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EU-Richtlinie : Mehr Daten für Versicherte

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Genau hingucken: Dieser Tipp gilt für den Versicherungsvertrag sowieso. Bild: Edgar Schoepal

Die richtige Versicherung abzuschließen, ist nicht immer leicht. Jetzt hat die EU neue Vorschriften beschlossen: Die Kunden sollen mehr Informationen bekommen.

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          Bessere Informationen und mehr Transparenz sollen in der Europäischen Union die Verbraucher beim Abschluss von Versicherungen besser schützen. Dies sieht eine Neuauflage der Versicherungs-Vermittlungsrichtlinie vor, die das Europaparlament am Dienstag unter Dach und Fach gebracht hat. Die neuen Vorschriften wurden vorab mit dem Rat ausgehandelt, in dem die 28 EU-Staaten vertreten sind. Die Mitgliedsländer haben nun zwei Jahre Zeit, um sie in nationales Recht umzusetzen.

          „Dank besserer Informationen können Kunden leichter die richtige Wahl treffen“, sagte der zuständige EU-Kommissar Jonathan Hill. Verbraucher müssten wissen, „welche Versicherungen und welche Garantien sie kaufen.“

          Betroffen sind grundsätzlich alle Versicherungen, etwa für Kraftfahrzeuge, Hausrat oder auch Lebensversicherungen. Die Regeln gelten sowohl für den Vertrieb über Versicherungsmakler als auch für den Kauf einer Police direkt beim Versicherungskonzern. Ausgenommen sind nach Angaben des Berichterstatters Werner Langen (CDU) jedoch nebenberufliche Vermittler sowie Verträge, die als Zusatz zu bestimmten Dienstleistungen angeboten werden und deren jährliche Prämie 600 Euro nicht überschreitet.

          Das sind die neuen Regeln

          Die Richtlinie sieht vor, dass Kunden eine Versicherung auch aus einem Pauschalangebot herauslösen können. Sie könnten dann beispielsweise einen Neuwagen kaufen, ohne die im Paket mit angebotene Versicherung abnehmen zu müssen. Das gleiche gilt für Versicherungen, die oft im Paket mit Pauschalreisen angeboten werden.

          Vorgesehen ist zudem ein EU-weit einheitliches Informationsblatt für alle Versicherungen mit klaren Angaben über abgedeckte und ausgeschlossene Risiken. Dadurch sollen nicht zuletzt Hürden bei grenzüberschreitenden Abschluss von Versicherungen beseitigt werden.

          Versicherungsunternehmen müssen zudem ihre finanzielle Leistungsfähigkeit gewährleisten. Diese muss mindestens vier Prozent ihrer jährlichen Prämieneinnahmen entsprechen. Damit sollen Kunden davor geschützt werden, dass Versicherer mangels Finanzreserven eine Prämie oder einen Erstattungsbetrag nicht auszahlen können.

          Ein vor allem von Vertretern der Linken geforderte EU-weit gefordertes Provisionsverbot für Versicherungen fand weder im Parlament noch im Rat der Mitgliedstaaten eine Mehrheit. Die Richtlinie erlaubt es aber den einzelnen Staaten, ein solches Verbot zu erlassen. Der Verkäufer einer Versicherung muss zwar angeben, in welcher Form und vom wem er eine Provision erhält. Er muss aber deren Höhe nicht offenlegen - wie dies in der EU für Investmentsfonds und andere Anlageprodukte vorgeschrieben ist. Auch in diesem Punkt können die Mitgliedsstaaten weitergehen, indem sie die Offenlegung der Provision vorschreiben.

          Hier sei nun der deutsche Gesetzgeber gefordert, betonte der deutsche Grüne und Finanzexperte Sven Giegold. Für Kapitallebensversicherungen müssten die gleichen Transparenzregeln gelten wie für andere Anlageprodukte. „Angebote, die direkt im Wettbewerb miteinander stehen, müssen gleichbehandelt werden“.

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