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Versicherungsaufsicht : „Es gibt Versicherer, die an ihre stillen Reserven müssen“

Beantragt worden ist dies 2012 nur von der Protektor Lebensversicherungs AG, die sich als Auffangschirm der Branche in einer Sondersituation befindet. Wir ermuntern aber die Unternehmen, sehr früh mit uns das Gespräch zu suchen, falls auch nur die Möglichkeit in Betracht kommen könnte, das eine Minderung der Mindestzuführung notwendig werden könnte.

Tatsächlich gab es drei weitere Unternehmen, die das in Erwägung gezogen hatten, ihre Zuführungen dann aber doch wie vorgeschrieben tätigen konnten. Wenn es in Zukunft solche Anträge geben sollte, dürfen sie nicht als Hilferuf einer ganzen Branche missverstanden werden. Sie bedeuten nicht, dass ein Unternehmen instabil ist oder kurz vor dem Umkippen steht.

Kann es sich die Branche noch leisten, jedes Jahr rund 8 Milliarden Euro für Abschlussprovisionen auszugeben?

Das ist eine berechtigte Frage, schon deshalb, weil der Anteil der Vertriebskosten in der Gesamtkalkulation stark angestiegen ist. Die Branche muss sich dem Kostenthema stellen, so wie die Autoindustrie oder der Maschinenbau auch. Eine andere Frage ist, ob dafür der Ruf nach dem Staat erforderlich ist. Das will ich aus Sicht der Bafin nicht bewerten.

Könnte die Beratungsqualität unter einer Kostenbegrenzung leiden?

Ich kann nicht erkennen, dass diejenigen mit den höchsten Courtagen auch die höchste Beraterqualität bieten. Klar ist, dass Vertriebsstrukturen in Bewegung kommen würden. Warum aber auch nicht? Auch anderswo gibt es strukturelle Änderungen im Vertrieb. Da kann die Versicherungsbranche kein Schutzreservat sein.

Ausgerechnet die Debeka, der Inbegriff des seriösen Versicherers, soll sich auf fragwürdigen Wegen Daten von künftigen Beamten beschafft haben. Was tut die Bafin dagegen?

Wir schauen uns den Vorgang genau an, klären den Sachverhalt auf und werden gegebenenfalls prüfen, ob wir Maßnahmen auf Basis des Versicherungsaufsichtsgesetzes einleiten. Hier stehen wir aber ganz am Anfang.

Der Niedrigzins macht auch privaten Krankenversicherern zu schaffen. Wie wirkt sich das auf die Beiträge aus?

Wir lassen die Krankenversicherer jedes Jahr prognostizieren, welche Erträge sie bei der Kapitalanlage in den nächsten zwei Jahr erzielen werden. Anhand der Ergebnisse können wir unternehmensindividuell feststellen, ob es in der Lage sein wird, den erforderlichen Rechnungszins zu erwirtschaften, oder ob dieser angepasst werden muss.

Für dieses Jahr legt das Modell nahe, dass 18 der 48 Unternehmen dabei Schwierigkeiten haben dürften. Der Anpassungsbedarf bei den Prämien ist deshalb höher als in den Vorjahren. Aber es kann angesichts der Zinsentwicklung nicht überraschen, dass sich die Beiträge hierdurch verteuern.

Das dürfte zu Diskussionen über die Probleme beim Wechsel in günstigere Tarife führen. Blockieren hier die Versicherer?

Wir haben den Tarifwechsel immer wieder in Einzelfällen gegenüber den Unternehmen aufgegriffen. Jeder Kunde hat Anspruch darauf, seinen Tarif innerhalb der Gesellschaft zu wechseln. Auch geschlossene Tarife darf sie ihm nicht vorenthalten.

Manchmal war eine freundschaftliche Ermunterung durch die Bafin notwendig, damit Versicherer die Rechte ihrer Kunden anerkannten. Eine Häufung der Fälle kann ich nicht erkennen.

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