https://www.faz.net/-hbv-7yf02

Neue Tarife : Der Krankenkassen-Check

  • -Aktualisiert am

Bild: Illustration SIS

Seit dem 1. Januar gelten in der Gesetzlichen Krankenversicherung neue Tarife. Der allgemeine Beitragssatz wurde gesenkt, doch aufgrund von Zusatzbeiträgen zahlen viele Versicherte mehr als vorher.

          4 Min.

          Bewegung finden Krankenkassen gut. Es sei denn, sie findet in den Mitgliederzahlen statt und ihnen kommen dadurch Beitragszahler abhanden. Genau das könnte bald etlichen gesetzlichen Kassen passieren. Denn seit dem 1. Januar sind die gesetzlichen Krankenkassenbeiträge gesunken. Das hielten die meisten Versicherten für eine gute Nachricht. Schließlich vermeldete der Gesetzgeber, dass der vom Lohn einbehaltene Beitrag von 15,5 Prozent auf 14,6 geschrumpft ist. Doch weniger zahlen die allermeisten Mitglieder nun trotzdem nicht an ihre Kassen. Einige sogar mehr. Denn neuerdings können die Gesetzlichen auch selbst festlegen, ob sie über die 14,6 Prozent hinaus einen Zusatzbeitrag verlangen – und das tun fast alle der 124 Kassen.

          Bisher war es die große Ausnahme, wenn Krankenversicherer einen Extrabeitrag kassierten, weil sie mit dem Geld nicht hinkamen. In diesem Jahr wird es zur Regel: Alle bis auf zwei Kassen verlangen mehr als 14,6 Prozent, einzig die BKK Euregio und die Metzinger BKK bescheiden sich mit der gesetzlichen Quote. Nun gehen viele Kassen zwar nur auf Nummer Sicher und fordern 0,9 Prozent zusätzlich, also in Summa 15,5 Prozent wie bisher. So machen es insgesamt 50 Unternehmen, darunter vor allem die mitgliederstarken Kassen.

          So wird die vermeintliche Beitragssenkung zum Nullsummenspiel für Versicherte. In den Briefen der Kassen an ihre Kunden klingt das freilich positiver, da brüsten sie sich, die Beitragssätze „stabil zu halten“. Acht Anbieter nutzen die Gelegenheit und kassieren mehr: Wieland BKK (15,7 Prozent), IKK Südwest, Heag BKK, BKK Pfalz, BKK Family, BKK Braun-Gilette und Vereinigte BKK (jeweils 15,8 Prozent). Die Brandenburgische BKK verlangt sogar 15,9 Prozent und ist aktuell die teuerste gesetzliche Kasse.

          Sonderkündigungsrecht macht das Wechseln einfacher

          Spannender aus Kundensicht sind aber diejenigen, die nun tatsächlich weniger verlangen als zuvor. Immerhin bei 65 von 124 Kassen liegen die Beiträge nun unter 15,5 Prozent. Wenn auch oft nur sehr knapp. Überdies sind es mehrheitlich extrem kleine Unternehmen, regional tätige oder betriebsgebundene. In Eurobeträgen jedenfalls machen auch ein paar Zehntelprozent eine ganz schöne Ersparnis aus: Ein Gutverdiener mit einem Bruttomonatsgehalt von 4125 Euro (alles darüber wird zur Ermittlung des Beitrages ohnehin nicht herangezogen) kann rund 600 Euro pro Jahr sparen, wenn er von der teuersten Kasse seiner Region in die günstigste wechselt. Selbst Normalverdiener mit 2500 bis 3500 Euro Gehalt hätten 300 bis 400 Euro jährlich mehr in der Tasche, wenn sie sich von einer durchschnittlichen Kasse verabschieden und eine günstige wählen. Vor allem Hamburger, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberger haben großes Sparpotential, weil hier sehr günstige regionale Versicherer tätig sind.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Am Rande der Demonstration der Initiative „Querdenken“ in Konstanz am 4. Oktober.

          Corona-Politik : Die Aerosole der Freiheitsapostel

          Corona fordert den Gemeinsinn heraus. Das funktioniert erstaunlich gut. Gefährdet wird dieser Erfolg aber durch einen falschen Begriff von Freiheit.
          Wie reagieren die Märkte, wenn Donald Trump weitere vier Jahre die Vereinigten Staaten regiert?

          Bei Trumps Wahlsieg : Der Crash fällt aus

          Wie werden die Märkte auf das Wählervotum reagieren, wenn Trump abermals gewinnt? Experten erwarten keinen Crash, Anleger können sich aber absichern. Die Vermögensfrage.
          Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier

          Kreative Branchen : Altmaier macht Tempo bei neuen Corona-Hilfen

          Der Wirtschaftsminister verteidigte unter anderem seine Forderung nach einem Unternehmerlohn für Selbständige und Freiberufler. Das habe „nicht zu tun mit einem bedingungslosen Grundeinkommen“. Auch zur Wachstumsprognose der Regierung für 2021 äußerte er sich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.