nutzt aus, dass es bei einigen Versicherern mehrere Tarife mit ungefähr dem gleichen Leistungsspektrum gibt: die alten, vor vielen Jahren aufgelegten und jetzt geschlossenen Tarife. Und jüngere, die vor allem die Neukunden locken sollen. Sie sind oft günstiger. In diese dürfen auch Altmitglieder wechseln. Um das unattraktiv zu machen, konstruieren die Versicherungen die neuen Tarife immer ein bisschen anders als die bisherigen und bieten bei einer Leistung mehr als früher an. So zwingen sie die Wechsler zu einer Gesundheitsprüfung. Da viele von ihnen schon etwas älter sind, haben sie mittlerweile Vorerkrankungen. Die führen nach der Prüfung zu Risikoaufschlägen und Ausschlüssen - der Wechsel wird unattraktiv. Ziel erreicht. Daher ergibt ein solcher Wechsel nur für gesunde Mitglieder Sinn.

          Alle Kunden können hingegen den zweiten Spartrick nutzen: gleiche Leistungen, aber einen deutlich höheren Selbstbehalt vereinbaren. Das heißt, sie zahlen zum Beispiel nicht nur 100 Euro, sondern 1000 Euro oder noch mehr jedes Jahr selbst, bevor sie Rechnungen einreichen. Was nach viel Geld klingt, lohnt sich auf jeden Fall. Denn der Beitrag kann dadurch im Monat um mehr als 200 Euro niedriger ausfallen, wie eine Auswertung des Analysehauses Morgen & Morgen für diese Zeitung ergibt. Die Ersparnis ist viel größer als die mögliche Belastung durch den Selbstbehalt, selbst wenn der voll fällig wird. Und man hat die Chance, in einem weitgehend krankheitsfreien Jahr deutlich weniger zahlen zu müssen. Wer die Versicherung mal gar nicht braucht, profitiert sogar von einer Beitragsrückerstattung. Tarife mit hohem Selbstbehalt werden in der Regel nicht so stark angehoben, weil weniger Leistungen in Anspruch genommen werden.

          Bild: F.A.Z.

          Das Ganze funktioniert aber nur, wenn der Kunde die Disziplin hat, das so eingesparte Geld nicht auszugeben, sondern es zur Seite oder auf ein verzinstes Tagesgeldkonto zu legen, damit es zur Verfügung steht, wenn der Selbstbehalt fällig wird. Der Tarifwechsel innerhalb einer Gesellschaft hat den Vorteil, dass die bereits angesparten Rückstellungen für das Alter in den neuen Tarif mitgenommen werden dürfen. Bei einem Wechsel des Anbieters verfallen sie. Aber selbst das kann sich lohnen, weil manchmal die gesparten Beiträge noch höher sind. Bis 2016 muss also niemand warten.

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