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Niedrigzinsen : Renditen von Lebensversicherungen schmelzen dahin

Sitz der Debeka-Versicherung in Koblenz: Der FC Bayern unter den Lebensversicherern. Bild: dpa

Wegen des anhaltenden Niedrigzinses werfen Kapitallebensversicherungen immer weniger ab. Allerdings trifft der Trend die Kunden nicht gleichermaßen.

          Der Map-Report ist eine Vergleichsanalyse, die man erfinden müsste, wenn es sie nicht schon gäbe. Im vergangenen Jahr starb ihr Begründer Manfred Poweleit, ein gelernter Wirtschaftsjournalist. Danach war es für eine kurze Zeit fraglich, ob die regelmäßigen Zahlenvergleiche aus der Versicherungsbranche weiter erscheinen können. Inzwischen hat der Verlag Versicherungsjournal das Weiterleben des Reports sichergestellt.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Der jährliche Bericht über die tatsächlichen Auszahlungen von Kapitallebensversicherungen aus einem fiktiven Vertrag ist besonders aufschlussreich. Am Dienstag wurde diese Leistungsschau der Branche veröffentlicht. In der Welt des Fußballs entspräche der Report der Bundesliga-Tabelle nach dem 34. Spieltag. Und die Rolle, die dort der FC Bayern München als Rekordmeister spielt, hat hier der Dauersieger Debeka übernommen.

          Das Koblenzer Unternehmen hat für abgelaufene Verträge mit 12, 20 und 30 Jahren jeweils die höchsten Auszahlungen geleistet. Wer seit 1985 Jahr für Jahr 1200 Euro (also insgesamt 36.000 Euro) eingezahlt hätte, wäre Ende vergangenen Jahres auf eine Ablaufleistung von 93.369 Euro gekommen. Das wären gut 27.000 Euro mehr gewesen als beim Tabellenschlusslicht: der Gothaer.

          Viele scheuen Transparenz

          Doch anders als in der Bundesliga sind die hinteren Plätze in diesem Vergleich nicht für die Absteiger reserviert. Denn bedauerlicherweise beteiligen sich immer weniger Versicherer an der Leistungsschau. Nur noch 40 von 64 Anbietern, die noch Kapitallebensversicherungen im Neugeschäft anbieten, haben sich messen lassen.

          Es ist zu vermuten, dass gerade die Versicherer mit den geringsten Leistungen die Transparenz gescheut haben – und das umso mehr, je stärker die Niedrigzinssituation ihr Geschäftsmodell in Frage stellt. „So können die Gothaer und die Axa auch nicht als die Verlierer des Tests angesehen werden“, schreibt Map-Analyst Rainer Klages in seinem Report. Zudem können die Vergangenheitswerte nur bedingt etwas über die wahrscheinliche künftige Entwicklung aussagen.

          Wie eine Bundesligatabelle, die viele interessante Informationen etwa über die Offensivstärke einer Mannschaft in fremden Stadien in sich trägt, lohnt sich auch beim Map-Report der Blick in die Details. Im Branchendurchschnitt hat sich die Ablaufleistung im Vergleich zu denen vor einem Jahrzehnt um 27.000 Euro verschlechtert. Die durchschnittliche Rendite auf die eingezahlten Beiträge verringerte sich von 6,3 Prozent auf 4,68 Prozent.

          Schwierige Lage – außergewöhnliche Rendite

          Der Niedrigzins trifft die Versicherer aber beileibe nicht alle gleichermaßen. Besonders bemerkenswert ist das Ergebnis der Europa-Versicherung, der Direktversicherungstochter der Continentale. Lag sie noch im Jahr 2003 mit einer Beitragsrendite von 5,9 Prozent unter dem Marktdurchschnitt von 6,01 Prozent, hat sie die Wettbewerber seither kontinuierlich hinter sich gebracht. Ende 2014 lag sie mit einer Rendite von 5,52 Prozent um 0,84 Prozentpunkte über dem Marktdurchschnitt.

          Kam ein Kunde vor elf Jahren noch auf eine Ablaufleistung von 98.749 Euro, sind es auf dem vorläufigen Höhepunkt der Niedrigzinsphase gerade einmal 6635 Euro weniger. Eine ähnliche Entwicklung hat die Cosmos genommen, die Direktversicherung der Generali. Lag sie im Jahr 2003 nur 0,17 Prozentpunkte über der Branche, hat sie diese inzwischen auf 0,74 Prozentpunkte distanziert. Die R+V Versicherung hat den Abstand zum Branchenschnitt innerhalb von zwei Jahren von 0,12 auf 0,29 Prozentpunkte ausgebaut. Offenbar ist es einigen Kapitalanlegern in der Branche gelungen, trotz der schwierigen Bedingungen außergewöhnliche Leistungen zu erzielen.

          Allianz rutscht unter den Durchschnitt

          Ebenfalls aufschlussreich ist ein genauerer Blick auf den Marktführer. In Zeiten der Krise vertrauen viele Kunden auf die Angebote der Allianz. Schaut man allerdings nur auf die nackten Zahlen, ist man darüber erstaunt. Lag die Stuttgarter Lebensversicherungsgesellschaft von Europas größtem Versicherer in den vergangenen Jahren immer ein gutes Stück über den Wettbewerbern, fiel sie mit 4,33 Prozent nun erstmals unter den Marktdurchschnitt von 4,68 Prozent. Konkret bedeutet das, dass ein Kunde, der vor elf Jahren noch 105.180 Euro ausgezahlt bekommen hätte, nun nur noch 74.246 Euro erhielte.

          Vergleich der Versicherer: Debeka schneidet am besten ab.

          Kapitallebensversicherungen waren einst das beliebteste Produkt der Branche. Sie kombinieren die Altersvorsorge mit der Absicherung im Todesfall und verkauften sich lange Zeit vor allem deshalb gut, weil die Auszahlungen steuerlich viel besser behandelt wurden als andere Anlageprodukte. Anfang des Jahrtausends wurden diese Privilegien aufgehoben.

          Steuerlich begünstigt sind seither Versicherungen, die eine monatliche Rentenzahlung beinhalten und eine bestimmte Mindestlaufzeit haben. Damit hat die damalige Bundesregierung einen Trend hin zur privaten und geförderten Rentenversicherung initiiert. Inzwischen ist nur noch jeder zwölfte Lebensversicherungsvertrag eine kapitalbildende gemischte Lebensversicherung.

          Besser Debeka versichert

          Anders als im Fußball, wo die deutsche Bundesliga in den vergangenen Jahren deutlich an Attraktivität gewonnen hat, sinkt das Niveau in der Leistungsschau der Versicherer stetig. Die Auszahlungen in 12 Jahre laufenden Verträgen deuten an, wohin die Reise auch für längerfristige Verträge künftig gehen wird. Denn ihnen fehlen die Jahre mit hohen Verzinsungen der Achtziger und Neunziger.

          Mit Laufzeiten von 12 Jahren haben sich die Beiträge jährlich nur noch mit 2,88 Prozent verzinst. Auf eine Einzahlung von 14.400 Euro folgte eine Auszahlung von 17.406 Euro. Und auch hier hatte die Wahl des Versicherers einen entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis: Wer bei der Debeka abgeschlossen hat, erhielt 3166 Euro mehr als jemand, der sich für die Axa entschieden hat.

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