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Neue Tarife : Der Krankenkassen-Check

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Bild: F.A.Z.

Und Wechseln ist einfacher als gedacht: Erhebt die jetzige Kasse erstmals einen Zusatzbeitrag, haben Kunden ein Sonderkündigungsrecht. Vorausgesetzt, sie sind länger als 18 Monate dort Mitglied. Ein Brief an die Kasse bis zum 31. Januar mit der Bitte um schriftliche Kündigungsbestätigung reicht. Diese Bestätigung schickt man inklusive Aufnahmeantrag an die neue Krankenkasse. Deren Schreiben über die Neuaufnahme wiederum bekommt die alte Kasse. Vergleichsportale wie www.gesetzlichekrankenkassen.de bieten sogar einen Wechselservice an. Und keine Panik, wenn der Schriftverkehr dauert: Man kann die alte Versichertenkarte weiterbenutzen, die Kassen regeln das untereinander.

Auch auf die Zuzahlungen kommt es an

Doch sollte niemand vorschnell zum billigsten Anbieter hüpfen. Zum einen warnen Gesundheitsökonomen wie Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen, dass einige Minitarife nur Köder sein könnten, mit denen kleinere Kassen auf Kundenfang gehen. Schon 2016 werden wohl viele Kassen ihre Zusatzbeiträge anheben. 2017 könnte der Gesamtbeitrag flächendeckend bei 16,3 Prozent liegen. Zum anderen entscheidet nicht nur der Preis über die Qualität.

Es sind vor allem der Service und die Zusatzleistungen, die sich für die Versicherten auszahlen: Bietet eine Kasse eine 24-Stunden-Hotline und hilft sie, schneller Facharzttermine zu bekommen? Zahlt sie zum Zahnersatz mehr Geld dazu, oder sponsert sie Hörgeräte, Haushaltshilfen bei Krankheit, Naturheilkundeverfahren, Reiseimpfungen oder zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen? Vor allem große Kassen zeigen sich hier oft großzügig. Das rechtfertigt auch höhere Tarife. Wer als Versicherter weiß, welche der 70 möglichen Zuzahlungen ihm besonders wichtig sind, kann sie auf Vergleichsportalen anklicken und bekommt gezeigt, was die aktuelle Kasse übernimmt – oder ob eine andere besser wäre.

Lohnt sich der Bonus?

Zudem sollte man prüfen, welche Bonusprogramme und Wahltarife eine Kasse bietet. Bonus heißt: Nimmt ein Mitglied an Vorsorgeuntersuchungen, Sportkursen oder Impfungen teil, gibt es Geld von der Kasse geschenkt. Wahltarife funktionieren wie eine Autoversicherung mit Selbstbehalt: Man zahlt weniger, weil man denkt, dass man bestimmte Leistungen nicht in Anspruch nimmt. Tut man es doch, muss man zuzahlen. Oder man bekommt Beitragsrückerstattungen am Jahresende, etwa wenn man nicht beim Arzt war. So können Versicherte auch in teureren Kassen einige hundert Euro im Jahr sparen. Günstige Kassen bieten solche Wahltarife oft nicht.

Zudem sollte man die Kassenleistungen mit seinen Gewohnheiten abgleichen: Nehmen wir einen Normalverdiener mit 3500 Euro brutto. Er ist in einer großen Kasse mit 15,5 Prozent Beitrag versichert. Beim Wechsel zur BKK firmus mit 15,2 Prozent würde er jährlich 126 Euro sparen. Aber: Seine Kasse zahlt ihm pro Jahr einen Bonus von 190 Euro, wenn er zu allen Vorsorgeuntersuchungen geht. Zudem bekommt er für die Sportkurse, die er auf eigene Rechnung belegt, jährlich 200 Euro von der Kasse dazubezahlt. Unterm Strich erhält er 390 Euro zurück. Bei der BKK firmus wären es lediglich 120 Euro Maximalbonus. Sie wäre also trotz des billigeren Beitrags 144 Euro teurer als die jetzige Kasse. Anders sähe es beim billigsten bundesweiten Anbieter Hkk aus: Hier sparte der Versicherte 210 Euro, könnte 250 Euro Bonus einstreichen und bekäme ebenfalls 200 Euro zu den Sportkursen gezahlt. Ihm blieben 660 Euro mehr als bisher. Wenn das kein Grund ist, in Bewegung zu kommen.

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