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Versicherungsaufsicht : „Es gibt Versicherer, die an ihre stillen Reserven müssen“

Für die Bafin steht außer Frage, dass die Produktlandschaft auch in Deutschland vielfältiger werden muss. Sie können die traditionelle deutsche Lebensversicherung mit einer Garantie über die gesamte Vertragsdauer nicht als Vergleichsmaßstab für jedes andere Produkt nehmen. Das ist nicht angemessen und entspricht auch nicht der Realität im Rest der Welt.

Viele Kunden schrecken zurück, weil sie die Produkte nicht mehr verstehen. Wird hier von den Versicherern überzogen?

Transparenz ist ein hohes Gut. Doch komplexe Produkte sind nichts Neues. Wenn die Versicherer ihre Produkte nicht verständlich erklären können, werden die Kunden diese Produkte auch nicht kaufen. Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

Eine Neuregelung zur Beteiligung ausscheidender Kunden an den Bewertungsreserven ist gescheitert. Wie dringend ist ein neuer Anlauf?

Es gab eine ganze Reihe von Faktoren, die im Februar nicht hinreichend gewürdigt worden sind. Darunter der jetzt doch sehr sichere Schwenk zum neuen Aufsichtsrecht Solvency II. Vermutlich wird es dazu am 13. November eine politische Einigung geben.

Die deutschen Lebensversicherer werden von 2016 an ihre Eigenmittel schrittweise jedes Jahr um mehrere Milliarden Euro erhöhen müssen – zusätzlich zu der Zinszusatzreserve. Und das voraussichtlich über einen Zeitraum von 15 Jahren, der sich als Übergangsfrist abzeichnet.

Aber den Preis bezahlen auch die Kunden, die seit 2008 auf eine Beteiligung an den Reserven vertrauen. Wie steht es um die Balance?

Die Kunden sollen auch weiterhin beteiligt werden. Aber dabei muss die extreme Volatilität berücksichtigt werden. Sie darf nicht länger in vollem Umfang auf die Ansprüche in den fälligen Verträgen durchschlagen. Sonst profitieren wenige Kunden, die zu einem bestimmten Zeitpunkt ausscheiden – zu Lasten der vielen Versicherten, die im Kollektiv bleiben.

War die Regelung ein Fehler?

Als sie 2008 eingeführt wurde, hat sich niemand vorstellen können, dass die stillen Reserven auf festverzinsliche Wertpapiere von 3 Milliarden Euro im Jahr 2011 innerhalb von eindreiviertel Jahren auf fast 90 Milliarden Euro hochschießen würden.

Das sind Schwankungen, die man einem Zockerpapier zuschreiben würde. Und solche Schwankungen auf eine Anlageform durchschlagen zu lassen, die von jahrzehntelanger Berechenbarkeit geprägt ist, ist einfach ein logischer Widerspruch.

Haben Sie Anzeichen dafür, dass Hochzins-Papiere vorzeitig verkauft werden mussten? Analysen lassen den Schluss zu, dass dies nicht erforderlich war.

Das ist ein krasses Fehlurteil. Es gibt Gesellschaften, die nicht an ihre stillen Reserven heranmüssen, aber es gibt andere, die definitiv nicht mehr darum herumkommen – das hängt dann auch maßgeblich mit der Finanzierung der Zinszusatzreserve zusammen.

Die Nettoverzinsung der Lebensversicherungen lag 2012 bei 4,6 Prozent, die laufende Verzinsung bei knapp 4 Prozent. Die Differenz erklärt sich zum großen Teil daraus, dass Bewertungsreserven gehoben wurden.

Sind Lebensversicherer an die Bafin herangetreten, um ihre Ausschüttungsverpflichtungen zu reduzieren?

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