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Versicherungen : Berufsunfähigkeit versichern!

Bild: dpa

Niemand ist vor Unfall oder schwerer Krankheit gefeit. Berufsunfähigkeitsversicherungen fangen die Gehaltseinbußen auf. Doch nicht jedes Angebot ist geeignet: Worauf man achten sollte.

          Die Deutschen versichern ihre Handys oder Urlaubskoffer gegen Diebstahl und ihre Brille gegen Zerbrechen - aber vor einem der wichtigsten Risiken schützen sich viel zu wenige: vor der Berufsunfähigkeit. Wer wegen schwerer Erkrankung oder Unfall kaum arbeiten kann, hat riesige Einkommenseinbußen. Die finanzielle Existenz gerät in Gefahr. Eine Versicherung ist hier zwingend. Und wichtiger als der Schutz vor Bagatellschäden wie einem geklauten Handy.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch nur rund 3,4 Millionen Deutsche sichern sich mit einer eigenständigen Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ab. Weitere fast 14 Millionen haben zwar im Rahmen einer Lebensversicherung zusätzlich den Schutz vor Berufsunfähigkeit vereinbart: Mit nur 540 Euro im Durchschnitt liegen die erwarteten Monatsrenten aber für viele zu niedrig. Empfohlen wird, mindestens 60 bis 70 Prozent des Bruttogehalts abzusichern.

          Wer sich schützen will, muss auf ungeförderte Angebote ausweichen

          Seit Jahresanfang will nun auch der Staat helfen, dass mehr Menschen sich absichern. Jetzt können auch die Beiträge einer eigenständigen BU-Versicherung von der Steuer abgesetzt werden. Allerdings hat die Förderung einen großen Haken. Sie wird nur gewährt, wenn die Versicherung im Ernstfall eine lebenslange Rente zahlt. Normale BU-Versicherungen zahlen bis zum Beginn des Ruhestandes, weil dann ja die normale Altersrente und private Rentenverträge fällig werden.

          Die staatlich geförderte lebenslange Rente verteuert die Beiträge enorm: auf mindestens das Doppelte bis Dreifache der üblichen Tarife, schätzen Experten. Daher bietet bisher keine Versicherung solche Tarife an. Wer sich schützen will, muss also weiter auf die ungeförderten Angebote ausweichen, wenn er nicht etwa über den Arbeitgeber über ein Versorgungswerk abgesichert ist.

          Immer mehr Deutsche legen Wert auf eine gute Absicherung Bilderstrecke

          Der Staat zahlt im Ernstfall meist nicht oder sehr wenig. Kann der Betroffene noch mindestens sechs Stunden am Tag einfache Tätigkeiten ausüben, gibt es nichts, auch wenn er dafür deutlich weniger Gehalt erhält. Das ist gar nicht so selten. Und wer weniger als sechs, aber mindestens drei Stunden arbeiten kann, bekommt nur eine Minirente, die die Einkommenseinbußen nicht ausgleicht.

          Hieran ändern auch die Verbesserungen kaum etwas, die die Bundesregierung in der vergangenen Woche beschlossen hat und die am 1. Juli für neue Fälle gelten sollen. Dann werden bei der Berechnung der Rente zwei fiktive Beitragsjahre hinzugerechnet. Das würde die Durchschnittsrente von derzeit rund 650 Euro um etwa 50 Euro erhöhen.

          Eine BU-Versicherung bleibt da unverzichtbar. Sie zahlt bei den meisten Anbietern, wenn der Betroffene weniger als 50 Prozent der üblichen Arbeitszeit und der normalen Aufgaben in seinem bisherigen Beruf nicht mehr leisten kann. Die Versicherung orientiert sich also an der bisherigen Tätigkeit und nicht - wie die staatliche Erwerbsunfähigkeitsversicherung - an der Fähigkeit, überhaupt arbeiten zu können.

          Die Beiträge für den Schutz variieren stark

          Die Beiträge für den BU-Schutz variieren stark. Besonders günstig ist es für junge Akademiker, die nur im Büro arbeiten und bisher keine schwerwiegenden Krankheiten hatten. Für sie kostet eine Versicherung mit ordentlichen Leistungen und 2000 Euro vereinbarter Monatsrente ab 60 Euro im Monat. Ein 45-Jähriger zahlt dafür schon mindestens 100 Euro. In diesen Monatsbeiträgen sind die von der Versicherung zuletzt erzielten Überschüsse aus der Anlage der Beiträge berücksichtigt.

          Fallen die niedriger oder ganz aus, kann der Beitrag bis auf einen festgelegten Maximalbeitrag steigen. Je mehr handwerkliche Tätigkeit der Versicherte ausübt, desto teurer wird es, weil dann das Risiko einer Berufsunfähigkeit steigt. Der Meister zahlt dabei noch weniger als seine Gesellen, weil er mehr im Büro sitzt. Am günstigsten versichert werden Physiker, Chemiker, aber auch Ärzte, Ingenieure oder Leiter eines Verbandes. Die Beitragsunterschiede unter den Akademikern sind bei 100 Prozent Bürotätigkeit in der Regel sehr gering.

          Es sei denn, es gibt Vorerkrankungen. Dann wird es teurer, oder die Versicherung schließt schon bei Vertragsschluss eine Zahlung aus, wenn es wegen dieser Erkrankung später zu einer Berufsunfähigkeit kommt. Bei rund 15 Prozent der Anträge wurde es teurer oder gab es Ausschlüsse, hat der Versicherungsbewerter Morgen & Morgen ermittelt. Vorerkrankungen einfach zu verheimlichen ist aber ein riskanter Ausweg.

          Wann Leistungen abgelehnt werden

          Stellt der Arzt später fest, dass die Erkrankung schon bei Vertragsbeginn bestand, leistet die Versicherung nicht. Das ist nach Morgen & Morgen zusammen mit echtem Betrug der dritthäufigste Grund für eine Ablehnung der Leistung. Am häufigsten liegt es daran, dass der Kunde bei der Beantragung des Leistungsfalles nicht reagiert. Und dass die Betroffenen noch mehr als 50 Prozent der Arbeitszeit arbeiten können.

          Ratsam ist es, eine Berufsunfähigkeitsversicherung der Unfallversicherung vorzuziehen, weil die BU-Police auch bei den viel häufiger vorkommenden schweren Krankheiten zahlt, die Unfallversicherung nicht. Die Versicherung sollte eigenständig, nicht in Kombination mit einer Lebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen werden. Denn es kommt öfters vor, dass Versicherte in finanziell knapperen Zeiten den Beitrag nicht zahlen können.

          Bei der Kombilösung verlieren sie dadurch meist den BU-Schutz, bei zwei getrennten Policen kann zumindest die Berufsunfähigkeitsversicherung meist noch bezahlt werden. Und eine gute BU-Versicherung sollte auf eine „abstrakte Verweisung“ in einen anderen Beruf verzichten. Dann zahlt sie, auch wenn man trotz Unfall eine andere schlechter bezahlte Tätigkeit ausüben kann. Sie sollte zudem schon ab sechs Monaten zu erwartender Berufsunfähigkeit einspringen. Üblich sind deutlich längere Zeiträume.

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