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Berufsunfähigkeitsversicherung : Versicherungen online abschließen gewinnt an Popularität

Kein lästiger Papierkram mehr: Die meisten digitalen Versicherungen stammen bisher aus dem Bereich der Risiko- und Sachversicherungen. Bild: obs

Die Digitalisierungswelle macht den Abschluss von digitalen Versicherungen möglich. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist kein Einzelfall.

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          Die nach Unternehmensangaben erste digitale Berufsunfähigkeitsversicherung in Deutschland ist am Montag in Berlin an den Start gegangen. Das Berliner Start-up Getsurance kooperiert dafür mit dem milliardenschweren amerikanischen Rückversicherer Reinsurance Group of America (RGA). Der Abschluss der Versicherung und die Risikoprüfung sollen für Verbraucher komplett über das Internet möglich sein und auf diese Weise in der Regel nur wenige Minuten in Anspruch nehmen.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Darin unterscheide das Angebot sich von denen herkömmlicher Versicherer, die zum Teil zwar auch eine Anbahnung der Versicherung über das Internet anböten, dann aber eine oft zeitraubende Risikoprüfung „offline“ vornähmen, sagte Viktor Becher, der Getsurance zusammen mit seinem Bruder Johannes Becher (vormals Rocket Internet) gegründet hat.

          Geld haben die Gründer dafür unter anderem von Picus Capital erhalten, der Beteiligungsgesellschaft des Internet-Unternehmers Alexander Samwer. „Wer eine herkömmliche Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen will, muss sich durch einen langwierigen Antragsprozess mit vielen komplizierten Papierformularen quälen“, sagte Johannes Becher.

          Das schrecke vor allem junge Kunden ab. Mit dem neuen Versicherungsprodukt „Getsurance Job“ bringe das Unternehmen die Berufsunfähigkeitsversicherung endlich ins digitale Zeitalter. 75 Prozent der Deutschen seien nicht gegen Berufsunfähigkeit versichert. Vor allem für körperlich hart arbeitende Menschen seien entsprechende Versicherungen oft zu teuer, das wolle man mit dem Internetangebot ändern, sagte Viktor Becher: „Das kleinste Paket gibt es für eine Krankenschwester ab 11 Euro monatlich.“

          Digitale Versicherungen bisher Risiko- oder Sachversicherungen

          Die digitale Berufsunfähigkeitsversicherung ist dabei kein Einzelfall: Auch die Versicherer erleben derzeit eine regelrechte Digitalisierungswelle. Ein Unternehmen namens Ottonova (benannt nach Otto von Bismarck, dem Ahnherrn der deutschen Krankenversicherung) will an diesem Mittwoch die erste digitale Krankenversicherung ins Leben rufen, wie in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung berichtet. Ende des Jahres sollen private Zusatzversicherungen zum Beispiel für Zahnersatz für gesetzlich Versicherte hinzukommen. Ein weiterer Versicherer steht kurz davor, eine digitale Lösung für die Altersvorsorge auf den Markt zu bringen. Und mit irgendwelchen Schritten zur Digitalisierung beschäftigen sich inzwischen sogar schon fast alle Versicherer.

          „Verbraucher können schon heute zahlreiche Versicherungen online abschließen“, heißt es dazu beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft. Die meisten Versicherungen, die man schon komplett im Internet abschließen könne, stammten aus dem Bereich der Risiko- und Sachversicherung, sagte Becher. Also etwa Privathaftpflichtversicherungen, Hausratsversicherungen und Autoversicherungen. Bislang seien die Angebote im Internet für Lebens- und Krankenversicherungen, die man komplett online abschließen könne, noch weniger weit gediehen.

          Bisher hätten sich Insurtechs, also techniklastige Start-ups für die Versicherungsbranche wie Clark („Dein smarter Versicherungsmanager“), oder Knip („Digitaler Versicherungsmakler“) vor allem auf die Vermittlung konventioneller Policen konzentriert oder befänden sich wie Ottonova („Die digitale Krankenversicherung der Zukunft“) und Flypper („Digital wenn möglich, persönlich, wenn nötig“) in der Entwicklungsphase.

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