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Filialbanken auf dem Rückzug : Die Schließfächer werden rar

  • -Aktualisiert am

Mittlerweile eher selten: ein leeres Schließfach Bild: dpa

Wer sein Geld vor Einbrechern in Sicherheit bringen will, hat ein Problem: Banken schließen Filialen und damit auch Schließfächer.

          Wer zur Zeit in Berlin ein Bankschließfach mieten will, der dürfte einige Probleme bekommen. Denn sowohl die Berliner Volksbank als auch die Berliner Sparkasse haben fast alle ihre Schließfächer an die eigenen Kunden vermietet. Mit ihrem Problem stehen die Berliner hierzulande nicht alleine da. Vor allem in Großstädten übersteige die Nachfrage derzeit das Angebot, heißt es vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband.

          Auch die Stadtsparkasse Düsseldorf spricht von einer großen Nachfrage. In den vergangenen zwei Jahren sei diese um rund 30 Prozent gestiegen. Für 50 Euro im Jahr sei hier aber noch an ein aktenordnergroßes Schließfach zu kommen. Auch die Hamburger Sparkasse hat nach eigenen Angaben und trotz gestiegener Nachfrage noch freie Schließfächer zur Verfügung. Diese können auch an Nichtkunden vermietet werden. Das bieten nicht alle Kreditinstitute an. Die meisten bedienen zunächst ihre eigenen Kunden.

          Doch es gibt noch einen anderen gewichtigen Grund, warum die Suche nach einem Schließfach zu einer Herausforderung werden kann: Das Angebot wird knapper. So ist beispielsweise die Berliner Volksbank gerade mit ihrer Zentrale in ein Bürogebäude umgezogen. Die Schließfachanlage in der alten Filiale wurde deshalb geschlossen.

          Auch die Deutsche Bank hat schon angekündigt, in Berlin einige Standorte inklusive Schließfachanlagen zu schließen. „Die Filialschließungen tragen dazu bei, dass einige Kreditinstitute bereits Wartelisten für Schließfächer führen“, sagt Tanja Beller vom Bundesverband deutscher Banken. Die Kunden würden dann nicht sofort ihr Wunschschließfach bekommen.

          Bargeld ist nicht versichert

          Die Frankfurter Sparkasse wirbt mit ihrem dichten Filialnetz. Sollte aufgrund der hohen Nachfrage in der eigenen Filiale kein Schließfach in der gewünschten Größe vorhanden sein, würden sie ihren Kunden ein Schließfach in der Nachbarfiliale vermitteln. In neue Schließfachanlagen will keines der befragten Kreditinstitute investieren. Solch ein Investment sei sehr teuer, weil die Anlagen hohen Sicherheitsanforderungen standhalten müssen. Außerdem ist nicht jede Filiale aus baulichen Gründen dafür geeignet.

          Was die Kunden in den Schließfächern aufbewahren, wissen nur sie selbst. In den meisten Fällen ist es vermutlich Gold und Schmuck, den sie in Sicherheit wägen wollen. Ein Grund für die gestiegene Nachfrage dürfte die Angst vor Einbrüchen sein. Laut polizeilicher Kriminalstatistik hat sich die Zahl der Wohnungseinbrüche in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Im Jahr 2015 sei die Zahl der Einbrüche in Deutschland auf 167.000 gestiegen, das seien zehn Prozent mehr Einbrüche als im Vorjahr. Auch Bargeld sollte man nur so viel wie nötig zu Hause aufbewahren, mahnt die Polizei.

          In den meisten Fällen ist ein Bargeldbestand in den Schließfächern allerdings nicht mit versichert, und auch ein Nachweis über die Summe ist im Falle eines Abhandenkommens, sei es durch einen Raub oder einen Brand, nur schwer möglich. Für diesen Fall sollte man sich die Seriennummer der Scheine notieren und, wie auch für andere Wertgegenstände, eine Inventarliste mit Fotos führen sowie Kaufbelege aufbewahren. Auch die Kontoauszüge, die die Abhebung belegen, sollte man nicht verlieren. Denn wer später nicht die Herkunft des Geldes nachweisen kann, gerät schnell unter Geldwäscheverdacht.

          Vermehrte Bargeldabhebungen konnten die Kreditinstitute in letzter Zeit nicht vermerken. Die aktuelle Lage auf dem Finanzmarkt verunsichert die Bevölkerung zwar, trifft sie aber noch nicht direkt. Auf Giro- und Tagesgeldkonten gibt es zwar so gut wie keine Zinsen mehr, bisher reichen die Banken die negativen Einlagezinsen von 0,4 Prozent, die sie zahlen müssen, um ihr Geld über Nacht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu parken, lediglich an Unternehmenskunden weiter. Die ersten Anzeichen der Kreditinstitute, bald die Negativzinsen auch an Privatkunden weiterzugeben, könnten den Run auf die Tresore noch verstärken.

          Auch die Debatte um die Abschaffung des 500-Euro-Scheins durch die EZB und die Debatte um eine Obergrenze für Bargeldzahlungen von 5000 Euro in Deutschland tragen zur Verunsicherung bei. Die EZB will die negativen Einlagezinsen weiter erhöhen, um auf diese Weise die Wirtschaft anzukurbeln. Doch Banken sowie Unternehmen würden dann ihr Bargeld lieber horten. Was sie davon abhält, sind die Kosten, die durch die Aufbewahrung der Banknoten in Tresoren entstehen. Mit der Abschaffung des 500-Euro-Scheins würden sich diese erhöhen. Mit einer Abschaffung des Bargelds ließe sich den Strafzinsen nicht mehr entgehen.

          Doch auch den Privatkunden kommt ihr Bedürfnis nach Sicherheit teuer zu stehen. Bei der Frankfurter Volksbank gibt es zwar das kleinste Schließfach für eine Jahresmiete von 25 Euro. Die im Mietpreis enthaltenen Versicherungssummen variieren allerdings stark untereinander. Bei der Frankfurter Volksbank beträgt die Summe lediglich 2000 Euro. Eine zusätzliche Versicherung lässt sich gegen einen Aufpreis abschließen.

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