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Niedrigere Überschüsse : In der Lebensversicherung wackelt die Vier vor dem Komma

Was auf Kleine Großes einstürmen kann: Wohl kaum die Verzinsung in der Lebensversicherung, denn die muss der Marktführer Allianz senken Bild: dpa

Nächstes Jahr sollen die Überschüsse der Lebensversicherungen weiter sinken. Marktführer Allianz garantiert seinen Kunden bisher noch vier Prozent, andere bieten bereits Policen ohne Garantiezins an.

          Lebensversicherungskunden müssen sich im kommenden Jahr auf niedrigere Überschüsse einstellen. Das dürfte eigentlich niemanden überraschen in einem Kapitalmarktumfeld, in dem sich das Zinsniveau für zehnjährige Bundesanleihen seit Jahresanfang von 1,9 Prozent auf 0,7 Prozent mehr als halbiert hat und in dem mittelständische Unternehmen für ihre Bankeinlagen heute schon Strafzinsen bezahlen.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Auch die Allianz Deutschland AG, bei Lebensversicherungen mit großem Abstand Marktführer, hat am Mittwoch bekanntgegeben, die laufende Verzinsung auf den Sparanteil ihrer klassischen Policen von 3,6 auf 3,4 Prozent zu senken. Hinzu kommen ein Schlussüberschuss und ein Sockelbetrag für die Beteiligung an den Bewertungsreserven von unverändert 0,6 Prozent, so dass die Allianz ihre Mitteilung überschreiben darf, dass „die Vier vor dem Komma“ stehe.

          Möglich sei dies aufgrund der eigenen Finanzstärke, sagte Alf Neumann, Privatkundenvorstand der Allianz Leben, dieser Zeitung. „Wir haben uns in unserer Kapitalanlage früh auf die Niedrigzinsphase vorbereitet und sind nicht auf zehnjährige Bundesanleihen angewiesen.“ Tatsächlich investiert die Allianz immer stärker in Aktien, Immobilien oder auch Infrastruktur, die eine höhere Rendite versprechen. Wie bei anderen Versicherern auch, laufen jedoch in den Beständen der Allianz die hochverzinslichen Anlagen aus früheren Zeiten aus. Im Durchschnitt legt der Versicherer inzwischen nur noch zu 3,5 Prozent neu an.

          Einige Versicherer bieten bereits Policen ohne Garantiezins an

          Mit der jetzt bekanntgegebenen Verzinsung steht die Allianz im Vergleich der Lebensversicherer, die ebenfalls schon früh deklariert haben, im Mittelfeld: Außer der Ideal Lebensversicherung, die in der laufenden Verzinsung unverändert die Vier vor dem Komma anbietet, liegen die meisten Wettbewerber unter dieser Schwelle. Manche recht deutlich, wie die Alte Leipziger mit 3,05 Prozent, manche im Mittelfeld, wie die Neue Bayerische Beamten Lebensversicherung mit 3,6 Prozent. Doch in der Branche wird damit gerechnet, dass andere Lebensversicherer demnächst deutlich schwächere Verzinsungen offenlegen werden.

          Gerade erst hat die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa davor gewarnt, dass jeder vierte Versicherer Schwierigkeiten haben dürfte, seinen Verpflichtungen nachzukommen, sollten die Zinsen dauerhaft so niedrig bleiben wie im Moment. Betroffen sind vor allem deutsche Versicherer, die ihren Kunden langjährige Zusagen gemacht haben – über Policen nach dem Garantiezinsmodell. Der Garantiezins ist in den vergangenen Jahren mehrfach gesenkt worden und soll im neuen Jahr nur noch 1,25 Prozent betragen. Vor einigen Jahren hatte die Branche ihren Kunden aber noch 4 Prozent versprochen und kann diese Rendite mit als sicher geltenden Staats- und Unternehmensanleihen nicht mehr erwirtschaften. Inzwischen bieten einige Versicherer Policen ohne Garantiezins an. Marktführer Allianz lockt Kunden mit einer um 0,3 Prozent höheren Überschussbeteiligung. Und hat Erfolg: Im November verkaufte sie mehr als 8000 solcher Verträge mit variabler Verzinsung.

          Die Assekuranz macht für die missliche Lage die Europäische Zentralbank verantwortlich, die den Leitzins auf beinahe null gesenkt hat. „Die Kollateralschäden dessen, was die Zentralbanken derzeit in Europa unternehmen, sind groß“, beklagte sich jetzt Nikolaus von Bomhard, Chef des Rückversicherers Munich Re.

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