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Zusatzvorsorge : Die Pflegelücke kann jeder selbst schließen

Im Alter auf Hilfe angewiesen - gerade, wenn man im Rollstuhl sitzt. Bild: Picture-Alliance

Die gesetzliche Pflegeversicherung ist nicht mehr als eine Teilkaskoabsicherung. Deshalb empfiehlt sich eine Zusatzvorsorge. Viele schrecken davor aber zurück, weil sie hohe Beitragskosten vermuten.

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          Ob man im Alter zum Pflegefall wird, lässt sich ganz gut durch statistische Wahrscheinlichkeiten ausdrücken. Wie lange man Unterstützung braucht, ist auch durch Daten belegt. Zudem ist den meisten Deutschen bekannt, dass die gesetzliche Pflegeversicherung immer nur für einen Teil der Kosten aufkommt, so dass eine zusätzliche finanzielle Absicherung sinnvoll sein könnte. Um es durch Zahlen auszudrücken: Nach Daten des Pflegereports der Krankenkasse Barmer GEK betrug im Jahr 2015 die durchschnittliche Pflegedauer 6,7 Jahre. Ende 2018 war jeder zweite Deutsche über 85 Jahren pflegebedürftig, drei Viertel von ihnen wurden zu Hause unterstützt, fast die Hälfte ließ sich dem Pflegegrad 2 zuordnen, rund ein Viertel dem Pflegegrad 3.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Es gibt also eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Pflegefall eintritt – und dass er auch etwas länger dauern wird. So ist es nicht überraschend, dass 46 Prozent der Befragten in einer Allensbach-Umfrage aus dem vergangenen Jahr angaben, in Sorge zu sein, dass sie nicht ausreichend für den Pflegefall vorgesorgt haben, unter Senioren über 60 Jahren lag dieser Anteil sogar bei 58 Prozent. Diese Umstände aber haben nicht dazu geführt, dass mehr Menschen eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen haben. Die Nettozuwächse in dieser Sparte der privaten Krankenversicherer sind sogar in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Laut der Allensbach-Befragung könnte das daran liegen, dass die finanzielle Belastung unterschätzt wird. Jeder Zweite gab als Hauptgrund gegen den Abschluss an, die Kosten dafür seien zu hoch. „Allerdings schätzen die meisten Befragten die Beiträge zu einer Pflegezusatzversicherung deutlich zu hoch ein“, schreibt die Ratingagentur Assekurata in einer soeben fertiggestellten Studie zu dem Thema.

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